Lunch mit Peer Steinbrück

Geschrieben von | · · · · · · · | Digital · FEATURED | 6 Kommentare zu Lunch mit Peer Steinbrück

Am Freitag waren wir mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück Mittag essen. Mit dabei: Aydan Özoğuz, u.a. stellvertretende SPD-Vorsitzende, Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” des Deutschen Bundestages, Steinbrücks Referenten, Bodyguards und natürlich ein Tross Journalisten, die wir, die DMW, beim Gespräch aber ausgeladen haben, da wir unsere Herzensthemen kommunizieren wollten und keine Schlaglichter. In Hamburg wollte der Kanzlerkandidat vor allem auch etwas von der Kreativszene hören, unter anderem lud man zum „Zukunftsforum Kreativpakt“ ein, besichtigte das „betahaus“ und Peer nahm sich ein Ohr für die DMW. Wir trafen uns in einem separaten Raum des Café de Paris beim Hamburger Rathaus. 

„Wie kam es denn dazu?“, fragt ihr euch jetzt vielleicht. Tja, Peer ist bekanntermaßen auf Wahlkampf-Tour und dazu gehört auch seine Länderreise. So klingelte bei uns das Telefon und der SPD-Parteivorstand war dran – ob man sich treffen könne, zum Hintergrundgespräch. Ganz ehrlich: Am Anfang war ich mir nicht ganz sicher, ob uns jemand veräppelt, aber nach kurzer Recherche stellte sich heraus: Den Typen am Ende der Leitung gibt’s wirklich und die meinen es ernst. Wir haben im Gründerinnen-Team kurz diskutiert, ob wir den Termin wahrnehmen wollen, denn wer sich in den Wahlkampf hineinziehen lässt, der bezieht auch irgendwie Position (nur fürs Protokoll: Wir hatten auch schon Speaker von anderen Parteien als Experten auf unseren Events zu Gast). Und wer ab und zu die Nachrichten guckt, weiß auch, dass Peers Umfragewerte nicht so gut sind, dass er dringend Frauen-Wählerstimmen braucht und dass der Herr Kanzlerkandidat mit seinen Aussagen das ein oder andere mediale Fettnäpfchen angesprungen hat. Der Tenor der Diskussion war relativ schnell klar: Wir machen’s, aber wir werden nicht sein „Baby-Foto!“. Baby-Foto, damit sind die herzerwärmenden Bilder von Politikern gemeint, die sich mit harmlosen Babys und netten Frauen zeigen, um zu emotionalisieren.

Am Ende aller Meinungen zeigt die Anfrage auch einfach, was die DMW in den letzten drei Jahren geschafft haben: Man kennt uns. Wir sind sichtbar. Wir werden gehört. Und: Wir haben die einmalige Chance, unsere Anliegen ins Vielleicht-Kanzler-Ohr zu flüstern.

Wir haben uns im Orga-Team genau überlegt, welche Anliegen der DMW eher kulturell, sozial oder politisch sind und haben einige politische Empfehlungen an Peer Steinbrück kommuniziert. Diese Punkte fanden wir elementar:

  • Die kompetenten Frauen in der Digitalwirtschaft müssen besser sichtbar werden. Es gibt sie, also zeigen wir sie. Auf Konferenzen und in jeder Art der öffentlichen Darstellung. Die Förderung von Nachwuchs-Mädchen schon in der Schule und Ausbildung gehört dazu. Der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin sollte mit bestem Beispiel in seinem Verantwortungsbereichen vorangehen.
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss besser werden. Gerade in der Digitalwirtschaft sind wir mit den modernsten Technologien gesegnet, Home Office ist rein technisch überhaupt kein Problem und oft auch effizienter. Trotzdem funkt’s in vielen Firmen einfach noch nicht. Teilzeit muss sich lohnen und zwar ohne gefakte Überstunden und Anwesenheitsjoker. Eine verantwortungsvolle Managementposition liegt in den Händen einer Mutter sicher. Der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin sollte das fördern.
  • Die deutsche demografische Entwicklung zeigt, dass wir alle Ressourcen und alles Wissen mobilisieren müssen, um die deutsche Wirtschaft zu stärken. Die Förderung von selbstständigen Frauen und weiblichen Führungskräften ist ein Ansatz, der die deutsche Wirtschaft stärkt, und zwar für uns alle. Ein Förderbudget für Coaching von Führungsfrauen, beispielsweise analog zum Gründungscoaching bei der KfW, kann dem nächste Kanzler oder der nächste Kanzlerin helfen, die deutsche Wirtschaft langfristig zu stabilisieren und stark zu halten.

