#DMW Podcast – Folge 7 mit Carl-Ernst Müller über Nachhaltigkeit und Digitalisierung

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Wie grün ist eigentlich Digitalisierung? Über diese Frage spricht Carl-Ernst Müller, Projektkoordinator der Kompetenzplattform „nachhaltig.digital“ in der siebten Folge des #DMW Podcasts. Dabei geht es um die intelligente Steuerung von Stromnetzen genauso wie energieeffiziente Clouds, Nachhaltigkeit bei Videokonferenzen und refurbished Smartphones.

Allein in Frankfurt am Main könne die Abwärme der Rechenzentren theoretisch weite Teile der Stadt heizen – so groß sei der Datenverkehr, erzählt Carl-Ernst Müller, aka Cuddel. Dass Server viel Strom brauchen, ist klar. Die Wahl des Stromanbieters ist deshalb ein Weg zur nachhaltigen Digitalisierung, aber auch die intelligente Steuerung beispielsweise der Windenergie durch Künstliche Intelligenz birgt Effizienzpotenzial.

 

Doch hat nachhaltige Digitalisierung noch viel mehr Aspekte, wie Cuddel im Interview mit Ariana Sliwa von den #DMW erzählt. Nicht zu vernachlässigen sei auch das ökologisch bewusste Verhalten der Nutzer:innen: Statt ein neues Smartphone zu kaufen, wenn das alte kaputt geht, wäre ein refurbished Gerät die ressourcenschonendere Wahl. Auch in Videokonferenzen sollten die Teilnehmer:innen öfter mal ihr Bild ausschalten. Denn das spart enorme Mengen an Daten – und damit Energie.

 

Mit Carl-Ernst Müller, aka Cuddel, in Kontakt bleiben: https://de.linkedin.com/in/carlernstmueller

 

Carl-Ernst Müller, Projektkoordinator der Kompetenzplattform „nachhaltig.digital“

Carl-Ernst Müller, Projektkoordinator der Kompetenzplattform „nachhaltig.digital“; Foto: privat

 

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#DMW – der Podcast. Ein Format der Digital Media Women

Im Podcast der #DMW geht es darum, wie stark Digitalisierung und Gleichberechtigung zusammenhängen. Wir sprechen mit Expert:innen, berichten aus der Praxis, teilen besondere Geschichten, möchten Tipps an die Hand geben und zum Mitmachen motivieren. Ihr könnt den #DMW Podcast überall da anhören, wo ihr Podcasts findet. Einfach „DMW Podcast“ suchen, abonnieren, anhören & weitererzählen.

 

Alle bisherigen Folgen des #DMW Podcasts findest du auch hier.

Links aus der Podcast-Folge

 

Hier geht’s zum Gemeinschaftsprojekt nachhaltig.digital, der Kompetenzplattform für Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Mittelstand des B.A.U.M. e.V. und der DBU.

https://nachhaltig.digital/

 

15.11.2021 – 16.11.2021

Zukunft Mittelstand – Daten oder Mindset?

virtuell | nachhaltig.digital Konferenz 21

https://nachhaltig.digital/blog/1466

 

08.11.2021 – 11.11.2021

DIV-Konferenz 2021

https://div-konferenz.de/events/div-konferenz-2021/

 

 

Der #DMW Podcast zum Lesen – Transkript der Folge 7 mit Carl-Ernst Müller

 

Intro (Carl-Ernst Müller): Bitcoin ist da brutal. Also von Monat zu Monat wird das Land größer, dessen Energieverbrauch sozusagen der Blockchain gleichzusetzen ist. Ich weiß nicht, ob sie inzwischen bei Norwegen sind oder so was.

 

(Musik)

 

Sprecherin: Wir wollen einer Welt leben, in der Vielfalt herrscht, und sehen im digitalen Wandel die Chance, diese Vision zu verwirklichen.

 

Sprecherin: Du willst das auch? Dann bist du hier genau richtig. Und damit ein herzliches Willkommen beim DMW-Podcast, einem Format der Digital Media Women.

 

 

Ariana Sliwa: Ich spreche heute mit Carl-Ernst Müller. Er hat viele Jahre im Bereich strategische Kommunikation mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit gearbeitet und ist seit 2017 Koordinator des Gemeinschaftsprojekts „nachhaltig.digital“ des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management, kurz BAUM, und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU. „nachhaltig.digital“ ist eine Kompetenzplattform für Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Mittelstand. Carl-Ernst Müller und seine Kolleg:innen suchen den Dialog mit Mittelstand, der Politik und den Medien. Dabei steht immer eine Frage im Raum: Wie kann die Digitalisierung für eine lebenswerte Zukunft genutzt werden – ökologisch, sozial, ethisch und ökonomisch wertvoll? Ich darf begrüßen: Carl-Ernst. Hallo!

