Gelesen: Netzgemüse

Geschrieben von | · · · · · · · · · | Media | 3 Kommentare zu Gelesen: Netzgemüse

Die Autoren Johnny und Tanja Haeusler sind Gründer des Blogs „Spreeblick“ (Grimme-Online-Award-Preisträger) und Mit-Erfinder und Organisatoren der „re:publica„, also echte Experten der digitalen Szene. Außerdem ist das Paar Eltern von zwei 11- und 13-jährigen Jungen und wird vom pubertierenden Netzgemüse immer wieder vor Herausforderungen in der (Medien-) Erziehung gestellt. Vor diesem Hintergrund fallen die Antworten auf Fragen, die sich wohl viele Eltern stellen, sehr weitsichtig aus und umfassen auch potenzielle Zukunftsentwicklungen des Web.*

Johnny und Tanja selbst fragen: Übrigens, am 18. Februar sind die beiden bei der Social Media Week Hamburg und geben im Digi-Women-Panel sachdienliche Hinweise, wie das Internet zur Familiensache wird. Anmeldung hier!

"Netzgemüse. Aufzucht und Pflege der Generation Internet", Goldmann, 9,99 Euro.

„Netzgemüse. Aufzucht und Pflege der Generation Internet“, Goldmann, 9,99 Euro.

Darum geht’s: Kinder und Internet. Hilfe zur digitalen Selbsthilfe und ein bisschen „Durchatmen“ für Eltern mit Netzgemüse. Die Autoren berichten in ihrem Buch begeistert aus dem Online-Familienalltag. Johnny ist baff, wenn sein Großer beim Daddeln von „Minecraft“ mit Shortcuts in der Google-Suche ganz nebenbei herausfindet, wo die anderen Gamer die tollen Kostüme für ihre Avatare her haben und Tanja erklärt begeistert, wie der Lütte am Beispiel der Vita von Sänger Peter Fox schmerzfrei erfahren konnte, dass nicht alle Internet-Quellen zuverlässig sind.

Bei einem anderen Familien-Internet-Battle wurde aus einem ganz normalen Abendessen ein YouTube-Event, bei dem Eltern und Kinder sich gegenseitig die Lieblingshits vorspielten und der gecoverte Song „Easy“ von Cro in den YouTube-Annalen bis zum 70er-Jahre-Original „Sunny“ von Bobby Hebb zurückverfolgt wurde.

Aber Teenager & Internet sind keine Ponyhof-Kombi und so gibt’s auch handfeste Tipps aus dem eigenen Erfahrungsschatz und der digitalen Expertise von „Abmahnung“ (S. 165) über „Pornoseiten und Sexualerziehung“ (S. 78) bis „Schutzsoftware“ (S. 282).

Das Erfrischende an diesem Buch: Die Ratschläge sind chancenorientiert, aber haben die Probleme im Blick und artikulieren diese ehrlich und weitsichtig. Also endlich mal keine Bedenkenträger als Autoren, sondern Internetfans in der Elternrolle.

Die Autoren raten: Medienerziehung ist Elternsache: „Für unsere Kinder ist das Internet so natürlich wie Leitungswasser. Es wird Zeit, dass wir es ebenso lieben lernen.” Dabei steht bei allen Ratschlägen immer im Mittelpunkt: Eltern müssen mit ihren Kindern kommunizieren und ihnen vertrauen, um die Herausforderung „Internet“ in der Familie zu wuppen. Denn eines ist klar: Es gibt keinen Weg zurück in die Welt vor Facebook. Und je besser die Kids mit den neuen Medien umgehen können, desto sicherer sind sie im WorldWideWeb.

DMW-Themen: Medienkompetenzvermittlung in der eigenen Familie und bei anhängenden Sprösslingen. Einen Lesetipp, wenn offlinige Freundinnen Rat suchen und man selbst nicht bei Adam und Eva anfangen möchte.

Pageturner oder Sleeptimer: Definitiv ein Buch, das vielen Eltern die Fragezeichen aus den Augen wischen könnte. Auch für erfahrene Internetnutzer unterhaltsam geschrieben. Und … es gibt Tipps zu Teenie-Content, den man (glücklicherweise?) verpasst haben könnte.

Ein charakteristischer Satz: „Das Studium von YouTube-Kommentaren eignet sich in solchen Zusammenhängen hervorragend für tiefsinnige Gespräche mit dem Nachwuchs, zum Beispiel darüber, wieso eigentlich der Satz „Du bis schwul!“ so häufig mit beleidigender Absicht auftaucht (nicht, dass wir das herausgefunden hätten, aber man kann dabei wunderbar über Respekt und Freiheit reden) oder auch darüber, wie wichtig Rechtschreibung gerade in Zeiten des Internet ist, damit man sich mit der Schreibweise „Itiod“ nicht zu einem ebensolchen macht!“ S. 70

 

*Digi-Women-Moderatorin Sanja wird sie sicher auch fragen, wie Eltern, die nur ein Viertel dieses Wissens haben, ihr Netzgemüse trotzdem sicher im Internet begleiten und anleiten können. Momentan sind noch Plätze frei: Anmeldung hier!
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Tanja und Johnny Haeusler „Netzgemüse. Aufzucht und Pflege der Generation Internet“, Goldmann, 9,99 Euro.

Sarah Pust lebt vom Schreiben für etablierte und neue Medien: Als Redakteurin, Autorin und Texterin stöbert sie online und offline nach Themen aus IT, Gesundheit und Karriere, die unsere Gesellschaft bewegen. Und nach Geschichten, die interessant sind, nachdenklich machen oder gefallen. Oder was ihr sonst noch so aufgefallen ist.


3 Kommentare

Agnieszka Krzeminska sagt:

14. Februar 2013 um 19:48

Danke für den Preview Sarah, klingt spannend, ich komme gerne vorbei!

Und für alle (Kinder, Jugendliche, Eltern oder Lehrer), die mehr hören und praktisch üben wollen, gibt es im Rahmen der #smwhh am Freitag um 15.00 einen Workshop in der Uni, Flügel Ost, Raum 209.

//socialmediaweek.org/hamburg/events/?id=49315
Zwei Plätze sind noch zu haben!

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Medienkompetenz | pusteblumemedia sagt:

24. Februar 2013 um 23:02

[…] Am Montag der Social Media Week Hamburg haben wir auf dem Panel “Netzgemüse” über die Internetnutzung von Kindern gesprochen. Tanja und Johnny Häusler berichteten mit vielen spannenden Beispielen aus ihrem Familienalltag mit zwei YouTube- und Games-verliebten Söhnen. Sie haben ein Buch darüber geschrieben, wie sie als Eltern mit den Herausforderungen der Medienkompetenzvermittlu…umgehen. […]

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Digital Media Women » Ein re:publica-Panel entsteht: Kinderkram sagt:

3. Mai 2013 um 16:55

[…] Wirtschaft zu rücken. Denn: Ohne die verantwortungsvolle Arbeit der Hersteller geht es nicht. Tanja und Johnny haben ein spannendes Buch darüber geschrieben und mit uns auf der Social Media Week diskutiert, wie Eltern ihrem Netzgemüse […]

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