Von Instagram bezaubert, Snapchat kapiert, gewusst wie man Medienstartup wird – die #DMW auf der Media Convention Berlin

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Am 3. Mai 2016, dem zweiten Tag der re:pbulica, hatten wir #DMW drei Workshops auf der Media Convention. Wie sich schon am Montag abzeichnete, waren die Workshops im Media Cube unglaublich beliebt. Obwohl es nicht einfach war, in den hinteren Reihen noch etwas von Bild und Ton mitzubekommen, bildete sich stets eine Traube vor dem schwarzen Kasten.

Instagram für Medienschaffende

Spannend: Kristina Kobilke erklärt, wie sich Instagram fürs visuelle Marketing nutzen lässt. Foto: Simone Naumann
Voll, voll, voll waren die #DMW Workshops auf der #MCB16. Foto: Simone Naumann

Erklärtes Motto der Workshops war: Hands on, also anwendungsorientiertes Wissen für den Berufsalltag vermitteln, und dabei hatten wir natürlich besonders Medienschaffende im Blick. Kristina Kobilke, digitale Markenexpertin aus Hamburg, zeigte uns, wie sich Instagram als Inspirationsquelle, für die Recherche, als Marketing- und sogar als Vertriebskanal nutzen lässt.

Der größte Aufmerksamkeitsfresser nach Snapchat, Facebook und Whatsapp wollte eigentlich ein Newsmedium werden, hat sich dann aber doch eher als Plattform für visuelle Appetithäppchen und Slow Journalismus etabliert. Die New York Times zeigt auf ihrem Feed, dass selbst längere Texte in Verbindung mit Foto auf Instagram sehr gut funktionieren und eine andere Form des Erzählens ermöglichen, wie zum Beispiel in der Geschichte einer Frau, die Alzheimer bekommt und ihr Gesicht im Spiegel nicht mehr wieder erkennt.

Auch nach ihrem Workshop wollten Zuschauer und Presse noch viel wissen von Kristina Kobilke. Foto: Simone Naumann
Auch nach ihrem Workshop wollten Zuschauer und Presse noch viel wissen von Kristina Kobilke. Foto: Simone Naumann

Digitalen Nomaden bietet Instagram eine wunderbare Plattform für ein Reisetagebuch. Automatisch werden die Posts auf einer geografischen Karte angeordnet. Eigene Hashtags machen es möglich, Geschichten über Wochen, Monate und Jahre zu erzählen, besonders beliebt anhand eines tierischen Begleiters, wie Andrew Knapp beweist.

Für Medienschaffende eignet sich Instagram, um in Filmen und Bildern Geschichten vom Making of zu erzählen. Unternehmen nutzen die Plattform, um ihre menschliche Seite zu zeigen. Zeitmagazin lädt immer wieder andere Instagrammer ein, ihren Account eine Zeit lang zu übernehmen. Abschließend wies uns Kristina noch auf ein paar tolle Apps hin: Fotodanz und Picoo bringen Bewegung in Bilder, Quik fügt lesbaren Text in Videos ein, Influencer.db hält dich über die Resonanz und deine Zielgruppe auf dem Laufenden.

Endlich Snapchat kapieren

… war das Motto des zweiten Workshops von Kixka Nebraska. Aus gutem Grund: Es gibt kein besseres Medium, um 13-34-Jährige zu erreichen. Wer das nicht glaubt, kann ja mal in London U-Bahn fahren. Dort schaut sich jeder an, was die Freunde bei der letzten Party gemacht haben, hat die Profilagentin von Daniel Fiene erfahren.

Erste Schritte auf Snapchat mit Kixka Nebraska. Foto: Christine Plaß
Erste Schritte auf Snapchat. Foto: Christine Plaß

Mitbekommen, was gerade im Freundeskreis läuft, sich unbearbeitet selbst darstellen und schnell wieder verschwinden: Das ist es, was die Nutzer an Snapchat lieben. „Es gibt keine Likes! Bei Snapchat kannst du froh sein, wenn du