 

Carl-Ernst Müller: Hallo, Ariana, vielen Dank, dass ich da sein darf.

 

Ariana: Sehr gerne. Vielleicht, um das ganz kurz unseren Hörer:innen mitzuteilen: Ich werde dich jetzt weiterhin nicht Carl-Ernst nennen, denn du bist den meisten in deinem Bekanntenkreis und deinem Netzwerk auch bekannt unter dem Namen Cuddel, wahrscheinlich, weil es den meisten dann irgendwie zu lang war, immer Carl-Ernst zu sagen, und Cuddel hat ja einen hohen Wiederkennungswert.

 

Carl-Ernst: Ja. Gerne, na klar. Also mein Vater hieß auch schon so. Also für mich ist das auch gewohnt.

 

Ariana: Okay, sehr gut. Uns beschäftigt heute das Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Das sind ja zwei Themen, die ganz oben auf vielen Agenden stehen, denn wir haben natürlich auch Corona bedingt erlebt, wie wichtig Digitalisierung ist in unserem Leben. Und jetzt bekommen wir nach und nach immer präsenter mit, wie wir eigentlich dem Klima schaden und, dass die Klimakrise zeitnah kommt. Und irgendwie steht das so ein bisschen im Widerspruch: Digitalisierung und nachhaltig. Das hört man auch immer wieder: hoher Stromverbrauch für Server, Machine Learning, Bitcoin etc. Magst du uns einmal einen kurzen Einblick geben, warum dieses Thema eine so hohe Relevanz hat?

 

Carl-Ernst: Ja, klar, gerne. Das ist ein guter Start. Also die Relevanz ist tatsächlich hoch aus zwei Gründen: Das eine ist eben, dass dieses Thema Nachhaltigkeit so breit ist. Da geht es eben um ökologische Sachen, klar, Klimawandel ist da immer genannt. Aber es geht ja auch um soziale Fragestellungen und auch ökonomische. Also rechnen soll sich das ja auch. Man sagt ja immer: Wenn die drei im Gleichgewicht sind und auch fair für die nächste Generation noch funktionieren, dann ist das nachhaltig. Und das ist sozusagen das Fundament, warum das wichtig ist. Und der zweite Aspekt ist eben, dass die Digitalisierung auch sehr, sehr breit ist, also im Grunde auch ein Querschnittsthema.

Und da vielleicht noch zwei Aspekte genannt, weil du das beides angerissen hast. Einmal die Frage: Wie grün ist eigentlich die Digitalisierung? Also das ist zum Beispiel diese Server-Frage, aber auch Stoffkreisläufe, wie viele Handys haben wir usw. Aber eben auch die Möglichkeiten der Digitalisierung, also Green-by-IT sozusagen, nicht nur Green-IT, weil da ja unglaubliches Potenzial drinsteckt, um die Fragen der Nachhaltigkeit irgendwie zu adressieren.

 

Ariana: Da spielst du ein bisschen auf intelligente Stromverteilung an auf Basis von Machine Learning zum Beispiel?

 

Carl-Ernst: Auch, genau. Also es gibt ganz, ganz viele Beispiele. Die Plattform, die du erwähnt hast, da geht es auch gerade um diese Beispiele, dass man das versteht. Und ich kann sicherlich im Laufe der Aufzeichnung des Podcasts heute immer mal wieder Beispiele bringen. Also wenn du willst, kann ich auch jetzt schon ein Beispiel bringen, das mit Stromnetzen zu tun hat, na klar, das hattest du genannt. Aber es geht genauso um Verkehrsführung, es gibt die Nutzung der Tablets in der Baubranche, wo man dann die Fahrten der Prüfingenieure einspart usw. Also es gibt enormes Potenzial an der Stelle.

 

Ariana: Ja, sehr gut. Da kommen wir, glaube ich, dann später noch im Detail drauf. Vielleicht gehen wir jetzt erst mal auf die Plattform, die du eben auch schon genannt hast: „nachhaltig.digital“. Was macht ihr? Was kann man da vorfinden? Und wie hilft es dem Mittelstand und vielleicht auch uns Privatmenschen?

