Liberating Structures: Zehn Tipps für abwechslungsreiche Meetings

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Scetchnote Liberating structures von Sara_Parr

©Sara Parr; Sketchnote gestaltet für das digitale Liberating Structures Meetup der Digital Media Women Rhein-Main am 24. März 2021.

Sicher kennst du langatmige Konferenzen, in denen eine Person spricht und alle anderen hören zu oder langweilen sich? Das geht auch anders. Wenn du also neue und andere Ergebnisse in deinen Workshops und Meetings erreichen willst, dann haben wir hier zehn Empfehlungen für dich, wie du mithilfe von Liberating Structures (LS) abwechslungsreiche und effiziente Meetings gestaltest.

 

Zunächst einmal: Was sind überhaupt Liberating Structures?

Hinter dem Begriff verbirgt sich ein Werkzeugkoffer an 33 Strukturen, die echte Partizipation und Interaktion in Meetings zulassen. Es sind kleine methodische Kniffe, die die Auswahl von Teilnehmenden für Kleingruppen-Arbeiten ermöglichen, dafür sorgen, dass laute wie leise Menschen gleichberechtigt zu Wort kommen oder Informationen auch in größeren Gruppen möglichst effizient miteinander geteilt werden. Mehr dazu findest du unter https://liberatingstructures.de/ oder in der Liberating Structures App.

Hier nun zehn Tipps für dein erfolgreiches Meeting mit Liberating Structures

1. Plane vom Ziel her
Bevor du dir überlegst, welche Strukturen du nutzen willst, denke darüber nach, was das Ziel ist. Sammeln von Ideen? Networking? Kleine erste Schritte überlegen, die jede:r sofort umsetzen kann? Themen in der Gruppe diskutieren? Vom Ziel her kannst du später die passenden Liberating Structures auswählen.

 

2. Wähle deine Fragen weise
Gut formulierte Fragestellungen sind für die erfolgreiche interaktive Zusammenarbeit essentiell. Nutze daher die Zeit der Vorbereitung, um dir Gedanken darüber zu machen, wie du mit pointierten Fragestellungen die Kreativität der Teilnehmenden herauskitzeln kannst und deine zuvor gesteckten Ziele erreichst.

 

3. Digital vs. vor Ort
Aktuell finden viele Veranstaltungen remote statt. Daher die gute Nachricht: LS sind zwar für Vor-Ort-Workshops entwickelt worden, bieten aber gerade auch für digitale Events durch das strukturierte Vorgehen tolle Möglichkeiten. Du solltest allerdings etwas geübt sein im Umgang mit dem jeweiligen Webkonferenz-Tool, denn digital bedarf oft einer etwas anderen Vorbereitung und Herangehensweise. Viele Strukturen sind nicht eins-zu-eins übertragbar. Wenn du möchtest, starte doch mit Methoden wie “1-2-4-all”, “Impromptu Networking”, “Wise Crowds” oder “Troika Consulting”.

 

4. Wer ist deine Zielgruppe?
Hast du es mit Kollegen und Kolleginnen zu tun, die offen sind für neue Ideen und Methoden? Fällt es deinen Teilnehmenden leicht, erklärte Methoden direkt umzusetzen? – Wenn du beide vorangegangenen Fragen mit “nein” beantworten würdest, gehst du im Bestfall etwas behutsamer vor und nutzt weniger neue Methoden pro Meeting und planst mehr Bedenkzeit ein. Auch LS, bei denen die Zeit begrenzt ist, wie zum Beispiel “Timeboxing”, könnten bei Neulingen für Frust sorgen. Bedenke immer: Es ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, ob sich die Teilnehmenden auf das neue Format einlassen können oder eben nicht.

 

5. Wähle mindestens einen Co-Moderator
Die Vorbereitung macht zusammen mehr Spaß, außerdem ist es während der Durchführung hilfreich, wenn man nicht alleine an alles denken muss. Gerade bei digitalen Konferenzen gilt es Vieles im Blick zu behalten – ob Warteraum, Breakouts oder Chats. Teilt euch die Aufgaben auf und nutzt eure jeweiligen Stärken, um euch bestmöglich zu ergänzen.