Vollen Einsatz zeigten die Teilnehmer bei "Snapchat kapieren". Foto: Simone Naumann
Voller Einsatz bei „Snapchat kapieren“. Foto: Simone Naumann

angeschaut wirst. In Deutschland sind die Abrufzahlen noch sehr, sehr übersichtlich“, verriet Kixka. Und dann ging es auch schon los: Wir richteten unser Profil ein, machten ein erstes Video und lernten, wie man Text einsetzt, der sich lesen lässt. Wer das jetzt mal zu Hause ausprobieren möchte oder nicht ganz mitgekommen ist, dem empfiehlt Kixka das kostenlose E-Book von Philipp Steuer „Snap me if you can“. Unsere WorkshopteilnehmerInnen waren top vorbereitet (App auf dem Smartphone, Akku voll) und mit vollem Körpereinsatz dabei. Weil Snapchat über die schöne Funktion „In meiner Nähe anzeigen“ verfügt, addeten wir Zufallsbekanntschaften und schickten uns gegenseitig Snaps. Wir lernten: Eine Story besteht mindestens aus drei Snaps und zu lange Storys sind nicht gut. „Leute vergesst nicht, das ist ein Teenager-Chatsystem“, riet uns Kixka zum Abschluss und sagte: „Auch wenn sich jetzt die Marketingleute darauf stürzen, es gibt kaum valide Nutzerzahlen…“ Aber da waren wir schon an die Geister auf gelbem Grund verloren.

How to become a Media Start-up

Sanja Stankovic und Sina Gritzuhn nahmen uns mit in die Welt der Medien-Start-ups. Die beiden informieren und vernetzen Start-ups in Hamburg und sorgen dafür, dass Politik und Wirtschaft die innovativen GründerInnen auf dem Schirm hat.

VIele Fragen hatten die Teilnehmer an Sanja Stankovic und Sina Gritzuhn zum Thema Startups. Foto: Simone Naumann
Viele Fragen hatten die Teilnehmer an Sanja Stankovic und Sina Gritzuhn zum Thema Startups. Foto: Simone Naumann

Ihr Unternehmen Hamburg Startups ist quasi das Schaufenster zur Start-up-Szene, die in Hamburg – anders als in Berlin – anfangs nicht so richtig wahrgenommen wurde. Außerdem arbeiten die beiden massiv daran, den Anteil von Gründerinnen zu erhöhen, der in Hamburg mit 14 Prozent gerade mal ein Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Wie Sina berichtete, haben sich die Medienstart-ups in den letzten Jahren enorm gesteigert. Sie starten zumeist mit wenig Kapital und möchten häufig mit gutem Content Geld verdienen. Leider gibt es bislang kaum Geschäftsmodelle für hochwertigen, journalistischen Content. Deshalb rät Sanja, Finanzielles von der Redaktion zu trennen und sich neben gutem Content ein weiteres Geschäftsmodell aufzubauen.

Christine Plaß führte durchs Programm. Foto: Simone Naumann
Christine Plaß führte durchs Programm. Foto: Simone Naumann

Wer gründen möchte, sollte außerdem nicht vor zeitgemäßen Businesskonzepten zurückschrecken. Wer sich eine Übersicht verschaffen will: Im Blog von Hamburg Startups stellt Judith Gentz, Expertin für moderne Führungsmethoden, verschiedene Ansätze vor.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Start-ups, die durch die Decke gehen? Vorhersagen lässt sich so etwas natürlich nie, aber nach Ansicht von Sanja und Sina hilft es, sich am Anfang zu überlegen, für welches Problem das eigene Angebot eine Lösung ist. Dann gilt es, sich ein gutes Pitchdeck zuzulegen, aus dem hervorgeht, womit das Geld verdient wird. Die Fragen des Publikums am Ende des Workshops zeigten, dass Deutschland noch einiges zu tun hat in punkto Start-up-Förderung, vor allem was den Bürokratieabbau und den Ausbau der Förderstrukturen jenseits der Metropolen betrifft.

Mein Fazit: Drei spannende Vorträge im tollen Format des Media Cubes, der nächstes Jahr vielleicht noch mehr Raum bekommen könnte. Danke an Sabine Hellwig vom Medienboard Berlin Brandenburg GmbH, die uns eingeladen hat, hier #DMW-Workshops zu veranstalten und natürlich an die vier Speakerinnen, die recht spontan bereit waren, ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit uns zu teilen.

 

 

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