Leading like a lady – DMWB zu Gast im Betahaus Berlin

Geschrieben von | · · · · · · · · · · | Berlin · Intern · Women | 2 Kommentare zu Leading like a lady – DMWB zu Gast im Betahaus Berlin

Frauen als Gründerinnen und im Top-Management gibt es weltweit noch immer viel zu wenige. Beim Themenabend des Berliner Quartiers kamen zwei Ladys zu Wort, die es an die Spitze geschafft haben und dort den Wandel von Unternehmenskulturen prägen.

Jennifer Meister

DigiWoman Jennifer Meister moderiert den Abend. Foto: Christine Plass

(F)CEO – Leading like a lady, unter diesem Titel stand der zweite Themenabend der DMW Berlin am Montag im Betahaus. Unsere Gäste waren diesmal Gitta Blatt, seit 2011 Personalchefin beim Berliner Spiele-Entwickler Wooga, und Sheila Lirio Marcelo, CEO und Gründerin von Care, einer der größten Plattformen für Betreuungsservices weltweit. Rund 80 Frauen und Männer sind unserer Einladung in den Kreuzberger Coworking Space gefolgt. An den dicht besetzten Tischen herrschte gespannte Stille, als DigiWoman Jennifer Meister die Sprecherinnen vorstellte.

Um es gleich vorwegzunehmen: In ihren Vorträgen sprachen die beiden Frauen weniger über typisch weibliche Führungseigenschaften, sondern mehr über den Wandel von Unternehmenskulturen, den sie in ihren Positionen mitgestalten. Einen Wandel, der es Frauen leichter macht, auch in männerdominierten Branchen Führung zu übernehmen.

Eine Unternehmenskultur, die Frauen ermutigt

Eine dieser Branchen ist die Gaming-Industrie. „Gaming – A magic land for women?”, fragte Gitta Blatt. Danach sieht es auf den ersten Blick nicht aus. Gerade 27 Prozent der knapp 300 Stellen bei Wooga sind von Frauen besetzt – zu wenig, räumt die Personalchefin ein. Allerdings beschäftigt das Social-Games-Unternehmen immerhin mehr als doppelt so viele Mitarbeiterinnen wie andere Spiele-Entwickler.

Gitta Blatt

Gitta Blatt, Personalchefin bei Wooga, will mehr Frauen ins Unternehmen holen. Foto: Christine Plass

Dass der Frauenanteil bei Wooga steigt, ist kein Zufall. Mit ihrem 18-köpfigen Team hat Blatt viele Änderungen umgesetzt, die Frauen den Einstieg erleichtern sollen. Angefangen bei Stellenbeschreibungen, die gezielt Frauen ansprechen, über gemischtgeschlechtliche Teams in Jobinterviews bis zur Unterstützung bei der Wohnungssuche. „Wir haben festgestellt, dass es Frauen oft schwer fällt, ihre vertrauten Kulturen zu verlassen und in einem fremden Land zu arbeiten“, so Blatt. Deshalb biete Wooga Einsteigern zum Beispiel eine Unterkunft für die ersten Wochen oder Unterstützung beim Papierkram.

Mit vielen kleinen Maßnahmen will sie auf geschlechtertypische Gewohnheiten reagieren. Ein Klassiker: der erste Arbeitstag. „Männer gehen durch die Organisation und schütteln Hände, Frauen klappen ihren Laptop auf und beginnen zu arbeiten“, sagt Blatt. Ihre Antwort darauf: eine lebendige Willkommenskultur, Kommunikation und viel Raum für Austausch.

Für die Zusammenarbeit gilt der Leitsatz “Don’t follow the hippo” (highest paid person’s opinion). Gemeint ist damit, dass Entscheidungen auf Basis von Fachwissen und nicht aufgrund von Strukturen getroffen werden. Expertise sticht Hierarchie.

Diversity sei der Dreh- und Angelpunkt der Unternehmenskultur. Darunter will Blatt nicht nur genderbezogene Aspekte verstanden wissen, sondern auch kulturelle Vielfalt. Zurzeit arbeiten schließlich Menschen aus fast 40 Nationen in der alten Prenzlauer Backfabrik.

