Unfair? Beweise, bitte!

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Geld

Egal ob Euro, Dollar oder Yen? Gerecht sollte es sein!

In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Jetzt gibt es zwei kostenlose Tools im Web, die statistisch analysieren und beweisen, ob das eigene Unternehmen beide Geschlechter gleich bezahlt – oder nicht.
Dass Frauen weniger verdienen ist objektiv darauf zurückzuführen, dass sie in Branchen arbeiten, in denen weniger gezahlt wird, Berufe wählen, die schlechter honoriert werden, bei Familiengründung in Teilzeit gehen oder nicht so oft Führungsposition anstreben, wie Männer. Diese Hintergründe sind bekannt und werden gern als Grund angeführt, um die „Gender Pay Gap“, die Zahlungslücke zwischen den Geschlechtern, zu erklären.
Von Coaches hört man zudem, dass Frauen weniger gut verhandeln, den Wert ihrer Arbeit nicht kennen oder sich schlechter verkaufen.
Wenn man aber Männer und Frauen vergleicht, die genau dieselben Aufgaben und den denselben Ausbildungsstand haben, in vergleichbaren Positionen mit derselben Verantwortung und auch dieselbe Zahl von Stunden arbeiten (sogenannte „bereinigte Gender Pay Gap“), dann verdienen Frauen durchschnittlich immer noch acht Prozent weniger, meldete das Statistische Bundesamt erneut zum Equal Pay Day 2011.

Zwei Vollblut-Statistiker und Kämpfer für Entgeltgleichheit: Dr. Jörg Schmidt und Dr. Karin Tondorf haben die Tools entwickelt. (Foto: Sarah Pust)

Zwei Vollblut-Statistiker und Kämpfer für Entgeltgleichheit: Dr. Jörg Schmidt und Dr. Karin Tondorf haben die Tools entwickelt. (Foto: Sarah Pust)

Mit der Lupe durch die Lohnbuchhaltung

Statistik-Experten stellen jetzt im Internet zwei Tools bereit, mit denen Betriebe untersuchen können, ob es in ihren Zahlungssystemen versteckte Diskriminierung gibt. Die Tools logib-d und eg-check durchforsten die Fakten aus der Lohnbuchhaltung: Dabei werden alle Daten anonym und nur durch interne Mitarbeiter der teilnehmenden Firmen eingegeben und ausgewertet.

 

High Potentials in High Heels
Was das Unternehmen mit den Ergebnissen der Entgeltgleichheitsprüfung durch diese Tools anfängt, ist Sache des Chefs. Das Ergebnis kann entweder hinter vorgehaltener Hand in der Schublade verschwinden (*hüstel*), bei gerechter Entlohnung als PR-Glanzstück medienwirksam inszeniert werden (#vollgerecht) oder auch intern kommuniziert zur Motivation der Mitarbeiter beitragen (E-Mail Betreff: Wir sind fair). Klar, dass mit einer transparenten, fairen Gehaltsstruktur auch High Potentials in High Heels schneller ins eigene Unternehmen gelockt werden. Ein klarer Vorteil im „war for talents“.

Hier gibt’s Analysen
Die Tools sind kostenfrei im Netz verfügbar. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert für 200 Unternehmen eine kostenlose Anschlussberatung (diverse Bewerbungstermine), die über die rein statistische Analyse hinausgeht. Mehr Infos zur Bewerbung hier.

Für Angestellte, die keinen transparenten Überblick über die Gehälter der Kollegen haben, sind die Tools leider nicht geeignet. Hier hilft nur das Weiterleiten der Links (oder dieses Artikels) an den Betriebsrat, die Frauenbeauftragte oder den Diversity-Manager.

Zum Event:
Dr. Jörg Schmidt (Institut der deutschen Wirtschaft, logib-d) und Dr. Karin Tondorf (Forscherin und Beraterin zur Entgelt- und Gleichstellungspolitik, eg-check) stellten die Tools beim Kamingespräch „Instrumente zur betrieblichen Entgeltstrukturanalyse“ des Projekts Mehr Wert vor.

Sarah Pust lebt vom Schreiben für etablierte und neue Medien: Als Redakteurin, Autorin und Texterin stöbert sie online und offline nach Themen aus IT, Gesundheit und Karriere, die unsere Gesellschaft bewegen. Und nach Geschichten, die interessant sind, nachdenklich machen oder gefallen. Oder was ihr sonst noch so aufgefallen ist.


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