 

Carl-Ernst: Also wir machen im Prinzip Information. Also wir suchen Beispiele, wo Dienstleistungen oder andere Formen von Angeboten schon existieren, die die Fragen verschränken, also Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Immer: Was bietet die Digitalisierung an Möglichkeiten, ökosoziale Fragestellungen zu adressieren? Und die mainstreamen wir, so gut wir eben können. Also da sage ich immer: Wir kapern Veranstaltungen. Früher, als es noch viele Veranstaltungen gab, sind wir da eben aufgetreten, haben Workshops organisiert oder eben mit Spenden die Beispiele nach vorne gebracht. Wir haben auch eine Landkarte, wo diese ganzen Akteure auch gut ablesbar sind, sichtbar. Wenn man da sucht, kann man da schön schauen.

Und wir haben etwas, das nennen wir Bausteine. Da kann man ein bestimmtes Thema aufbereitet wiederfinden. Also sagen wir mal 3D-Druck, und das hätten wir jetzt im Juli letzten Jahres gemacht, dann wäre in dem Monat in der ersten Woche das Thema erklärt worden, dann wären in der zweiten und dritten Woche Interviews gespielt worden, Good Practices und Ideen quasi. Also nicht nur informieren, sondern auch durchaus inspirieren. Und in der letzten Woche hätten wir dann ein digitales Format, einen digitalen Dialog, wo die Leute, die vorher interviewt wurden, also die Experten im Prinzip, richtig sichtbar sind, noch mal sagen können, was das Wichtige ist. Und man kann sie dann auch direkt kennenlernen und sagen: Okay, können wir danach noch mal telefonieren?

Also informieren und inspirieren für eine gute Digitalisierung ist das, was wir machen. Deshalb nennen wir uns eben Plattform, Kompetenzplattform. Ich sage an der Stelle immer – soll ich aber nicht sagen: Wir haben gar keine Kompetenz, wir sind nur die Plattform. Aber das ist natürlich auch übertrieben.

 

Ariana: Ich glaube auch, das ist da immer die Mischung. Ihr bündelt Wissen und steigert dadurch ja aber auch eure Kompetenz. Haben wir in Deutschland ein Beispiel, wie es Mittelstand vielleicht schon geschafft hat, digital zu werden mit einem nahhaltigen Fokus? Also was kann man konkret vielleicht machen?

 

Carl-Ernst: Es ist schwierig, das jetzt ohne Namensnennung zu machen. Aber darum geht es hier ja auch nicht, wir sind ja nicht im Öffentlich-Rechtlichen. Also es gibt unglaublich viele superlustige Beispiele. Aber eines, weil es so ganzheitlich ist, finde ich immer schön: Das ist von Viebrockhaus. Die bauen, glaube ich, ungefähr tausend Häuser im Jahr. Und immer, wenn ein Gewerk fertig ist, dann muss ein Prüfingenieur dahin und sagen: Okay, ihr habt richtig gemauert, abgenommen. Oder was weiß ich, irgendwelche Leitungen verlegt, alles klar.

Und dann hat einer der Mitarbeiter gesagt: Muss man dafür eigentlich dahinfahren? Er hat dann so ein Tablet entwickelt, was der Vorarbeiter da vor Ort hat, und er kann dann immer sagen: So, wir sind jetzt fertig mit dem Mauern hier. Und dann kann er den Prüfingenieur draufschalten. Der ist aber an einem zentralen Ort, hat sechs Bildschirme vor sich mit den Baugenehmigungen und allem, was er braucht, und gibt dann die Anweisungen und sagt: Hier, leg mal eine Wasserwaage drauf. Oder so. Zeig mir mal, was weiß ich, den Mörtel, den ihr verbaut habt. Und das hängt nicht alles, aber sehr, sehr viel von dieser Fahrerei ab. Also dieser Prüfingenieur fährt nicht mehr mit dem Auto zu sagen wir mal 6 oder 7 Baustellen, sondern er prüft 15 oder 20 Baustellen an einem Tag – mit weniger Stress für ihn, und er hat auch um sich herum andere Prüfingenieure, die vielleicht andere Fachbereiche noch vertieft haben, und kann da schnell mal fragen. Das hat enorme Effizienzvorteile.

Und was ich eben so on top schön finde, ist, dass sie jetzt auch überlegen, dass daraus ein Spin-off werden könnte und man eben sozusagen aus einer Problemsituation eine Lösung generiert, die dann auch noch CO2 einspart, und dass daraus dann noch neues Geschäftsmodell wird. Das ist ja eigentlich eine ganz runde Sache.

