Die Debatte um Bezahlung von Journalismus im Web geht uns alle an!

Geschrieben von | · · · · · · · · · | FEATURED · Intern · Media · München | 5 Kommentare zu Die Debatte um Bezahlung von Journalismus im Web geht uns alle an!

Online-Medien spielen nicht nur im Alltag von uns Digital Media Women eine sehr wichtige Rolle. Immer mehr Menschen beziehen Informationen aus sozialen Netzwerken, RSS-Feeds, Nachrichtenaggregatoren, Besuch der individuell wichtigen Webseiten – alles kostenlos. Ein zahlungspflichtiges Print-Zeitungsabo dagegen haben immer weniger Leute.

Wie sieht das Geschäftsmodell der Verlage vor dieser Herausforderung aus?

Blick über die Schulter der Referenten ins Publikum

Blick über die Schulter der Referenten ins Publikum
(Foto: Simone Naumann)

Dieser Frage sind wir Münchner DMW mit einem Panel wichtiger Online-Chefs, moderiert von Susanne Steiger, nachgegangen.
Maren Martschenko begrüßte die Gäste, dankte Gastgeberin Vesselina Marinova von der BAW München und stellte die Digital Media Women kurz vor.

Mit Tanja Gabler (Leitung Online Redaktion der „Internet World“), Stefan Plöchinger (Chefredakteur von Süddeutsche.de), Jochen Wegner (Chefredakteur von „Zeit Online“) diskutierten wir vergangene Woche über das Thema „Content im Netz – wer soll das bezahlen?“. Katharina Borchert, CEO von „Spiegel Online“, sollte die Runde komplettieren, musste aber leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen.

Interessant war gleich zu Beginn die Antwort der drei Online-Chefs, dass sie ihre Informationen vorrangig online und kostenlos beziehen. Dies traf genau den Kern der Veranstaltung: Wer soll die journalistische Arbeit bezahlen, wenn selbst die Chefredakteure es nicht tun.

Es wurde fleßig getwittert...

Es wurde fleßig getwittert… (Foto: Simone Naumann)

Eine eindeutige Antwort konnte auf die Frage nicht gegeben werden. Aber einige Wege wurden aufgezeigt, wie es möglich sein könnte. Allen voran steht die einhellige Meinung, dass Online-Inhalte kostenpflichtig werden müssen, die Frage ist nur wie. Denn die Quersubventionierung von Print zu Online kann nicht auf ewig weiter funktionieren. Süddeutsche.de wählt dafür den Weg des Leserkreises, die „Internet World“ prüft die Variante mit zielgruppenspezifischer Werbung.

Dass die Veranstaltung offenbar genau den Nerv getroffen hat, zeigte nicht nur die Anzahl von fast 100 Besuchern und das breite Echo auf Twitter (unter dem Hashtag #dmwmuc), Blogs und Medien selbst, sondern auch die hochkarätigen Besucher wie Richard Gutjahr, Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann, Sissi Pitzer von B5, Ralf Pfister, Alexander von Streit, Nina Reddemann und Vorstandsmitglieder der Freischreiber und des Journalistinnenbundes.

Wordcloud über die häufigst genannten Twitterer, Personen und Begriffe zur Podiumsdiskussion [Quelle: Brandwatch]

Wordcloud über die häufigst genannten Twitterer, Personen und Begriffe zur Podiumsdiskussion
(Quelle: Brandwatch)


Hier finden sich die Blogbeiträge von Romy Fuchs und Sascha Walk, der Medienbericht von Sissi Pister auf BR5 und das Storify von Su Steiger. Weitere Beiträge bitte gerne in den Kommentaren ergänzen!

Stimmen unserer teilnehmenden DigiWomen:

Anna-Maria Zahn, @forschungsweb:
Der Abend hat das gehalten, was er versprach: Das Publikum erhielt einen sehr authentischen und spannenden Eindruck in die Überlegungen der Verlage und Redaktionen zum Thema Bezahlsysteme für Online-Content. Dabei haben Jochen Wegener, Stefan Plöchinger und Tanja Gabler nicht nur fachlich auf hohem Niveau diskutiert, sondern auch auf sehr unterhaltsame Weise unter anderem Einblicke in ihr eigenes Mediennutzungsverhalten gegeben. Besonders hat mich der Anklang, den unsere Veranstaltung fand, gefreut. Der Einladung folgten nicht nur unsere regelmäßige und gern gesehene DMW-Gäste, sondern auch freie Redakteure und Mitglieder der Journalistenverbände. Wie interessiert und engagiert das Publikum war, war im Twitterstream zum Hashtag #dmwmuc an dem Abend live sehr schön mitzuverfolgen.