Unseren Beobachtungen zur Folge sind die kreativen und digitalen Köpfe nirgendwo gebündelt bzw. selten integriert in bestehenden Prozessen, d.h. viele sind „frei“ unterwegs. Um das volle Potenzial für die deutsche digitale Wirtschaft tatsächlich auszuschöpfen und weiterzuentwickeln, ist es aus unserer Sicht elementar diese Menschen richtig zu unterstützen:

  • Die Krankenkassenbeiträge sind für viele Einzelselbstständige (und davon haben wir viele bei den DMW, aber auch Mittelständler und Angestellte) horrend hoch. Der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin sollte prüfen, ob die digitale Kreativszene hier entlastet werden kann, bspw. durch Öffnung der Künstlersozialkasse für digitale Berufsbilder.
  • Die Steuerbürokratie ist ein Mühlstein am Hals vieler Freiberufler. Geht’s nicht auch einfacher, lieber nächster Kanzler oder Kanzlerin? Und: Wenn die Kreativbranche steuerlich begünstigt würde, gäbe das deutschen Innovationen einen Mega-Kick.
  • Der Gründungszuschuss ist für viele unserer Mitglieder ein elementarer Schritt in die Selbstständigkeit gewesen. Der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin sollte die Förderung wieder reaktivieren und ausbauen, vor allem für die Digitalwirtschaft.

Und ganz persönlich:

  • Engagement muss unterstützt werden. Wir brauchen mehr Förderung für Ehrenamt, wie die Arbeit des gemeinnützigen Vereins der Digital Media Women.

Diese Liste ist nicht erschöpfend vollständig, wir haben noch viel mehr besprochen, aber das ist der rote Faden. Peer hat zugehört, mitschreiben lassen, nachgefragt und nachgehakt. Am Ende sagte er sowas wie „Ihr werdet viele Punkte wiederfinden“. Wir bleiben dran, Herr Steinbrück 😉

Nochmal zum Mitlesen, was leisten die DMW eigentlich für die Deutsche Wirtschaft, um solche Forderungen zu stellen?

  • Wir stärken Frauen, die in der digitalen Kreativwirtschaft Werte schaffen: Mit Sichtbarkeit, Wissen, Kontakten zu Aufträgen und Expertinnen
  • Wir sind Anlaufstelle für Existenzgründerinnen, Freiberufler, Führungskräfte, Nachwuchs, Expertinnen
  • Wir teilen das Wissen der Zukunftsbranchen, so dass es sich vermehrt
  • Wir schaffen Sichtbarkeit. Es geht uns weniger darum Quoten anzubringen oder etwas zu erzwingen. Unsere Meinung: Die real existierenden Kompetenzen werden derzeit nicht korrekt abgebildet und sind nicht nach außen sichtbar
  • Unsere Mitglieder sind der Mittelstand, Freiberufler, Start-up-Gründerinnen und Angestellte
  • Mit professionellem Networking, unseren Themenabenden, Meet-ups, Skill Swaps und unseren fünf Quartieren haben wir in den letzten drei Jahren unsere Community von acht auf aktuell etwa 800 Mitglieder aufgebaut

 

Natürlich sind wir auch zur Frauenquote gefragt worden, wir beziehen dazu als Netzwerk keine offizielle Position, weil die Meinung unter unseren Mitgliedern geteilt ist. Wir haben jede unsere persönliche Meinung kommuniziert, zusammengefasst in meinen Worten kann man sagen: Als wir jünger waren, am Anfang unserer Karrieren dachten wir, es ginge ohne. Einfach durch unsere Kompetenz und verdienten Erfolg. Die Hoffnung stirbt zuletzt aber von „Stirb langsam“ gab es leider auch einen zweiten Teil.

Was ist er denn nun für einer, der Steinbrück, und wie fandet ihr das Treffen? Butter bei die Fische!