 

Ariana: Ja. Das ist ja auch so das große Thema Remote Inspection, Remote Meetings etc. Wir haben jetzt ja auch eben Corona bedingt gemerkt, okay, die ganzen Businessreisen waren irgendwie gar nicht so nötig, weil es klappt auch per Videokonferenz. Aber ist das nachhaltig, eine Videokonferenz zu führen und Videos zu speichern, hin und her zu schicken über diverse Server? Hebt sich das gegebenenfalls sogar miteinander auf, wenn Ingenieur:innen zum Beispiel mit dem Zug fahren würden, ist jetzt vielleicht nicht so realistisch, aber jetzt als Beispiel, oder mit einem E-Auto fahren? Klar sind sie effizienter, aber ist es nachhaltig, das remote per Video zu machen?

 

Carl-Ernst: Also was nachhaltig ist, ist ja immer so eine Grenzbetrachtung. Und letztlich ist es ja nur nachhaltig, wenn sozusagen die gesamte Menschheit unter den Belastungsgrenzen der Erde usw. bleibt. Erst dann kann man von Nachhaltigkeit reden. Aber das meinen wir jetzt mal nicht. Was die Digitalisierung angeht, da liegt leider die Tücke, wie so oft, im Detail.

Also wenn wir zum Beispiel eine Videokonferenz machen und wir haben mit 20 Leuten die Videos an, die Kameras, und übertragen diese Daten eben auch in alle Richtungen, dann ist das natürlich ein ganz anderer Fußabdruck, sagt man an der Stelle, Impact ökologisch, als hätte es nur einer an, nur der Referierende oder der Sprecher, die Sprecherin. Dann ist es nicht vergleichbar. Und darauf sollte man eigentlich sozusagen defaultmäßig achten, dass man dann nicht immer alle Kameras laufen lässt. Dann ist die Bilanz schon eine ganz, ganz andere.

Und dieses mit den Videos hin und her schicken, das ist so eine Cloud-Frage, die lässt sich eigentlich erweitern auf alle Daten, die wir ständig haben. Früher hat man das noch gemerkt, wenn man so einen eigenen Server hatte. Dann hat irgendwann der Vorgesetzte oder die Vorgesetzte mal gesagt: Lösch doch mal die Präsentationsversionen, die dann mit 50 MB irgendwie zwanzigmal abgelegt wurden oder so. Inzwischen fliegt das ja alles in die Cloud. Und das unterschätzen wir, glaube ich. Also wir wechseln vom 2,99-Euro-Abo zum 9,99-Euro-Abo, damit wir da irgendwie drei Terabyte mehr haben. Aber das ist halt ökologisch schon ein ganz schönes Brett, was wir da gedankenlos verursachen.

Also die Cloud ist ja nur ein Computer von einem anderen, und zwar ein sehr, sehr großer. Also in Frankfurt zum Beispiel ist es, glaube ich, so, dass die Abwärme der Rechenzentren theoretisch sehr große Teile der Stadt heizen könnten, weil das einfach so ein enormer Verkehr ist. In Frankfurt ist es extrem.

 

Ariana: Cloud-Services sind ja schon ein gutes Stichwort. Und auch, dass wir in Zoom-Meetings gegebenenfalls das Video ausschalten, wenn es nicht unbedingt nötig ist, finde ich, ist ein total wertvoller Tipp, den ich auch noch nicht kannte. Im Nachhinein ist es natürlich total logisch. Im Vorfeld haben wir ein bisschen gesprochen schon über unsere heutige Aufnahme, und da hast du mir einen Link geschickt, da ging es um ein Thema, wozu du interviewt wurdest: die Green IT-Cloud. Was ist das? Magst du uns dazu noch einmal was erzählen?

 

Carl-Ernst: Gerne. Es gibt verschiedene Anbieter, die natürlich erkannt haben, dass der Datenverkehr auch sehr große Hebel für die Nachhaltigkeit hat, primär meine ich jetzt aber die ökologische Nachhaltigkeit, also Datenverkehr. Und wo werden Daten gespeichert? In der Cloud. Da gibt es verschiedene Ansätze, das nachhaltiger zu gestalten. Also da geht es um Datenschutz, Datensicherheit, rechtliche Fragen. Aber es geht eben auch um ökologische Fragen.

