#30mit30 bei Radio Bremen: „Wir müssen die Gesellschaft abbilden.“

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Im #DMW-Quartier Bremen/Oldenburg ist zur Zeit einiges los. Am 8. Juli fand der #DMWday statt, auf dem die Quartiersleiterin Lisa Ringen die Moderation für das Panel „Frauen in Führungspositionen“ übernommen hat. Zusätzlich hat Lisa noch die Zeit gefunden, mit Radio Bremen über weibliche Führungskultur, Frauenquoten und die Vorbildfunktion der Öffentlich-Rechtlichen zu sprechen.

Frauen in Führungsebenen, Digitalisierung, Empowerment und Diversity – das sind nicht nur Schlagworte, sondern Handlungsfelder. In allen diesen Bereichen gibt es noch viel Gesprächsbedarf. Radio Bremen nimmt als Landesrundfunkanstalt des Öffentlichen Rechts hier eine Vorreiterrolle ein. #DMW Lisa Ringen hat mit Maike Gerstmann (Direktion für Unternehmensentwicklung und Menschen) und Martin Niemeyer (Leiter Personal, Honorare und Lizenzen) gesprochen.

„Unsere Zielsetzung sind 50 Prozent Frauen in Führung“

Wie in vielen Unternehmen kann sich auch Radio Bremen nicht über einen Frauenmangel beklagen. Allerdings spiegelt  sich die Quote von 60 Prozent Frauen in der Belegschaft nicht auf der Führungsebene wieder. Seit Jahren wird deshalb konsequent daran gearbeitet, das zu ändern. „Wir sind noch nicht am Ziel“, erklärt Martin Niemeyer. „Wir sind jetzt bei deutlich über 40 Prozent Frauen in Führung, aber eben noch nicht bei 50. Und das ist die Zielsetzung, die wir haben.“
Die diverse Unternehmenskultur wird durch eine Vielzahl von Maßnahmen gefördert. Eine wichtige Rolle spielt die AG „Mehr Frauen in Führung“, die seit zehn Jahren Frauen mit Potenzial fördert und vernetzt. Auch das 2015 eingeführte Cross-Mentoring-Programm hat schon einige Führungskräfte hervorgebracht. Aber Diversität soll sich auch im Programm des Senders wiederspiegeln. Deshalb gibt es inzwischen eine Expert:innendatenbank, um Frauen on Air zu bekommen.

Ohne Monitoring geht es nicht

Dabei sind die Maßnahmen mit sehr konkreten Zielen unterlegt: „Im Mai 2019 haben wir unsere Dienstvereinbarung zur Gleichstellung von Frauen und Männern renoviert und sehr konkrete Ziele beschrieben, die auch messbar sind. Wir haben genau herausgearbeitet, in welchen Gehaltsgruppen Frauen noch unterrepräsentiert und welche personellen Änderungsmöglichkeiten wir in den nächsten Jahren haben. Das monitoren wir einmal im Jahr gemeinsam mit der Frauenbeauftragten und dem Personalrat.“

Das Warum ist dabei klar: „Wir sind finanziert durch die Gesellschaft,“ sagt Martin Niemeyer. „Wir haben auch die Aufgabe, die Gesellschaft nicht nur abzubilden, sondern ein Programm für alle zu machen. Je realistischer wir die Gesellschaft bei Radio Bremen abbilden, desto realistischer ist auch das Produkt, das wir nach außen hin abgeben.“

„Männlich dominierte Führungsweisen sind nicht morgen weg“

Natürlich gibt es auch hier noch Optimierungspotenzial. „Manchmal ist es frustrierend, wenn man sieht, was für Potenzial eine Mitarbeiterin hat, dann wird eine Führungsposition ausgeschrieben und es bewerben sich viele Männer und nur wenige Frauen,“ sagt Maike Gerstmann. „Hier können wir noch mehr tun, um Frauen Mut zu machen.“ Martin Niemeyer ergänzt: „Männlich dominierte Führungsweisen sind nicht morgen weg, auch nicht, wenn man 50 Prozent Frauen hat. Und ich glaube, dass sich tatsächlich viele Frauen sehr genau überlegen: Will ich in dieser Atmosphäre führen?“

Klar ist: Veränderung braucht Zeit. Denn wie so oft sind die Probleme struktureller Art. Maike Gerstmann formuliert ihre Wünsche an die Politik so: „Es bringt nichts, wenn wir jemanden haben, der das Label „Gleichstellung“ oder „Geschlechtergerechtigkeit“ trägt. Das Thema muss in der ganzen Gesellschaft verankert sein und selbstverständlich werden. Ich würde mir wünschen, dass die Politik daran arbeitet – genauso wie jede*r Einzelne für sich.“ Martin Niemeyer schließt sich an: „Ich glaube tatsächlich, dass die Politik nur dadurch wirken kann, gesellschaftliches Umdenken zu fördern. Habe ich eigentlich ein Bewusstsein dafür, wie männliches und weibliches Rollenverständnis ausgeprägt ist? Wie kriege ich ein Bewusstsein darüber, wann und wo ich in Stereotypen denke?“

Das komplette Gespräch findet ihr im #DMW Podcast:

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Foto Header: Radio Bremen/Andreas Weiss


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