Sarah Pust:
Ich denke, Peer Steinbrück ist ein Norddeutscher, der im persönlichen Umgang gute Erfahrungen damit gemacht hat, authentisch zu sein und seine Meinung im Kontext der Situation sofort rauszuhauen. In der Medienöffentlichkeit, nach den Wulffs, Westerwelles und auch Schröders dieser Welt funktioniert eine kantige Meinung im Politiker-Profil nicht mehr, ohne dass Medien-Gebrüll losbricht. Seine Aussagen an dieses Gebrüll anzupassen, das will er (noch) nicht.

Auch wenn dann aus einer Antwort an einen türkischen Jungen (?) „Wenn es das schulische organisatorische Umfeld erlaubt, sollte es möglich gemacht werden, dass muslimische Mädchen getrennten Sportunterricht erhalten, wenn sie es wünschen.“ die Head „Steinbrück will getrennten Sportunterricht für Musliminnen“ wird. (Inhaltlich diskussionswürdig meiner Meinung nach).

Ob diese Einstellung, seinem Gegenüber sofort eine ehrliche Meinung zu sagen, diplomatisch ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist es echt, wird aber medial gern zugespitzt und – tadaa so wächst die Fettnäpfchengalerie.
Ich persönlich verlasse mich lieber auf Chefs, die geraderaus sind, „in your face“, als aalglatt. Und so hab ich Peer Steinbrück erlebt. Gerade im Bezug auf die Themen, die die DMW ihm angetragen haben, hat er immer wieder von persönlichen Erfahrungen mit seinen Töchtern, Ministerinnen und Genossinnen berichtet, und das sehr positiv und anerkennend. Wir hatten im Vorfeld des Gesprächs vereinbart, dass es ein Hintergrundgespräch ist, deshalb möchte ich jetzt keine Details veröffentlichen. Aber der Steinbrück kennt die Herausforderungen, denen junge kompetente Frauen gegenüberstehen, und er nimmt unsere Anliegen ernst. Als Kandidat, aber auch als Vater von Frauen, die wohl auch beim DMW-Event neben uns sitzen könnten.

Übrigens: Ich habe ihm sehr provokant die Frage gestellt, wie man es denn schaffe, höchste Speaker-Gehälter zu generieren, die hätten wir ja alle gern. Er hat auf diese freche Frage ziemlich cool reagiert: „Gemeine Frage, aber ich sage Ihnen, was in jeder Verhandlungssituation zählt: XYZ.“ (Übrigens inhaltlich analog zu Marion Knaths).

Sarah Pust und Peer Steinbrück

Sarah Pust und Peer Steinbrück
Foto: Rieka Anscheit

 

Sanja Stankovic:
Ich erinnere mich noch gut daran, als ich im Studium lernte, dass man den deutschen Journalismus als „meinungsbildend“ bezeichnete. Am Freitag habe ich das in vollem Maße live erlebt. Beruflich habe ich unterschiedliche Erfahrungen mit Presse und Politik gemacht und war als Presseverantwortliche der DMW durchaus skeptisch als die Anfrage für das Treffen reinkam. Uns war wichtig nicht vor den Wahlkampfkarren gespannt zu werden. Andererseits: Wo können wir besser unsere Ziele formulieren als in der Politik?

Das Treffen unter Ausschluss der Medien stattfinden zu lassen war eine sehr gute Lösung für uns. Sehr positiv empfand ich, dass eben nicht nur ein Minuten-Gespräch angesetzt war, sondern zwei Stunden volle Aufmerksamkeit. So war es dann tatsächlich auch, gepaart mit wirklichem Interesse. Ich erlebte ein sehr spannendes und angenehmes Gespräch und lernte einen sehr symphatischen Peer Steinbrück kennen. Mein absolutes Highlight war Sarah mit ihrer Frage zum Speaker-Gehalt und seine ziemlich smarte Reaktion und die wirklich wertvollen Hinweise darauf.

Die ihm auf Schritt und Tritt folgenden und bewusst ausgeschlossenen Journalisten hatten leider keinerlei Interesse an Inhalten. So fand ich uns in der Berichterstattung lediglich „fremdgenutzt“ wieder, z.B. wurde aus der freundlichen Begrüßung (man sah uns lachend) ein „Steinbrück lächelt alle Probleme weg“ (RTL Nachtjournal). Warum musste ich gedruckt, online und bewegt nur wieder Geschichten über „Fettnäpfchen“ lesen und sehen? Wo war die Berichterstattung (ist das nicht der Job der Medien?) über den Besuch im betahaus, die Treffen mit GründerInnen, Kreativen und uns? Egal? Weil Auflage und Klickrates wichtiger sind? Bei allem Respekt liebe klassische Medien: Die Demokratisierung der Infomationsgesellschaft (weitläufig auch unter „dieses Internet“ bekannt) habt ihr echt verdient. Die Freude über Seiten wie SkandalPeer steigt bei mir unentwegt.