Und der erste Schritt wäre natürlich zu sagen: Okay, wir betreiben unsere Rechenzentren mit Energie aus nachwachsenden Rohstoffen, ich sage jetzt mal Wasserkraft. Es gibt aber auch Anbieter, die nehmen Windkraft. Und dann gibt es auch einen Anbieter, der gesagt hat: Moment mal, ich muss die ja auch kühlen, dafür brauche ich große Mengen des Stroms, einen großen Anteil. Ich könnte ja direkt in Windkraftanlagen meine Server stellen. Das ist im ersten Augenblick ein bisschen witzig sozusagen, weil man sagt: Ach ja, die stehen ja im Wind, die werden sowieso gekühlt. Aber dann stellt sich eben auch heraus, es ist leichter, die Daten dahin zu transportieren als den Strom zu den Rechenzentren. Es gibt also weniger Verluste.

Und dann stellt man noch fest: Moment mal, der Strom aus der Windkraftanlage, solange es Wind gibt und der weht, geht der gar nicht übers Verteilernetz. Man hat also geringere Stromkosten, weil der Verteilernetzbetreiber da gar nicht benutzt wird. Wenn kein Wind weht, geht natürlich die Reststrommenge, die man dann auch noch braucht, doch durchs Verteilernetz wieder in die Windkraftanlage.

Aber insgesamt ist es ein relativ spannendes Angebot mit zwei oder drei Effizienzhebeln, nämlich: Die Kühlung ist besser und Daten statt Strom und Strom direkt bei den Daten haben, die Generierung der Energie. Und das ist schon lustig, finde ich, also das kann man natürlich auch dann für die eigene Markenkommunikation nutzen. Man könnte ja sagen: Unsere Daten liegen alle in Windkraft-Servern. Und der Ressourcenverbrauch, um so eine Windkraftanlage zu bauen, der ist ja auch schon gewesen. Also man baut kein Rechenzentrum, sondern stellt nur noch Server-Racks in etwas, was es schon gibt. Das ist auch noch mal eine Effizienzsteigerung. Es ist also aus vielen Richtungen betrachtet cool.

 

Ariana: Das klingt wirklich super. Das heißt, Unternehmungen könnten theoretisch auf solche grünen Cloud-Server-Dienste zugreifen und damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit ihres Unternehmens leisten. Was gibt’s denn sonst noch für Dinge, auf die man jetzt vielleicht als selbstständige Person achten könnte oder eben als mittelständisches Unternehmen?

 

Carl-Ernst: Also grundsätzlich würde ich sagen: Man sollte zumindest einmal drüber nachgedacht haben. Das klingt jetzt banal, aber das ist der Ausgangspunkt. Es gibt ja niemanden, der noch nicht digitalisiert hat, und es gibt auch, glaube ich, meine These, niemanden, der nicht über Teilbereiche der Nachhaltigkeit auch nachdenkt, permanent eigentlich, vielleicht unter einer anderen Überschrift. Das heißt, man könnte sich einmal diese beiden Überschriften nehmen und sagen: Okay, was kann ich jetzt für die Nachhaltigkeit unter Digitalisierungsaspekten tun? Und wenn man dann sagt, okay, es geht um Software und Hardware, dann kann ich sozusagen einmal diesen Strang runtergucken und mich fragen: Gibt es Software, andere Cloud-Lösungen oder Hardware, wenn es um refurbished Hardware geht, zum Beispiel.

Mein Handy ist runtergefallen am Wochenende, Original. Pech, ich brauche ein neues. Ich habe noch nie ein … Doch, ich habe das erste Handy einmal neu gekauft. Aber ich habe sonst noch nie ein Handy nicht gebraucht gekauft. Und das erhöht natürlich die Ressourceneffizienz bei den Handys. Und dann, wenn ich sozusagen einmal Hard- und Software in die Richtung durchdacht habe, dann könnte ich aber auch noch mal bei Hard- und Softskills nachdenken. Und wenn ich ein bisschen größer bin, brauche ich vielleicht einen Admin, der oder die auch noch mal in diese Richtung denkt. Oder das Beispiel, was wir gerade eben hatten: Die Kamera einfach mal ausmachen, ist ja sozusagen banal Softskill.

Und diese vier Bereiche, die sollte ich einmal auf ökosoziale Fragen durchschauen. Und da gibt es dann die berühmten low-hanging fruits, die ich schnell mal umsetzen kann, auf Ökostrom umstellen oder sowas. Und es gibt dann natürlich an der Stelle noch mal so zwei unterschiedliche Strategien. Die einen sagen: Super, ich habe was eingespart, jetzt mache ich nicht mehr. Oder man könnte sagen: Ja, das, was ich aber eingespart habe, könnte ich ja noch mal wieder investieren, um neue Effizienzfortschritte zu erzielen. Das sind also die vier Bereiche: Hardware und Software, Hardskills und Softskills. Und das ökosozial durchschauen, so würde ich vorgehen.

