Stinkt Pink? Ein Abend bei den Frauenstudien München

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Nein, politisch bin ich nicht. Feministin auch nicht, zumindest keine politische. Aber mir gefällt sehr gut, anderen Menschen dabei zuzusehen und zuzuhören, wie sie aktiv sind und werden, und dabei zu merken, wie sich auch in mir ein kleiner Aktivistengeist rührt. Deswegen gehe ich gerne zu den Veranstaltungen der Frauenstudien München. Das ist ein seit 1988 bestehender Verein, dessen Vorsitz 2013 unter anderem zwei junge Frauen übernommen haben, nämlich die Journalistinnen Susanne Klingner und Barbara Streidl. Sie sind zusammen mit Meredith Haaf Autorinnen des Buches „Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht.“, das mit seinem Erscheinen 2008 das Feministinnen-Bild in meinem Kopf ordentlich entstaubte. Junge Feministinnen sind cool, ganz normale, nette Frauen, solche, mit denen ich gern Kaffeetrinken gehen mag. Oder Falafel essen. Und das ohne Probleme mit einer kleinen Diskussion im Gepäck. Zum Beispiel über halbnackte Frauen auf Plakatwänden (doch dazu später).

Die Frauenstudien wollen einen Denkraum geben für feministische Ideen, Experimente und Debatten. Und das tun sie.

Sie tun es unter anderem mit und bei Veranstaltungen wie letzte Woche bei „Pink stinkt?!“ im Saal über dem Stadtcafe am Münchner St.-Jakobsplatz. Als ich die Treppen zum Vorraum des Saals hochkam, schaute ich in helles Scheinwerferlicht und eine Kamera. Hier fand ein Fernsehinterview statt, der Redakteur bat die an der Kasse anstehenden Besucher und Besucherinnen, ein bisschen leiser zu sein. Vor der Kamera: Stevie Schmiedel. Diese Frau war mir bis vor ein paar Stunden unbekannt, aber gleich sympathisch, wie sie da stand, mit ihrem bestrumpfhosten Beinen, und in die Kamera sagend: „Wir sind für ein kritisches Werbebewusstsein und wollen nicht, dass auf Litfaßsäulen und Plakatwänden Kampagnen prangen, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen.“ Vielleicht hat sie es nicht wortwörtlich genau so gesagt, aber sinngemäß kommt der Inhalt hin. Stevie Schmiedel war der Gast des Abends zum Thema „Pink stinkt?!“. Sie gründete Anfang 2012 die Kampagne „Pinkstinks“ in ihrer Wohn- und Heimatstadt Hamburg, und geht seitdem („ich arbeite rund um die Uhr“ ) zusammen mit ihren zwei festen Mitarbeitern und jede Menge Ehrenamtlichen erfolgreich gegen Frauen- und Mädchendiskriminierende Werbung vor.


„Mädchen kacken keine Blümchen“ Stevie Schmiedel stellt Pinkstinks vor.

So konnte sie zum Beispiel erzielen, dass in Folge einer Pinkstinks-Aktion eine C&A-Bikinikampagne abgehängt und auch online eliminiert wurde. Zusammen mit vielen anderen Protestierenden setzte der Verein bei einer Demo-Aktion namens „Occupy Barbie Dreamhaus“ durch, dass das Haus, in dem sich kleine Mädchen barbiegleich verschönern sollten, seine geplante Tour durch Deutschland nicht antrat und direkt von seiner ersten deutschen Station Berlin zurück in die USA verschwand. Pinkstinks schafft es, durch breit gestreute Protestaktionen, online hauptsächlich über facebook, offline vor allem auf der Straße und an den Orten der Aufregung, die Werbeabteilungen großer Konzerne zum Umdenken zu bewegen. Mir gefällt, wie diese Frau mit einer riesigen Horde Menschen im Anhang Stunk macht und so penetrant die Werbeindustrie nervt, damit wirklich etwas passiert. Hier bewegt sich etwas. Ich stehe auch oft fassungslos vor diesen überlebensgroßen langbeinigen Damen in knapper Bekleidung, und frage mich, ob und wie das irgend jemanden anspricht, beziehungsweise wie falsch es anspricht. Aber ich fühle mich machtlos gegen die große böse Werbeindustrie. Und wusste auch nicht, dass die größte Aktion in der Pinkstinks Germany-Vereinsgeschichte gerade startet. „Schluss mit Sexismus in der Werbung“, eine Petition für das Verbot sexistischer Werbung, hat das Ziel, §7a UWG – das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb – zu ändern. Wenn das funktioniert und jetzt erstmal genug Menschen die Petition unterschreiben (die mitsamt ausführlicher Erklärung hier zu finden ist: https://werbung.pinkstinks.de), wäre Sexismus in der Werbung gesetzlich verboten. Und das wäre eine super Sache, oder?

Foto: Frauenstudien München

Foto: Frauenstudien München

Neben der Arbeit für und mit Pinkstinks drehte sich die Diskussion des Abends, moderiert von Susanne Klingner, um die Farbe Pink. Pink und Rosa stehen für Verniedlichung, gelten als Mädchenfarbe. Was niedlich ist, ist rosa. Was aber, wenn Jungs rosa oder pink auch cool finden? Es muss okay sein, dass ein Junge mit einem rosa Plüschtier unter dem Arm durch die Gegend läuft und dabei nicht gehänselt wird. Sicher sagen viele: Klar, das ist doch kein Problem. Aber doch, das ist es schon, wie Stevie Schmiedel an einigen Beispielen darstellt. Kinder können gemein sein, und der Junge mit dem rosa Plüschtier dann schnell traurig und ohne Freunde.

Stevie Schmiedels Buch „Pink für alle“ erscheint demnächst (als ebook ist es schon zu haben). Wer tiefer in die Sexismus-in-der-Werbung und pink-nur-für-Mädchen-Gedankenwelt eintauchen möchte, dem sei dieses Buch sehr empfohlen. Und die Pinkstinks-Website auch. Und außerdem die Veranstaltungen der Frauenstudien München, denn, wie eine Dame aus dem Publikum bei der den Abend abschließenden Diskussion sagte: „Wir alten Feministinnen waren so verbissen und böse. Die jungen sind so nett und sympathisch. Mit denen mag man gerne diskutieren. Da werden die Themen ernst genommen.“

„Stinkt Pink?!“ war eine Veranstaltung der Frauenstudien München zusammen mit dem Bayernforum der Friedrich Ebert Stiftung.


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