Kixka Nebraska, Sanja Stankovic und Taalke Renken

Kixka Nebraska, Sanja Stankovic und Taalke Renken
Foto: Rieka Anscheit

 

Taalke Renken:
Ein bisschen nervös war ich ehrlich gesagt im Vorfeld schon. Immerhin trifft man sich nicht alle Tage mit einem Kanzlerkandidaten zum Mittagessen in kleinem Kreis, explizit ohne Presse. Nachdem wir endlich in Ruhe Platz genommen hatten, verflogen die anfänglichen Bauchgefühle aber sehr schnell, denn Peer Steinbrück stellte sich als sehr locker, sympathisch und auch sehr gut gelaunt heraus. Jede von uns fragte er nach unserem Werdegang und hakte interessiert nach. Auch stellte er explizite und konkrete Fragen: Was wünscht ihr euch? Wo könnte man mit politischen Mitteln die Situation verbessern? So kam eine interessante und inhaltlich wichtige Diskussion zustande – doch auch Smalltalk und ein wenig Geplänkel kamen in den mehreren Stunden nicht zu kurz. Aus Rücksicht auf die Privatsphäre von Beteiligten habe ich mich entschlossen, darüber nun nichts zu schreiben, nur so viel: Als Mensch ist Peer Steinbrück wirklich sympathisch und ich habe mich wirklich gefreut, ihn persönlich kennengelernt zu haben.

 

Kixka Nebraska

Kixka Nebraska
Foto: Rieka Anscheit

 

Kixka Nebraska:
Das anfangs leicht surreale Setting, als Digital Media Woman vom Kanzlerkandidaten zum Lunch in eine meiner Hamburger Lieblingslocations eingeladen zu werden, verlor in der intimen Runde schnell seinen möglichen Schrecken. Peer Steinbrück wirkte sehr nahbar und offen, auch unseren sehr kritischen Fragen gegenüber. (Besonders Sarah hat da ein, zwei extrem gute Treffer gelandet…) Sie war es auch, die dem Kanzlerkandidaten den ausgesprochen guten Rat gegeben hat, sich in allen Frauen-politischen Fragen ganz einfach daran zu orientieren, was er sich für seine Töchter wünschen würde. Da es diese erwachsenen Töchter tatsächlich gibt, überrascht es nicht, dass Peer Steinbrück – vor zehn Jahren noch Gegner der Quote – inzwischen dafür ist. Mein Fazit: Der Kanzlerkandidat zum Anfassen, mit der Gelegenheit auch sehr persönliche Fragen stellen zu können, seine von mir unerwartete und recht fundierte Kenntnis zu hochwertigen TV-Serien zu erleben: Für mich kommt Peer Steinbrück live deutlich besser weg als ich ihn bisher im Fernsehen erlebt habe.

(FYI: aktuell guckt der KK „Homeland„, empfiehlt „Borgen“ und „The Hour„)

Nicole Willnow, Peer Steinbrück und Aydan Özoğuz

Nicole Willnow, Peer Steinbrück und Aydan Özoğuz
Foto: Rieka Anscheit

Unser Fazit

Herr Steinbrück, das können wir mal wieder machen. An unsere Follower: Falls jemand Angela Merkel zu fassen bekommt: Wir sind gesprächsbereit!

Weitere Impressionen findet ihr in unserem Foto-Album auf Facebook. Für alle Fotos bedanken wir uns herzlich bei Rieka Anscheit.
Übrigens: Wenn ihr unsere ehrenamtliche Arbeit bei den Digital Media Women unterstützen wollt, könnt ihr das natürlich tun! Am besten geht das über eine Fördermitgliedschaft – und unter den angegebenen Kontodaten freuen wir uns selbstverständlich auch über Spenden.