 

Ariana: Ja, super, das sind ja auf jeden Fall schon mal gute Anhaltspunkte für uns alle, die selbstständig arbeiten oder auch in Unternehmen oder die ein Unternehmen führen, um da selbst noch mal zu prüfen, kann ich von diesen Punkten etwas bei mir umsetzen. Jetzt stellt sich ja immer die Frage gerade im Bereich Nachhaltigkeit: Wir als Individuen versuchen natürlich schon, aufmerksam gemacht durch Medien, dem Klimawandel etwas Einhalt zu gebieten, indem wir Müll trennen, indem wir auf Verpackungen verzichten, diese reduzieren, weniger Fleisch essen etc.

Und irgendwie kommt doch auch immer der Aufschrei: Die Politik muss da doch was machen, es muss doch von oben eigentlich eine Ansage geben, dass etwas geändert wird, weil wir im Kleinen schaffen es vielleicht doch nicht, einen so großen Hebel zu betätigen. Wie können wir in Zukunft digital sein mit Nachhaltigkeit? Muss es das Individuum sein oder gibt es da schon Richtlinien, Zertifikate, die erbracht werden müssen, eingehalten werden etc.?

 

Carl-Ernst: Ja, es gibt Zertifikate, aber viele sind noch in der Entwicklung, muss man auch sagen. Der Blaue Engel für Rechenzentren oder so, das kann man schon recherchieren, das kann man sich anschauen, das gibt es. Aber ich würde gerne die Frage sozusagen aufspalten einmal in diese politische Richtung und einmal in die individuelle. Und in Diskussionen würde ich jetzt zum Beispiel nicht akzeptieren, dass es immer bei den Individuen passieren muss, auch wenn die natürlich irgendwie Konsumentscheidungen oft einfach fällen und in dem Augenblick sich auch so oder so oder so entscheiden können. Und das, finde ich, ist auch eine Verantwortung, das sollte man machen. Also zum Beispiel refurbished iPhones oder sowas oder Smartphones.

Aber die Politik hat natürlich die primäre Aufgabe, das ist ganz klar. Und da ist es auch so, dass gerade, ich glaube im letzten Jahr – oder war es schon vorletztes Jahr? –, das Bundesumweltamt, also Bundesministerium für Umwelt, Entschuldigung, nicht das Amt, einiges vorgelegt hat. Das läuft unter der umweltpolitischen Digital-Agenda. Und da kann man auch unter der Domain mal nachschauen. Das ist deshalb spannend, finde ich, auch für das Individuum, nicht nur für Unternehmer oder Unternehmerinnen, weil da aufgelistet ist, welche Maßnahmen schon ergriffen wurden, welche in der Planung sind und welche sozusagen mittelfristig kommen sollen.

Und da ist dieses Zertifikat für Elektrogeräte, sage ich mal vereinfacht, in der Planung. Weil es nicht ganz so einfach ist, gibt es da verschiedene Diskussionspunkte und so. Aber da sind auch ganz viele andere Beispiele genannt, von Dingen, die kommen können. Und dementsprechend gibt es Punkte, die man schon machen kann, das hatten wir gesagt, vom Ökostrom bis refurbished usw. Aber man kann da eben auch mal schauen, was wohl kommen wird, und sich dann darauf einstellen oder eben schon vorwegnehmen.

 

Ariana: Wenn wir jetzt noch mehr Richtung Zukunft denken einmal im Bereich der künstlichen Intelligenz, was sehr hohe Serverkosten, Grafikkartenkosten, Stromkosten insgesamt erzeugt, aber auch in Richtung Bitcoin, das ja vielleicht am Anfang eben noch nicht ernstgenommen wurde, aber mittlerweile natürlich, Kryptowährung generell, einen recht hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen hat. Und jetzt zuletzt das Thema NFT, Non-Fungible Token, quasi ein digitaler Echtheits-, Eigentumsnachweis zum Beispiel für Kunst oder eben alle möglichen digitalen Erzeugnisse, die auch auf der Blockchain funktionieren und unglaublich viel Stromverbrauch erzeugen. Wie siehst du solche zukünftigen Entwicklungen?

 

Carl-Ernst: Du hattest es schon angedeutet: Die Technologie ist die Blockchain, und da gibt’s eben auch schon deutliche Weiterentwicklungen. Also nur, weil Bitcoin halt so eine riesige Blockchain ist, verbraucht es ja so viel Energie. Es gibt kleinere. Bitcoin ist da brutal. Also von Monat zu Monat wird das Land größer, dessen Energieverbrauch sozusagen der Blockchain gleichzusetzen ist. Ich weiß nicht, ob sie inzwischen bei Norwegen sind oder sowas. Aber Bitcoin ist eben nur die große Blockchain. Und es gibt kleine Blockchains. Und da kann es durchaus Sinn machen, eben solche Echtheitszertifikate zu haben, auch mit der sozusagen körperlichen Welt verbunden.

