Digitale Nomaden und Workation – auf einen #DMWKaffee mit Julianne Becker

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In der Reihe #DMWKaffee mit… gehen Autorinnen dieses Blogs mit spannenden Frauen aus der Digitalbranche einen Kaffee trinken. Für diese Folge hat sich Maren Heltsche mit Julianne Becker von Coconat getroffen.

Ich kenne Julianne als Programmdirektorin der Social Media Week Berlin. Ich habe sie noch nie in einem Büro getroffen, sondern immer im betahaus oder in Cafés. Für mich ist sie der Inbegriff einer Digitalen Nomadin. Jetzt hat sie dieses Lebens- und Arbeitskonzept in die Start-up-Idee Coconat – Workation Retreat umgesetzt. Das hat mich neugierig gemacht…

Maren: Du baust gerade mit Freunden einen „workation retreat“ auf. Was genau ist das?

Julianne: Ein workation retreat ist ein Ort, an den Laptoparbeiter_innen sich zurückziehen, arbeiten und die Natur genießen können. Also ein Ort, um sich zu entspannen und gleichzeitig wirklich produktiv zu sein. Es gibt zwei Gründe zu Coconat zu kommen. Einzelpersonen oder kleine Teams kommen, um sich von der Natur inspirieren zu lassen, neue Ideen zu haben und eine kreative Energie für ihre Projekte zu generieren. Aber sie kommen auch gerade in Stresssituationen, zum Beispiel vor einer knappen Deadline, um intensiv zusammen zu arbeiten und danach im Wald spazieren gehen zu können, um den Kopf wieder frei zu kriegen.

Wir sind komplett von wunderschöner Natur umgeben. Man trifft kaum Menschen und hört meistens nur Vögel und Frösche. Man kann im See um die Ecke schwimmen, wandern, Rad- und Kanufahren. Es gibt Yoga, eine Sauna… die Liste lässt sich weiter fortführen. Das alles gibt es zusätzlich zu Gemeinschafts-, Einzel- oder mobilen Arbeitsplätzen, leckerem Essen und gemütlichen Unterkünften. Gäste können ein paar Tage oder gleich ein paar Monate bleiben.

Coconat Mitgründerin Julianne Becker (Foto: Nadja Bülow)

Coconat Mitgründerin Julianne Becker (Foto: Nadja Bülow)

Die Location liegt auf dem Land in Brandenburg. Dort schnelles Internet zu bekommen, ist eine Herausforderung. Wie geht ihr damit um?

Stabiles und schnelles Internet ist in der Tat ein riesige Herausforderung. Wir waren wirklich überrascht, dass es in einem Land mit einer Infrastruktur wie Deutschland derart schwierig ist. Im Moment nutzen wir für unser Büro und ein paar erste Test-Coworker LTE, die wir demnächst wohl noch um eine Satellitenverbindung erweitern werden. Also wenn ihr Digital Media Women euch in Sachen Freifunk auskennt oder eine andere Möglichkeit im Kopf habt, das Signal über den Götzeberg zu beamen, sprecht uns an :). Manche Firmen haben uns Lösungen um die 150.000 € angeboten, um die drei Kilometer bis zum nächsten Glasfaserkabel zu überbrücken. Das ist kein Spaß!

Das Ganze hat ja viel mit digitalem Nomadentum zu tun. Was sind deine Erfahrungen mit dem Arbeiten an unterschiedlichen Orten?

Mein Freund und ich waren im letzten Winter in Südostasien unterwegs. Der Plan war sechs Wochen lang Bali zu erkunden und dort auch an unserem Projekt zu arbeiten. Die Reise war fantastisch und wir haben eine Menge gelernt. Zum Beispiel, dass es nicht ganz so einfach ist irgendwo anzukommen und dann sofort mit der Arbeit loszulegen. Wir wollen unseren Gästen leichten Zugang zum Internet, bequeme Plätze zum Arbeiten, gutes Essen und die Möglichkeiten zum Austausch mit anderen bieten.

Aus unseren Erfahrungen in Asien wissen wir, dass es sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, sich um alles selber zu kümmern. Zeit, die dann wiederum bei der eigentlichen Arbeit fehlt. Daher übernehmen wir das alles für unsere Gäste, damit die sich auf das wesentliche konzentrieren können.

Ihr macht gerade eine Crowdfunding-Kampagne. Was genau wollt ihr damit finanzieren und wie viel fehlt euch noch?

Wir sind schon bei über 30% und haben noch etwa drei Wochen! Daher sind wir hoffnungsvoll, dass die Kampagne ein Erfolg wird. Das Geld werden wir nutzen, um bereits diesen Sommer eröffnen zu können. Das Geld aus der Kampagne brauchen wir, um die Materialien für den Bau unserer Einrichtung kaufen zu können.

Viele der Renovierungsarbeiten bewerkstelligen wir mit freiwilligen Helfern und Freunden. Es waren schon bis zu 28 Erwachsene, sieben Kinder und ein Hund gleichzeitig hier, um uns, das vierköpfige Gründerteam, zu unterstützen. Die “Werkelwochen” laufen seit dem ersten Mai und gehen noch bis Ende Juni. An den Wochenenden haben wir auch noch diverse Events für unsere Helfer geplant. Parallel arbeiten gerade zwei Designerteams an Möbeln für Arbeitsplätze und Schlafzimmer, die wir dann gemeinsam in Workshops herstellen werden.

Was sind die nächsten Schritte und wann könnt ihr die ersten Gäste empfangen?

Wir planen im Juli zu eröffnen. In unserer “Erprobungsphase” werden wir zunächst Platz für 25 Gäste haben. Wir werden sehen, wie unsere Gäste den Ort nutzen, wie lange sie bleiben, wie sie gerne arbeiten und was für eine Art Gemeinschaft entsteht. Die Erfahrungen dieses Sommers werden wir dann im Winter nutzen, um den Ort den Bedürfnissen unser Gäste anzupassen und weiter auszubauen.

Vielen Dank für das Gespräch, Julianne!

Ein Tipp an alle: Wenn ihr euch an der Crowdfunding-Kampagne beteiligt, bekommt ihr die preiswerteren Eröffnungsangebote. Die Buchungen behalten natürlich ihre Gültigkeit, so dass ihr selber entscheiden könnt, ob ihr gleich oder zu einem späteren Zeitpunkt vorbei kommen wollt. Als DMW-Fördermitglied werdet ihr auch zukünftig Vorteilsangebote bei Coconat bekommen.

Maren Heltsche ist freiberufliche Analystin und Beraterin. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Erfolgsmessung und Kommunikationscontrolling. Hier ist ihr Steckenpferd Social Media Measurement und die Schaffung von Standards bei Social Media KPIs. Als DIY-Enthusiastin produziert sie privat gerne Dinge (z.B. Stricken, Drucken, Zeichnen) und lernt Ruby on Rails-Programmieren mit den fantastischen Railsgirls Berlin.

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