 

6. Die Qual der LS-Wahl: Starte einfach & klein
Beginne mit einer der einfacheren Strukturen – etwa 1-2-4-all oder Impromptu Networking. So erzielst du ohne viel Übung schnell bessere Ergebnisse. Wenn die Teilnehmenden diese direkt bemerken, sind sie meist offener für weitere Strukturen.

 

7. Spiele die (technische) Umsetzung durch
Gerade wenn du noch nicht so häufig Meetings moderiert hast, lohnt es sich, das Meeting vorab einmal durchzuspielen. Überlege dir einen Plan B für jeden Agendapunkt, falls etwas schief geht. Reduziere Medienbrüche, wo möglich. Bedenke, dass es vor allem bei digitalen Meetings einige Teilnehmende geben wird, die noch lernen mit der Technik umzugehen. Gestalte daher gerade bei Anfängern das technische Setup so einfach wie möglich, bevor du sie verlierst.

 

8. Bereite Denkpausen vor
Als Moderator:in fällt es oft schwer, auch Ruhe auszuhalten. Wie etwa während Stillarbeits- und Kreativphasen, in denen nicht gesprochen wird. Auch innerhalb der Liberating Structures kommt das häufiger vor. Du kannst dann beispielsweise ruhige Musik einspielen, um nicht den Drang zu verspüren, Denkpausen für die Teilnehmer:innen mit Gerede zu füllen.

 

9. Achte auf die Rahmenbedingungen vor Ort
Sind die Teilnehmenden gestresst, hungrig, müde und deshalb nur begrenzt aufnahmefähig? Ein kleiner Check-In am Anfang des Meetings verrät es dir. Beginnt direkt im Anschluss ein weiteres Meeting? Dann plane etwas Puffer für die Wegzeit oder einen Toilettengang ein. Die Teilnehmenden werden es dir danken.

 

10. Visualisiere
Ergebnisse zu erarbeiten und diese sichtbar zu machen, ist nicht nur wichtig, um während des Meetings einen roten Faden zu behalten. Es gibt den Teilnehmenden das Gefühl, ihre Zeit wertvoll eingesetzt zu haben. Schön ist zum Beispiel eine Sketchnote wie die unseres Titelbilds, die als schöne Erinnerung an das Besprochene bleibt und sich häufig prima als Plakat im eigenen Büro eignet und per E-Mail im Nachgang an alle Teilnehmenden versendet werden kann.

 

Noch ein kleiner Digital-Tipp:
Behalte Breakout-Räume im Auge.
Es kann passieren, dass Teilnehmende aufgrund technischer Probleme oder kurzzeitiger Abwesenheit während der Raumvergabe ihren jeweiligen Breakout-Raum nicht betreten können. Wenn du als Moderator:in ein Auge darauf hast, kannst du “vereinsamte” Teilnehmer:innen neu zuordnen.
Plane für solche Missgeschicke zusätzliche Zeit und eine Fallback-Lösung ein. Als Moderator:in solltest du immer im Plenum bleiben, um jederzeit zur Unterstützung in einen der Breakout-Räume springen oder jemanden neu zuordnen zu können.

 

Und letztendlich heißt es einfach loslegen. Daher probiere doch aus und starte, indem du Meetings einfach mal etwas anders machst. Wenn du dich nicht direkt mit deinen Kollegen und Kolleginnen traust, starte doch einfach innerhalb des geschützten Rahmens einer Liberating Structures User Group (LSUG) in deiner Nähe. Du wirst merken, dass du neue und andere Ergebnisse erhältst, wenn du Meetings auch mal anders gestaltest. Denn Innovation entsteht durch echte Zusammenarbeit.


Autorinnen dieses Beitrags sind: Tatjana Fichtner, Sara Parr, Verena Gorris und Annika Segler.


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