Das war 2019, glaube ich, bei der Konferenz „Bits & Bäume“, da hatten wir in unserem Workshop … Den Namen des Startups habe ich jetzt leider nicht parat, ist zu lange her. Und deren Angebot waren eben Echtheitszertifikate für Ressourcen, sodass ich eben wirklich weiß: Dieses Kilo, was auch immer es ist, ist wirklich unter fairen Bedingungen gewonnen worden, und dieses Kilo Kohle, sage ich mal vereinfacht, ist wirklich das, und das verarbeite ich jetzt. Oder ob es Leder ist oder was auch immer dann in anderen Industrien verarbeitet wird. Und deshalb, glaube ich, ist diese Technologie sehr wichtig, dass wir die haben. Das ist ein ganz klares Lieferkettenthema.

 

Ariana: Das heißt, wir müssen einfach darauf achten, dass die Blockchains nicht zu groß werden, und da irgendwie in dem Sinne Einhalt geboten wird, aber die Technologie ist sinnvoll, um dann zum Beispiel auch nachhaltige Produktion nachweisen zu können?

 

Carl-Ernst: Ja, ganz genau, die ist super.

 

Ariana: Noch mal zum Thema künstliche Intelligenz. Da bin ich mir jetzt nicht sicher, inwieweit du dich schon mal mit dem Stromverbrauch von neuronalen Netzen auseinandergesetzt hast. Letztendlich wird ja der Strom erzeugt, wenn ein Netz trainiert wird mit hohen Mengen an Daten, und dann gar nicht unbedingt bei der Nutzung. Kannst du dazu was sagen?

 

Carl-Ernst: Also das ist tatsächlich einer der zentralen Vorteile der Digitalisierung, egal ob KI oder welche Technologie an der Stelle steht: Man kann ja diese Energie wirklich auch erneuerbar erzeugen oder gewinnen, umwandeln. Und das sollte man an der Stelle auch tun. Und dann, würde ich mal sagen, ist das Problem nicht ganz so groß. Wenn wir jetzt irgendwelche Schürfungsprozesse mit Kohlekraftwerken, die wir wieder anwerfen, die irgendwie aus den Siebzigern kommen oder so, in China stattfinden lassen, dann wäre das ungünstig, also jetzt Blockchain-Technologie. Aber wenn wir eine KI trainieren und … Das ist eigentlich ein witziger Gedanke: Dann sollten wir KIs trainieren, wenn draußen hohe Windstärken sind und wir überschüssige Energie haben. Und nicht nur die Waschmaschine anwenden durch irgendwelche Smart Grids oder so, sondern große KI-Trainingsprogramme im Herbst fahren. Das finde ich eigentlich einen lustigen Gedanken. Also das sehe ich nicht so problematisch.

Und was wir auch anfangs sagten: Es geht ja einmal um Green IT, das ist jetzt die Frage, die du gestellt hast, und dann geht’s ja auch um Green-by-IT. Also wenn die KI jetzt zum Beispiel irgendwie komische zerstörerische Simulationen fährt und irgendwelche Personen-Tretminen entwickelt, dann wäre das natürlich ungünstig. Aber wenn wir dann mit dieser KI auch noch Probleme lösen, die im ökosozialen Umfeld stattfinden, dann sehe ich da überhaupt gar keine Probleme. Dann wäre es ja sogar super.

 

Ariana: Ja, das klingt auf jeden Fall recht positiv. Wenn wir mal einen Blick auf die Globalisierung werfen: Meinst du, China oder andere Länder werden da auch drauf achten? Oder sind wir beim Thema Nachhaltigkeit vielleicht einen Schritt voraus, aber beim Thema Digitalisierung, werden wir da gegebenenfalls überholt?

 

Carl-Ernst: Das ist eine witzige Frage: Man kann ja nur überholt werden, wenn man vorne ist. Und wenn keiner mehr hinter uns ist, brauche wir uns auch keine Sorgen mehr machen, ob wir überholt werden. So. Und jetzt gibt es aber natürlich global betrachtet einmal sozusagen diesen digitalen Kapitalismus aus dem Westen und den digitalen Kommunismus aus dem Osten. Und wo ist Europa da irgendwie jetzt? Aus unserer Sicht in der Mitte. Das sehen die Chinesen natürlich anders. Oder die Amerikaner auch. Und wir müssen uns wirklich ranhalten, um da ein alternatives Modell zu entwickeln.

