Programmieren lernen – weil du es kannst

Geschrieben von | · · · · · · · · | Women | 1 Kommentar zu Programmieren lernen – weil du es kannst

Ich lerne seit drei Jahren Programmieren. Das hat viel mit mir gemacht: Mit meiner Denkweise, mit meiner Arbeit und mit meinem Selbstbewusstsein gegenüber allem Technischen. Schon alleine aus dem letzen Grund lohnt es sich, Programmieren zu lernen – zumindest in Grundzügen.

Doches gibt noch viel mehr Gründe: Wir nutzen in unserem digitalen Alltag selbstverständlich Unmengen von Software und Technik, die wir nur so lange verstehen, wie sie funktioniert. Verändern und gestalten können wir kaum etwas von den Anwendungen, ohne die wir uns unser Leben gar nicht mehr vorstellen können. Dass uns dadurch die Steuerung wesentlicher Lebensbereiche entgleitet, wird unter dem Stichwort „Code-Literacy“ diskutiert – beispielsweise hier von Nele Heise und Kollegen. Dass wir nicht nur mehr Code-Literacy, sondern auch mehr Diversity in der Programmierung brauchen, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen. Deshalb ist der Vorschlag von Gesche Joost, das Fach Digitalkunde an Schulen anzubieten, ein guter. Doch für uns kommt das deutlich zu spät.

Die gute Nachricht ist: Es war wohl nie einfacher, mit dem Programmieren anzufangen. Die einzigen Voraussetzungen sind ein Computer und ein Funken Neugierde darauf, wie Programmieren funktioniert.  Es gibt inzwischen viele Angebote von Initiativen, Institutionen und Einzelpersonen, die aus Online-Tutorials über ganze Bücher bis hin zu Workshops und Lerngruppen bestehen, und von denen ich gerne ein paar teile, die ich selbst genutzt habe oder die mir empfohlen wurden.

Anfangen

Du weißt nicht, was der Unterschied zwischen Backend und Frontend ist und deine Mathekenntnisse sind auch eingerostet. Macht gar nichts: Die Programmierer, die ich kennen gelernt habe, sind nicht alle Informatiker, sondern waren mal Designer, Künstler oder Lehrer. Wenn du neugierig bist, wie Programmierung funktioniert, kannst du online gute Einblicke in die Grundprinzipien des Programmierens und unterschiedliche Programmiersprachen bekommen.

  • Tryruby.org: Online-basiertes Tool, um die Programmiersprache Ruby zu entdecken. Ruby ist eine gute Sprache für den Einstieg: Sie ist leicht verständlich und hat eine unglaublich hilfsbereite, offene und engagierte Community.
  • Codeschool und Codecademy: Online-Tutorials zum Selber-Lernen unterschiedlicher Programmiersprachen. Teils kostenlos, teils kostenpflichtig. Die Tutorials sind pädagogisch aufbereitet und bieten Erklärungstexte, manchmal Videos im Vorlesungsstil und Aufgaben zum direkten Ausprobieren.
Foto: Rails Girls Berlin

Rails Girls Workshop (Foto: Rails Girls Berlin)

Weitermachen und Vertiefen

Wenn du dich nach ein paar Einstiegstutorials immer noch über die Ergebnisse freuen kannst, die ein paar Zeilen deines eigenen Codes ausspucken, solltest du weitermachen. Allerdings erreichst du wahrscheinlich bald einen Punkt, wo du steckenbleibst und Austausch benötigst, sonst drehst du durch oder gibst auf. Ich habe ein paar Lernwillige kennen gelernt, die sich privat erfahrene Programmierer gesucht haben, die sie beim Lernen unterstützen. Wenn man privat keine Programmierer kenn, findet man hier einen Face-to-Face-Austausch und eine angenehme Lernumgebung:

  • Rails Girls: Vor fünf Jahren entstanden die Rails Girls. Ihr Ziel ist es, Mädchen und Frauen für Technik zu begeistern. Das tun sie über kostenlose Workshops und Lerngruppen, die weltweit von Freiwilligen organisiert werden. Die Workshops helfen, einen ersten Einstieg zu bekommen, aber auch, die nächsten Schritte zu gehen. In den Lerngruppen gibt es einige Coaches, die den Teilnehmerinnen die Grundlagen des Programmierens beibringen und sie bei ersten eigenen Programmen begleiten. Ich bin seit drei Jahren Teil der Lerngruppe Rubymonstas, in der wir unter anderem speakerinnen.org programmieren. Unser Coach Sven Fuchs hat das Buch „Ruby for Beginners“ als Curriculum für Lerngruppen geschrieben. Das Ganze kann aber auch genutzt werden, um in Eigenregie die Grundlagen von Ruby zu lernen.
  • Open Tech School: Die Open Tech School ist offen für Männer und Frauen und bietet regelmäßig Workshops und Co-Learning-Events für unterschiedliche Programme und Programmiersprachen an. Hier kann man sich gegenseitig inspirieren, motivieren und aushelfen.
  • App Camps: Normalerweise bietet AppCamps Workshops zur App-Entwicklung für Schülerinnen und Schüler an. Aber manchmal auch für Erwachsene. Der nächste Termin ist am 14.7. in Berlin.
  • Ruby on Rails Tutorial von Michael Hartl: Wenn du nicht die Möglichkeit hast, offline an Lerngruppen oder Workshops teilzunehmen, ist dieses Tutorial eine gut verständliche und gleichzeitig komplexe Möglichkeit, eine erste eigene Rails-App zu bauen.

Dranbleiben und Routine bekommen

Die unterschiedlichen Workshops und Tutorials sind sehr hilfreich und vermitteln grundlegende Konzepte und Techniken. Der nächste Schritt ist die kontinuierliche Arbeit an Real-Life-Projekten. Das ist beim Programmieren nicht anders als in anderen Lebens- und Arbeitsbereichen: Um die Dinge wirklich zu beherrschen, muss man sich aus der Komfortzone bewegen und die Herausforderungen der Wirklichkeit annehmen. Inklusive Nutzerfeedback, Bugs und eigenen Kreationen. Argh.

  • Rails Girls Summer of Code: Ein Sommer-Programm für angehende Programmiererinnen, das vor drei Jahren aus der Rails Girls Community entstanden ist. Über Crowdfunding und Sponsoring wird Geld eingesammelt, von dem Lern-Teams à zwei Frauen ein Stipendium erhalten, um von Juli bis September Vollzeit an einem Open Source-Projekt zu arbeiten und die Programmierkenntnisse zu vertiefen. Sie werden begleitet von ehrenamtlichen Coaches und je einem Mentor/einer Mentorin. In diesem Jahr werden weltweit 16 Teams gefördert, vier weitere sind unbezahlt mit dabei. Ich selbst bin in diesem Jahr eine der 32 Stipendiatinnen und arbeite ab dem 1. Juli an Diaspora.
  • Hackership: Das Hackership-Programm (hervorgegangen aus der Open Tech School und daran angebunden) bietet für jeweils 3 Monate selbstgesteuerte Lernprogramme. Das Programm richtet sich an schon fortgeschrittene Programmierer und Programmiererinnen. Die Kosten sind abhängig von der Location (nächste Orte: Costa Rica und Südostasien). Frauen können sich für ein Stipendium bewerben.

Wenn ich von meinen Erfahrungen mit dem Programmieren-Lernen erzähle, begegnen mir oft leuchtende Augen: „Könnte ich das auch?“ Wenn du bei dem Thema einen Funken Neugierde in dir spürst, kannst du das. Wohin auch immer dich das führt, es lohnt sich.

Maren Heltsche ist freiberufliche Analystin und Beraterin. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Erfolgsmessung und Kommunikationscontrolling. Hier ist ihr Steckenpferd Social Media Measurement und die Schaffung von Standards bei Social Media KPIs. Als DIY-Enthusiastin produziert sie privat gerne Dinge (z.B. Stricken, Drucken, Zeichnen) und lernt Ruby on Rails-Programmieren mit den fantastischen Railsgirls Berlin.


Ein Kommentar

Können Frauen überhaupt programmieren? | smart digits sagt:

26. Juli 2016 um 06:59

[…] geht es zu einer umfassenden Broschüre zu MINT-Studiengängen für Frauen) oder bei den Digital Media Women. Der Nachwuchs wird umworben. Und das ist auch bitter nötig. Solange es eine Meldung wert ist, […]

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