Offener Brief an die Social Media Economy Days

Posted by | · · · | Digital · Hamburg · Media · Women | 26 Kommentare zu Offener Brief an die Social Media Economy Days

In knapp zwei Wochen finden in Hamburg die Social Media Economy Days 2012 statt. Die Konferenz wird von dem reichweitenstarken Print- und Online-Medium „Werben und Verkaufen“ (WuV) veranstaltet und ist in der Branche hinreichend bekannt.
Unter den 30 Referenten der diesjährigen Konferenz befindet sich leider keine einzige weibliche Vortragsrednerin.

Aus diesem Grund sehe ich mich, als Digital Media Woman, gezwungen, einen offenen Brief an die SMED zu formulieren, um auf diesen Missstand hinzuweisen.


Sehr geehrte Veranstalter der Social Media Economy Days 2012,

in den vergangenen Wochen wurden ich und andere Digital Media Women wiederholt von unseren Mitgliedern darauf hingewiesen, dass auf der Referentenliste Ihrer diesjährigen Konferenz keine einzige Frau zu finden ist.

Wieso ist das so? Auch bei vergleichbaren Konferenzen wie der dmexco oder der Social Media Conference sind Speakerinnen leider immer noch in der Minderheit. Dass sich aber unter 30 Referenten keine einizige Vortragsrednerin befindet, finde ich doch sehr befremdlich.

Konferenzen, die in erster Linie auf männliche Speaker setzen, argumentieren in der Regel, man habe Speaker aus den Vorstandsetagen gewinnen wollen und diese Posten seien nun mal in den seltensten Fällen mit Frauen besetzt.

Diese Argumentation halte ich für äußerst fragwürdig, da sie an den bestehenden Missständen festhält und den Teufelskreis manifestiert: Frauen, die keine höheren Führungspositionen bekleiden, werden nicht zu Konferenzen oder Panels eingeladen. Da sie wiederum nicht ausreichend in der Öffentlichkeit präsent und aktiv sind, erhalten sie keine höheren Führungsposition, usw. usf..

Zudem stelle ich fest, dass es sich bei den Rednern Ihrer diesjährigen Konferenz keinesfalls um Vorstandsvorsitzende größerer Konzerne oder Geschäftsführer großer Dienstleistungsagenturen handelt.
Vielmehr finden wir auf Ihrer Referentenliste Geschäftsführer kleiner Beratungsunternehmen, Konzern-Mitarbeiter in mittleren Positionen sowie freie Berater.

Das fragwürdige Argument, man wolle das Niveau des Verantwortungsbereiches hochhalten, wie es mir neulich auch von Dr. Carsten Brosda im Bezug auf den Hamburger Think Tank Nextmedia Gremien, die nach dem formalen Rang der Teilnehmer zusammengestellt werden, der ebenfalls ohne weibliche Sichtweisen und Kompetenzen auskommen wollte, vorgetragen wurde, greift hier also nicht.
(Anm.: Carsten Brosda hatte mir in einem persönlichen und offenem Gespräch erklärt, das dies seine allgemeine Wahrnehmung im Bezug auf so manche Gremien ist, aber keine Praxis des Hamburger Think Tanks Nextmedia.)

Die ebenso häufig vorgetragene Rechtfertigung „Wir finden keine Frauen“ lässt in Ihrem Fall auf eine ungenügende Vorbereitungs- und Planungsarbeit schließen. Es gibt mittlerweile viele kompetente und erfahrene Frauen, die im Digital Business mittlere Führungspositionen bekleiden oder kleinere erfolgreiche Unternehmen gegründet haben und die Ihren Speakern der diesjährigen Konferenz in nichts nachstehen.

Die Digital Media Women, die Women Speaker Foundation oder das Magazin „Saal Zwei“ – um nur einige Organisationen zu nennen, die sich in Sachen weiblicher Kompetenz sehr gut auskennen – helfen Ihnen in Zukunft bestimmt gern bei der Bereitstellung oder Vermittlung interessanter und kompetenter weiblicher Speakerinnen.

Mir geht es nicht um prozentuale Relationen oder um Quotenregelungen. Aber: Ist es denn nicht in unser aller Interesse, Frauen an der gesellschaftlichen Mitbestimmung zu fördern oder zumindest nicht zu behindern? Leben und gestalten wir denn nicht gemeinsam unser Umfeld, ob privat oder gesellschaftlich? „Die Zukunft ist weiblich“ rufen Zukunftsforscher wie Matthias Horx schon lange aus – jeder, der die darin enthaltenen Aussagen ignoriert, lebt in der Vergangenheit und sollte sich überlegen, ob er in ein derart zukunftsorientiertes Business-Umfeld wie das der digitalen Kommunikationstechnologie noch hinein passt.

