Frauen im Netz sind nicht gleich Frauen im Netz. Oder?

Geschrieben von | · · · | Intern · Women | 3 Kommentare zu Frauen im Netz sind nicht gleich Frauen im Netz. Oder?

Daniel Fiene, Carolin Neumann und Herr Pähler bei DRadio Wissen

Daniel Fiene, Carolin Neumann und Herr Pähler bei DRadio Wissen


Das Thema „Frauen im Netz“ scheint derzeit Hochkonjunktur zu haben. Je weiter das Internet und seine Möglichkeiten die Gesellschaft durchdringen, desto mehr werden latent aktuelle Themen auch auf die neue technologische Wirklichkeit angewandt. (Mit dem Ergebnis, dass sich oftmals „alte“ und „neue“ Gesellschaft als gar nicht so weit voneinander entfernt erweisen wie es manchmal vielleicht wirkt…)

So kommt es auch, dass Feminismus (noch zu) langsam nicht mehr nur mit Alice Schwarzer und Allgemeinplätzen der Vergangenheit in Verbindung gebracht wird. Stattdessen schauen sich die Menschen immer öfter um, wie es um die Gleichberechtigung im Digitalen bestellt ist. Dabei stellen sie fest: Wie außerhalb des Netzes gibt es auch hier solche und solche. Es gibt Feministinnen, die vor allem reden, reden, reden und feministische Frauen, die konkret etwas anpacken. Übertragen aufs Web bedeutet das: auf der einen Seite Facebook-Gruppen, Foren und Mailinglisten, in denen über Frauen im Netz philosophiert wird – und auf der anderen Zusammenschlüsse wie die Girls On Web Society oder die Digital Media Women, denen es auf die eine oder andere Weise darum geht, weibliche Nerds sichtbarer zu machen – als Fachkräfte, kompetente Speakerinnen, Expertinnen. Und eben nicht primär als Frauen.

Um diese Unterscheidung und das Spannungsfeld zwischen Frau sein und sich über seine Kompetenzen definieren ging es am Samstag beim Online-Talk von DRadio Wissen. Ich war dort beim Moderatorenduo Daniel Fiene und Herrn Pähler zu Gast, die statt „Was mit Medien“ in ihrer aktuellen Sendung mal Was mit Mädchen machten. Das Thema „Frauen im Netz“ hatte offenbar unter anderem die kürzlich stattgefundene DLD Women Conference auf den Radar der beiden gebracht.

Mit dabei nebst Nicole Simon und Professorin Christina Schachtner war auch die Münchenerin Annik Rubens. Sie hat in der Anfangszeit ihres Podcasts „Schlaflos in München“ ihre ganz eigenen Erfahrungen als Frau im Netz gemacht – und kommt offenbar auch ohne ein konkretes weibliches Netzwerk bestens aus.

Zunächst mag es für die Hörerschaft gewirkt haben, als gingen unsere Meinungen sehr auseinander. Doch in knapp 50 gemeinsamen Minuten sollte klar geworden sein, dass wir im Grunde dasselbe wollen: dass kompetente Frauen dieselben Chancen haben und das Web nicht länger als männerdominiert dargestellt wird. Mit dem Unterschied, dass die Journalistin eine Macherin ist und wir Macherinnen sind und nebenbei darüber reden, um andere zu motivieren und „Schrittsteine“ (Nicole Simon) zu legen, um Frauen im Netz transparenter zu machen.

Alles Weitere zu der meiner Meinung nach sehr runden Sendung findet ihr auf dieser Seite, wo ihr den Online-Talk natürlich auch nachträglich anhören könnt.


3 Kommentare

Gerhard Backhaus sagt:

24. Juli 2011 um 19:50

Hallo,
ich habe die Sendung nicht gehört, bin der Meinung, dass Frauen auch im Netz gleiche Berechtigung haben wie Männer. Meine damalige Frau hat im letzten Viertel des letzten Jahrhunderts immer etwas mehr verdient als ich … und ich war nie neidisch!
Mit bestem Gruß
G.B.

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Stefan L. sagt:

27. Juli 2011 um 10:36

Mal im Ernst: So sehr ich dein Engagement für „digitale Frauen“ bewundere. Es wird mir nie klar werden, warum man das Thema unbedingt mit dem Zaunpfahl bewinken muss. Ja, es gibt viele Frauen im Netz. Ja, irgendwie werden sie immer anders behandelt werden – wie im echten Leben. Doch muss man das wirklich alles totreden? Es gibt so unzählige feministisch angehauchte Initiativen, die irgendwie bemüht wirken. In den Medien haben Frauen meiner Erfahrung nach eine relativ starke Position. Journalistin ist einfach ein Beruf, den Frauen sehr gut können. Und die Führungspositionen werden Sie – wie in meinem Verlag – früher oder später auch besetzen. Meine Freundin ist als Technikerin auch allein auf weiter Flur. Aber sie hält es nicht für nötig, ständig darauf aufmerksam zu machen, sondern versucht einfach, immer besser zu sein als die anderen. 😉

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Carolin Neumann sagt:

27. Juli 2011 um 10:50

Mal im Ernst: So dankbar ich für konstruktive Kritik bin… Aber das empfindest du schon als Totreden? Dann siehst du uns zu sehr in einer Tradition mit feministischen Rednerinnen der letzten Jahre. Ja, wir reden auch darüber, aber es sollte klar geworden sein, dass es ums Machen geht. Nur unser Machen passiert bislang halt in Hamburg – darüber zu reden, motiviert allerdings zusätzlich auch Frauen (zum Beispiel in anderen Städten), Ähnliches anzupacken.

„Früher oder später“ ist kein akzeptables Ziel. Wenn die Gleichberechtigung nämlich im bisherigen Tempo weiter verläuft, sind wir in 200 Jahren immer noch schlechter bezahlt etc. Das sind Fakten, die man nicht lang und oft genug „totreden“ kann. Das zeigt schon, dass dir als modernem Mann und cleverem Journalisten offenbar das Verständnis dafür fehlt. Mit „wird schon“ ist es eben nicht getan.

Noch zwei Anmerkungen: Es geht bei uns um alle möglichen Berufsfelder der digitalen Medienwelt, als Online-Journalistin bin ich im Grunde noch die untypischste Digital Media Woman. Und viele Frauen haben eben (noch) nicht das Selbstbewusstsein, sich in technischen Feldern – wie deine Freundin – durch ihre Kompetenz hochzuarbeiten. Eben hier wollen wir ja auch ansetzen.

Amen.

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