Mit rund 90 Teilnehmer war dieser Abend bisher das Highlight unser bisherigen Aktivitäten. Der Erfolg motiviert, weitere Abende in diesem Format anzubieten. Dem Team der BAW möchten wir nochmals herzlich danken, denn mit dem Atrium wurde uns genau der richtige Rahmen für eine solche Podiumsdiskussion geboten.

Claudia Bauhuber, @ClaudiaGunkel
Was für ein Abend! Von sowohl humorvollen als auch ernsthaften Diskussionen durch unsere DMW-Moderatorin Su Steiger bis zu kritischen Publikumsfragen war der Themenabend ein absolutes Highlight unseres Quartiers in München. Am meisten hat mich persönlich das Leseverhalten der Diskutanten beeindruckt. Neben dem morgendlichen Twitter-Ritual werden Leseempfehlungen von Freunden sowie E-Books und Feed-Reader bevorzugt, sprich: Der Lesekonsum ist auch bei Entscheidern der Branche unabhängig von der Medienmarke.

Aus meiner Sicht sind drei zentrale Trends zum Thema „Bezahlter Content im Web“ festzuhalten:
1. Digitale Währung: Bezahlung durch Freigabe personalisierter Daten im Web
2. Qualität (Geschichten) vor Quantität (News): Qualität als Unterscheidungsmerkmal der Zeitungen im Online-Wettkampf um die Mediennutzungszeit der Menschen
3. Mobile Paid Content: Bereitstellung von mobilen Inhalten in Kombination mit Mobile Marketing

Susanne Steiger, @MiuSuCo
Rundum gelungen: Dass es mir Spaß gemacht hat, die Runde zu moderieren, und das Publikum zwei Stunden lang so aufmerksam und engagiert zu erleben, steht außer Frage. Schön auch, wenn du merkst, den richtigen Einstieg gefunden zu haben, denn wer will nicht gerne wissen, wie Medienmenschen selber mit Medien umgehen. Die Mischung hat jedenfalls gestimmt, Tages-, Wochen- und Magazin-Onlinechefin und –chefs waren da, und haben uns allen klar gemacht, das online von Querfinanzierung lebt, egal wo. Das nehme ich als persönliches Fazit auch mit. Genau genommen wissen wir das auch: Jeder Blogger finanziert sein Bloggen quer – darum braucht es keine Aufregung oder kein Aufstöhnen, wenn „die Platzhirsche“ versuchen, neue Geschäftsmodelle einmal auszuprobieren. Wenn sie funktionieren, können „die Kleinen“ davon profitieren. Ich sage mir also: Lasst sie mal machen, wir sehen dann, was es statt oder besser neben „Huffington Post“ noch für Modelle geben kann, um Reichweite und damit auch Finanzierung zu erhalten.

Jochen Wegner, Tanja Gabler, Stefan Plöchinger und DMW-Moderatorin Susanne Steiger (Foto: Simone Naumann)

Jochen Wegner, Tanja Gabler, Stefan Plöchinger und DMW-Moderatorin Susanne Steiger (Foto: Simone Naumann)


5 Kommentare

Ob Online oder Print: Warum Journalismus in beiden Welten eine Perspektive hat - Lousy Pennies sagt:

28. Februar 2014 um 13:19

[…] schöne Geschichte läuft, und Stefan Plöchinger haben nichts dergleichen gesagt, als es bei der Diskussion der Digital Media Women darum […]

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Su Steiger sagt:

2. März 2014 um 19:36

Danke Karsten und Stephan, dass ihr das Thema weiter beleuchtet – dass es darauf ankommt, dass die Geschichte, die erzählt wird, gut erzählt ist und interessiert, hat Stefan Plöchinger durchaus betont.

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Tanja Gabler sagt:

2. März 2014 um 18:36

Besser spät als nie: Mein Nachklapp zur Disussion
//www.tanjagabler.blogspot.de/2014/03/mehr-experiemente-wagen.html

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Su Steiger sagt:

2. März 2014 um 19:38

Danke Tanja, sehr schön, dass es Dich zu einem eigenen Blogpost getrieben hat, noch dazu mit einem so mutigen Titel!

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Die Insolvenz der Abendzeitung ist die Götterdämmerung für die deutschen Tageszeitungen - Lousy Pennies sagt:

5. März 2014 um 16:19

[…] Zeit-Online-Chefredakteure Jochen Wegener und Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger bei einer Diskussion der Digital Media Women vor kurzem in […]

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