Ich freue mich auf Ihr öffentliches Feedback,

Agnieszka Krzeminska

Ich bin Gründungsmitglied der Digital Media Women, der Kunst-Aktionsgruppe LOMU, und des analogen Salons i-15. Seit 2004 selbständig mit Trend- und Zukunftsforschung, Online Konzeption, Strategischen Planung und Social Media. Privat male ich gern und mache Musikvideos für meinen Freund. Woanders im Netz: LinkedInFacebook Twitter Goldene ZeitenSocial Media FührerscheinXing Pinterest… Mein Profil im *Community Kompetenz* Bogen

26 Comments

vera says:

1. November 2012 at 13:38

Wo kann ich unterschreiben?

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Agnieszka Krzeminska says:

1. November 2012 at 14:43

Gute Idee Vera. Alle die das genauso sehen, können gerne hier in den Kommentaren unterzeichnen. Es wäre ja möglich so ein Schriftstück auszubauen…

Danke!

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sarah says:

1. November 2012 at 14:53

Gerade im Bereich Social Media macht es Sinn Frauen auf die Bühne zu holen, schließlich sind auch die Nutzer vermehrt weiblich! Und es gibt zahlreiche sehr erfolgreiche Social-Media-Expertinnen. tsss. Danke, das musste mal raus, Agnieszka

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Carolin Neumann says:

1. November 2012 at 19:48

Nicht nur die Nutzer sind vermehrt weiblich. Schauen wir uns doch nur mal um, wer in vielen Hamburger Agenturen und Unternehmen den SoMe-Bereich dominiert. Das sind Frauen! Umso schlimmer, dass sie dann auf einer solchen Veranstaltung nicht vorkommen…

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Ellen Trude says:

1. November 2012 at 15:06

Danke für den Brief, hier meine Unterschrift.

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Kiki says:

1. November 2012 at 15:35

So sieht’s aus.

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Inge Seibel says:

1. November 2012 at 16:47

Konsequenterweise sollte Frau diesen Kongress links liegen und die Herren unter sich lassen 😉

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Andrea Mayer-Edoloeyi says:

1. November 2012 at 18:34

Danke! Unterschreibe ich gerne. #ausGründen

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Anne says:

1. November 2012 at 19:12

.

Reply

Geli says:

1. November 2012 at 20:46

Unterschrieben.

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Vanessa says:

2. November 2012 at 08:40

Ich weiß, dass zum Beispiel die JSConf.eu lange Probleme hatte mehr Frauen als Speaker zu finden. Während die Männer sich darum rissen, dort sprechen zu dürfen, haben selbst die Frauen teilweise abgelehnt, die gezielt angesprochen wurden. Die Veranstalter waren aber von der Qualität der weiblichen Speaker überzeugt. Schließlich haben sie eine Frau in das Conference Board geholt, der es gelang, sehr gute Sprecherinnen zu gewinnen. Ein voller Erfolg! So geht das.

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Eva Hehemann says:

2. November 2012 at 10:11

Sehr guter Brief! Sehr gute Aktion! Es wird Zeit, dass konsequent und in allen Branchen auf den Missstand der rein oder überwiegend männlichen Panels und Podien hingewiesen wird, damit endlich Schluss ist mit der einseitig männlichen Sicht auf alle Bereiche unserer gemischten Gesellschaft. Lippenbekenntnisse zu Diversity, Best Practice und Mixed Leadership reichen nicht mehr aus – jetzt müssen endlich Taten folgen. Wer wirklich noch qualitätvolle Information bei Kongressen und Veranstaltungen abliefern will, kann sich solche Einseitigkeit nicht mehr leisten!
Und es wird Zeit, dass vor allem Frauen nicht mehr auf solche Veranstaltungen gehen, ohne weibliche Speaker einzufordern. Wir dürfen in dieser Hinsicht nicht mehr blind sein!

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Iris Koller says:

2. November 2012 at 11:56

Ich finde auch, dass eine Referenten-Liste nicht ausschließlich mit Männern besetzt sein sollte, ganz besonders, wenn es um Social Media geht. Es gibt hier viele erfolgreiche und kompetente Frauen, ein ausschließlich mit Männern besetztes Board wirkt einfach sehr einseitig.

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Nina Kalmeyer says:

2. November 2012 at 12:14

richtiger und wichtiger Brief – ich unterschreibe!

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Silke Loers says:

2. November 2012 at 12:36

Ich unterschreibe auch sofort!
Danke für diesen Brief!

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Der SEO-Blog-Wochenrückblick KW 44 | SEO Trainee - Ab hier geht´s nach oben says:

2. November 2012 at 14:55

[…] Was ist denn da passiert? Die Frage haben sich auch die Digital Media Women gestellt und einen offenen Brief an die Veranstalter geschrieben. Man kann gerne in unserem SEO-Frauen-Artikel nach Inspiration suchen. *hust*Sandra […]

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Ronald Jochmann says:

2. November 2012 at 16:59

wo sie recht hat, hat sie recht!