„A magic land for women“ sei die Gaming-Industrie sicher nicht, aber in der schnell wachsenden Branche gebe es einen Trend zum modernen Management. „Gerade bei Wooga setzen wir alles daran, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die einfach besser zu Frauen passt“.

Leidenschaft entwickeln für das, was wir tun

Um Leidenschaft für das, was Frauen in Unternehmen tun, ging es im Vortrag „Branding inside.out“ von Sheila Marcelo. Die charismatische Frau, die laut „The Boston Globe“ zu den zehn

Sheila Marcelo

Powerfrau Sheila Marcelo, CEO und Gründerin von Care. Foto: Christine Plass

einflussreichsten der Bostoner Tech-Szene zählt, sprach vor allem über ihre eigene Biografie, ihre Familie und darüber, wie die Idee zu Care entstand.

„Wer bin ich, was treibt mich an und wie kann ich authentisch bleiben?“ Das sollten Entrepreneure ihrer Meinung nach unbedingt herausfinden. „Wirklich gut bist du nur, wenn du mit Leidenschaft an eine Sache herangehst.“ Die persönliche Geschichte sei eine der wichtigsten Triebfedern. Nur wer mit Herz und Seele seine „Story“ erzähle, könne seine Idee glaubwürdig vertreten.

Für mindestens ebenso wichtig hält sie es, ein leidenschaftliches Team um sich zu versammeln. „Fragt euch, wen wollen wir in unsere Firma holen? Wer teilt unsere Mission, wer vertritt die gleichen Werte?“ Werte wie Transparenz, Respekt und Authentizität, die für den Aufbau einer Marke ihrer Überzeugung nach unverzichtbar sind. Erfolgsfaktor Nummer drei: der Aufbau langfristiger Beziehungen, zum Beispiel zu Geschäftspartnern und Mitarbeitern.

Werte vorleben und Unternehmen als etwas verstehen, was von Menschen gemeinsam aufgebaut wird, lautet Sheila Marcelos Credo. „Eine Firma wie Care ist keine gesichtslose Geldmaschine. Wir müssen auch nach innen menschlich handeln, wenn wir diesen Wert nach außen vermitteln wollen.“

„Sprecht lauter, seid selbstbewusster!“

Als eine Besucherin in der anschließenden Diskussion die Frage stellte, wie denn nun typisch weiblicher Führungsstil aussehe, schienen beide Sprecherinnen etwas ratlos. Sie denke eigentlich nicht viel darüber nach, gab Sheila Marcelo zu. „Mein Ziel ist es, gut zu führen.“ Für Gitta Blatt kommt es auf das Engagement jedes Einzelnen und auf die Vielfalt im Team an. „Kollaboration und flexible Strukturen ermutigen Frauen, Führung zu übernehmen.“ Allerdings müssten diese ihre Ansprüche auch anmelden. Dem stimmte Sheila Marcelo voll und ganz zu; ihr Appell an Frauen in Führungspositionen: „Sprecht lauter, seid selbstbewusster, verhandelt euer Gehalt“.

Ein herzliches Dankeschön geht an Care und Wooga für Getränke, Snacks und die Unterstützung bei dieser spannenden Veranstaltung. Danke auch an unseren Gastgeber, das Betahaus Berlin!


2 Kommentare

Franziska sagt:

19. März 2013 um 17:20

Es gibt immer wieder Untersuchungen, dass Frauen anders führen als Männer, ein weiblicher Führungsstil existiert also durchaus. Entscheidend aber ist doch bei Führung in erster Linie immer die Authentizität. Von daher rate ich jeder Frau in einer Führungsrolle ihren eigenen Stil zu finden und weiter zu entwickeln. Ob er „typisch weiblich“ ist oder nicht, passen muss er!

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Michaela sagt:

22. März 2013 um 09:05

Da schließe ich mich Franziska an, das Ziel ist Effizienz und Authentizität. Alles andere wäre nur ein Tribut an den männlichen Normativitätsgedanken.

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