Sarah Pust lebt vom Schreiben für etablierte und neue Medien: Als Redakteurin, Autorin und Texterin stöbert sie online und offline nach Themen aus IT, Gesundheit und Karriere, die unsere Gesellschaft bewegen. Und nach Geschichten, die interessant sind, nachdenklich machen oder gefallen. Oder was ihr sonst noch so aufgefallen ist.


6 Kommentare

Jörg Hunke sagt:

14. April 2013 um 12:08

Sehr überzeugende, klare und vielseitige und sehr sachliche Aufarbeitung der Veranstaltung, Respekt.

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Jörn Hendrik sagt:

14. April 2013 um 13:27

Ganz große Klasse der Beitrag von dir Sarah. Die DMW habein so ein starkes Profil bekommen, dass ist echt großartig zu sehen. Sehr klare und richtige Punkte. Das mit Frau Dr. Merkel sollte dann auch bald drin sein! (:

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Digital Media Women » Letzte Woche Peer, diese Woche Sheryl – Promialarm in Hamburg sagt:

15. April 2013 um 08:29

[…] Anfrage kam, was wir darüber dachten und worüber wir gesprochen haben, könnt ihr unserem Beitrag “Lunch mit Peer” ausführlich nachlesen. Die Bilder von Rieka Anscheit vermitteln ebenfalls einen sehr guten […]

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Sarah Pust sagt:

15. April 2013 um 08:31

Danke euch beiden. Nico hat Steinbrücks Rede zwei Tage später vö und diese Absätze entsprechen ziemlich genau dem, worüber auch wir gesprochen haben:

Abgesehen davon, dass ich manchmal den Eindruck habe, wir müssen in Deutschland etwas stärker eine Mentalität befördern, mit der es auch eine zweite oder dritte Chance gibt. Das gilt nicht nur für diejenigen, die sich ausbilden, die in der Schule sind oder die eine berufliche Ausbildung machen, sondern auch für Existenzgründer. In den USA sind sie uns voraus. Da wird eine Illiquidität oder eine Insolvenz als Anreiz empfunden, aus den Fehlern zu lernen für das zweite Mal. Bei uns sind das Pleitiers, und es gibt kaum eine Bank geben, die denen noch mal Startkapital gibt, nach dem Motto: „Wo ist denn deine Sicherheit?“

sondern dann werden wir uns zum Beispiel um das Steuerrecht für junge Existenzgründer kümmern müssen. Die haben nämlich einen dicken Hals wegen dem, was da gerade abläuft – nicht mit Blick auf die Höhe, sondern mit Blick auf die Komplexität dieser Besteuerung. Und die haben alles andere als Bock, sich bereits in den ersten Monaten ihrer Existenzgründung einen teuren Steuerberater zu nehmen, weil sie sich das nicht leisten können. Wir werden beim Steuerrecht ansetzen müssen. Wir werden uns um die soziale Absicherung kümmern müssen, wo die SPD mit der Künstlersozialversicherung schon Verdienste erworben hat.

Richtig ist, dass diese Digitalisierung alle Produktions- und Arbeitsprozesse massiv beeinflussen wird. Alles wird vernetzter. Diese Entwicklung greift ja auch in unseren privaten Verhältnissen weit Raum. Diese Digitalisierung betrifft die Arbeitswelt insgesamt: den Mittelstand, auch den Tischlermeister im ländlichen Raum. All diejenigen werden das als Chance empfinden, die stärker differenzieren wollen zwischen ihrem Heimarbeitsplatz und gegebenenfalls ihrer Anwesenheit im Betrieb, die die Chancen nutzen wollen, das zu kombinieren und damit auch Familie und Beruf besser zu koordinieren. Darin liegt ein riesiges Chancenpotenzial.

>>> Peer hat zugehört. Yeah!

//lumma.de/2013/04/14/peer-steinbruck-und-die-digitale-gesellschaft/

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Sanja Stankovic sagt:

15. April 2013 um 08:49

Das kann ich nur bestätigen – Ich finde unser Gespräch dort ebenfalls sehr detailiert wieder. Unsere intensive Vorbereitung hat sich wirklich gelohnt.

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Nina Diercks sagt:

15. April 2013 um 17:57

Toll! Dass ihr Euch getroffen habt. Und der Artikel sowieso und die #dmwhh ohnehin! Und ein fester Vorsatz steht: Wenn auch Baby-Lotta größer ist, dann bin ich gerne insgesamt wieder mehr dabei… 🙂

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