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Alexander Holl says:

2. November 2012 at 17:50

Hallo und einen schönen Freitagnachmittag,

vielen Dank für den offenen Brief. Ich schreibe hier zurück als Leiter des Fachbeirates der Social Media Economy Day. Und sie haben absolut recht, wir haben tatsächlich bisher keine einzige Frau als Referentin auf den Social Media Economy Days, und das ist sehr schade. Allerdings würde ich gerne etwas zur Interpretation dieser Tatsache sagen. – siehe im PS. @ Agnieszka Krzeminska vielleicht wollen Sie ja ein Format (Google+ Hangout) vorschlagen in dem wir diese Punkte diskutieren können. Ich würde gerne in diesem Hangout diskutieren, wie es in der Regel zur Besetzung der Panels mit Referenten und Referentinnen kommt und aber viel wichtiger, wie man sich in Zukunft besser untereinander vernetzt, um auch tatsächlich 2013 mehr Frauen auf Konferenzen zu sehen.

Freue mich auf eine Nachricht
Beste Grüße
Alexander Holl

PS: Wie schon auf unserer Facebook Seite geschrieben – Tatsächlich haben wir eine ganze Reihe an Frauen angefragt, die aus (meistens) terminlichen Gründen nicht auf den Social Media Economy Days sprechen konnten. Wen ich das richtig in Erinnerung gehabt habe waren es insgesamt 7 Frauen aus unterschiedlichen Bereichen wie, SEO und Social, Krisen PR, als Keynote, zum Thema Crowdsourcing, Influencer Marketing und zu Online Reputation Management angefragt. Unser Fachbeirat ist gemischt besetzt – //socialmediaeconomy.de/hamburg2012/fachbeirat/

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Agnieszka Krzeminska says:

2. November 2012 at 19:02

Besten Dank für Ihre Antwort, Herr Holl.
Gerne greife ich Ihren Vorschlag auf und schlage vor ihn nächste Woche zu konkretisieren.

Schöne Grüße,
Agnieszka Krzeminska

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Alexander Holl says:

2. November 2012 at 23:17

Hallo Frau Krzeminska,

gerne dann lassen Sie uns doch am Montag koordinieren. Vielleicht können wir uns über Xing vernetzen.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Alexander Holl

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Alexander Holl says:

7. November 2012 at 12:44

Hallo Apropos – hier gibt es eine Fortführung der Diskussion https://plus.google.com/u/0/114620560185021689616/posts/bwQF2Suphxz

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Claudia Gunkel says:

16. November 2012 at 12:05

Ist denn etwas über die Diskussionsergebnisse aus dem Hangout in Erfahrung zu bringen, Agnieszka?

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Agnieszka Krzeminska says:

19. November 2012 at 10:54

Auf jeden Fall!
Wir werden noch einen extra Artikel dazu schreiben.
Soviel vorne weg: der Brief ist bei den Konferenzmachern angekommen. Der Hangout mit Alexander Holl, lief sehr konstruktiv – ich denke im kommenden Jahr wird sich die SMED wesentlich weiblicher aufstellen – und wie gesagt: wir helfen gerne dabei! Ich bin gespannt was (und ob überhaupt?) von der WuV kommen wird, denn von ihnen haben wir noch nichts gehört.
Es gab aber auch Meldungen aus Agenturen und der Social Media Szene, die sich – so weit ich das überblicke – alle mit uns solidarisieren.

Wir arbeiten an einer guten Lösung, wie man passende, Expertinnen für Talks und Vorträge empfehlen kann. Wer sich dazu mit mir austauschen möchte, bitte Emails an: kooperation@digitalmediawomen.de

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Ein bunter Strauß Links zum Wochenende says:

2. Juli 2013 at 17:15

[…] Im November finden die Social Media Economy Days in Hamburg mit 30 Referenten statt. Wie sich am Wort Referenten unschwer erkennen lässt, hat es wieder einmal eine Veranstaltung geschafft, ohne eine einzige Referentin auszukommen. Die Digital Media Women haben daher einen ausführlichen Brief geschrieben. […]

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Digital Media Women » Fehlende Frauen auf den Bühnen sind nur ein Symptom. Wir brauchen Lösungen! says:

30. August 2013 at 13:04

[…] sichtbarer zu machen. Wer neu in der Thematik ist, kann sich ein bisschen Einlesen: Ein offener Brief von Agnieszka Krzeminska trat eine Diskussion im Netz bzw. auf Google+ los, die meines Erachtens […]

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Was auf der #Next13 Berlin Konferenz toll war und was noch fehlt | Social Media Führerschein says:

4. September 2013 at 20:01

[…] Marina Gorbis (Video-Link) vom Institut for the Future zeigte in Ihrer Keynote beeindruckende Beispiele von kollaborativen und crowd-gesourced Wissenschafts-Projekten an Ihrem Institut. Ich muss gestehen, dass ich mich über ihren Vortrag v.a. deswegen freute weil sie erstens eine Frau ist und zweitens die Keynote hielt. Das war eine schöne Bestätigung, dass es eben doch anders geht, als auf manch anderen Konferenzen – Vgl. hierzu meinen Artikel zur Unterrepräsentation von Frauen auf der SMED 2012 im Digital Media Women Blog […]

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