Also ich möchte zum Beispiel irgendwelche Mustererkennung durch KI irgendwie nutzen, aber ich möchte natürlich ungern so ein Social Scoring haben, wie es ja in China wohl existiert. Ich möchte natürlich möglichst günstige Angebote im Internet nutzen, aber ich finde es irgendwie unangenehm, wenn die Daten dann alle im Silicon Valley über mich profilierend weiterverkauft werden. So. Und wo ist da der Mittelweg? Schwierig.

Also da müsste Europa nachlegen, heftigst sozusagen – kann es aber auch. Ich finde, das ist eine Lücke, und ich könnte mir vorstellen, dass das für viele Anbieter nicht ein singulärer spannender Markt wäre, sondern eigentlich eine schlaue Ergänzung zu ihrem Produkt zu sagen: Unsere Server stehen in Europa. Das wäre vielleicht mal gar nicht so schlecht, dass man denkt: Ach, da stehen die eigentlich ganz gut, ich bin froh, wenn meine Daten dort sind. Und da müssen wir hin. Da könnten wir, glaube ich, ganz gut was reißen.

 

Ariana: Ja, danke, Cuddel. Ich glaube, ich habe auf jeden Fall schon sehr viel mitgenommen, auf das ich noch mal mehr achten kann. Ich hoffe, unsere Hörer:innen auch. Zum Beispiel auf refurbished Smartphones zurückgreifen, nicht mehr neu kaufen, aber auch zu gucken, welchen Cloud-Anbieter nehme ich, welchen Stromversorger haben die Cloud-Anbieter. Ich achte auf den Blauen Engel als Zertifikat für energieeffiziente Rechenzentren. Und zum Abschluss möchte ich dir gerne noch mal das Wort überlassen, um vielleicht auf interessante Veranstaltungen hinzuweisen, die für unsere Hörer:innen relevant sein können.

 

Carl-Ernst: Ja, sehr gerne. Es gibt eine enorm große Anzahl, finde ich, von Veranstaltungen. Ich würde mal nur zwei rausgreifen jetzt im November. Das ist einmal die DIV-Konferenz, „Deutschland Intelligent Vernetzt“, heißt sie. Da geht es um die digitale Daseinsvorsorge, also sowohl aus Perspektive der Anbieter von Lösungen als auch eben die kommunale Frage: Was können wir machen? Ich finde, etwas, was wir auch gerade in den letzten zwei Jahren ein bisschen gespürt haben, dass da viele Dinge noch nicht so digital sind.

Und dann am 15. und 16. November habe ich mit meiner Kompetenzplattform unsere Jahrestagung: Zukunft Mittelstand – Daten oder Mindset? Da geht es genau um diese Aspekte: Was kann der Mittelstand eigentlich tun, um weiterhin mit seiner (? Operate? #00:29:18-8#), die er natürlich sowieso hat, für eine lebenswerte Zukunft eine große Rolle in der Gesellschaft zu spielen? Da freuen wir uns sehr drauf. Das Programm entsteht gerade. Es haben aber auch schon einige Redner zugesagt, auf die wir uns sehr freuen.

 

Ariana: Sehr gut. Links zu den Veranstaltungen packen wir auf jeden Fall in die Shownotes. Vielleicht auch noch mal der Aufruf: Solltet ihr Hörer:innen denken: Zu dem Thema habe ich auch was Relevantes zu sagen, Speaker:innen sind immer gesucht. Vielleicht jetzt nicht für November, aber das Thema ist ja so relevant und vielleicht bei euch noch nicht auf der Agenda. Vielleicht meldet ihr euch dann einfach bei Cuddel.

 

Carl-Ernst: Sehr gerne, auf jeden Fall, immer gern.

 

Ariana: Sehr schön. Hast du abschließend noch etwas, was du sagen möchtest?

 

Carl-Ernst: Nee, vielen Dank, dass ich da sein durfte. Genau.

 

Ariana: Ja, ich bedanke mich auch und freue mich, wenn wir uns vielleicht im realen Leben bald wiedersehen.

 

 

Sprecherin:

Und das war es auch schon wieder für heute. Aber wenn es dir gefallen hat, dann lass uns doch gerne fünf Sterne da, einen Kommentar oder folge uns auf unseren sozialen Kanälen.

 

Sprecherin:

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