#DMWKaffee mit … Ute Trapp in Darmstadt

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In der Reihe #DMWKaffee mit … gehen Autorinnen dieses Blogs mit spannenden Frauen aus der Digitalbranche einen Kaffee Tee trinken. An einem frühen, frühen Morgen machten sich die Frankfurter DMWRM Paula Landes und die Offenbacher DMWRM Marie Brauburger auf den Weg nach Darmstadt. Nach den üblichen Hindernissen des Nahverkehrs erreichten sie den Glaskasten an der Hochschule Darmstadt. Dort wartete – mit einem #DMWTee – Frau Professor Doktor Ute Blechschmidt-Trapp, Studiendekanin an der Hochschule Darmstadt und Mutter von drei Kindern. Ein Gespräch über Frauen, Informatik, Perspektiven und Erfolgserlebnisse.

Trapp DMW Hochschule Darmstadt Paula Landes_DMWKAFFEE

Prof. Dr. Ute Trapp und Paula Landes
(Foto: Paula Landes)

Frau Trapp, was für einen Karriereweg muss man gehen, um Studiendekanin für Informatik zu werden?

Es ist immer auch viel Glück und Zufall dabei, wo man landet. Ich habe Mathe immer gerne und gut gemacht, und auch wenn ich nicht wusste, mit welchem Ziel, habe ich entschieden, es auch zu studieren. Nach dem Diplom an der TU Darmstadt bin ich den Weg fast aller Mathematiker am Ende des Studiums gegangen: Softwarentwicklung. Heute gibt es eine Flut an Information und man kann und sollte seine Zukunft bewusst gestalten. Ich sehe mich hier also nicht als Vorbild 😉

Ist Informatik die zwangsläufige Folge, wenn man Mathe nicht auf Lehramt studiert?

Etwa achtzig Prozent meiner Kommilitonen sind in die Anwendungsentwicklung oder in den IT-Bereich gegangen. Auch bei mir war es kein reiner Zufall: Mein Einstieg war in der zehnten Klasse mein Commodore 64, auf dem ich einen Vokabeltrainer programmiert habe. Nach meinem Diplom arbeitete ich ein Jahr in der IT-Branche und habe dann im Bereich Intelligente Lernsysteme in der Schweiz promoviert. Anschließend habe ich als Entwicklerin gearbeitet und bin dann wieder zurück an die Hochschule.

Mathe studieren im Schnitt noch etwa 50 Prozent Frauen und Männer. In der Informatik sieht das schon anders aus – ist das auch in Darmstadt so?

Hier an der Hochschule haben wir etwa 15 bis 20 Prozent Frauen in unseren Bachelor Studiengängen, aber auch bei den Professoren. Im dualen Bereich ist etwas besser. Auch um den Anteil der Frauen zu erhöhen, haben wir den Studiengang „Kommunikation und Medien in der Informatik“ entwickelt, bei dem der Frauenanteil bei immerhin einem Drittel liegt. Mit diesem Studiengang, der zu 80 Prozent ein Kerninformatikstudium ist, wollen wir das veraltete, falsche Bild der Informatik ändern. Es ist bei weitem nicht so, dass Programmierer in Kellerräumen vor sich hin coden. SAP hat eine Initiative mit Autisten, die programmieren. Aber das ist eine Nische. Wir brauchen hauptsächlich Leute, die links und rechts schauen, die Dialoge führen, die kreative Ideen haben.

„Minecraft oder Facebook sind Ausnahmen – die wurden anfangs von einem alleine gemacht. Aber wie viele Leute arbeiten heute alleine bei Google?“

Kreativität, Kommunikation und Informatik denkt man meistens eher nicht in einem Zusammenhang. Wie sehen Sie das?

Kommunikation ist in der Softwareentwicklung essentiell: Den Auftrag des Kunden wirklich zu verstehen und einen Dialog darüber zu führen – das alles findet im Team statt, ebenso wie das Coden unterschiedlicher Bereiche. Richtig gute Software lässt sich nur bei einem tiefen Verständnis der Problemstellung schreiben – beispielsweise bei Medizinern oder Juristen braucht es eine Transferleistung, um Fachsprache, Prozesse und Aufgaben zu erkennen. Auch gibt es in der Informatik keine eindeutigen Standardlösungen – hier ist Kreativität gefordert, die besten Lösungen zu finden. Man muss knobeln, um ans Ziel zu gelangen.

Auch die Medien haben sich verändert. Beim Commodore war es noch die Kommandozeile, das war einfach. Apps sind anders – die müssen gut aussehen und auch das erfordert Kreativität. Ansprechendes Design und gute Benutzbarkeit kommen meist vor Funktionalität.

Was für Möglichkeiten sehen Sie, Frauen und Mädchen schon vor dem Studium für Informatik zu begeistern?

Ganz klar, die Informatik muss in die Schule. Mittlerweile ist die Kompetenz, Software zu entwickeln eine anerkannte Kulturtechnik, die keinem einzelnen Geschlecht zugeordnet sein sollte. Mathe ist ein Pflichtfach an den Schulen, das gerade bei Mädchen ein schlechtes Image hat. Dabei ist Mathe eine wichtige Kompetenz, es ist toll, wenn man Mathe kann. Für den Einstieg in die Informatik gibt es visuelle Programmiersprachen, die schon für Grundschulkinder geeignet sind. Mit diesen Programmen kann man Logik schulen und auch schon Apps und Spiele entwickeln. Wenn man früh Interesse weckt, fällt die Studien- und Berufswahl später vielleicht leichter. Geisteswissenschaftler gehen häufig viele Umwege bis zu einer Festanstellung oder einer erfolgreichen Selbstständigkeit. Informatik ist kreativ und kommunikativ, spannend – und aktuell kriegt man mit einem halbwegs ordentlichen Abschluss eine nicht regionsgebundene, unbefristete und gut bezahlte Festanstellung.

Als ich damals in Darmstadt mit meiner Tochter ankam, habe ich die Konditionen bestimmt: 24h Woche, keine Überstunden und eine genaue Arbeitszeiteinteilung. Damit hatte ich schnell zwei Arbeitsverträge auf dem Tisch – in kaum einer anderen Branche ist das so möglich. Auch bei unseren Absolventen sehe ich, dass schnell gute Arbeitsplätze zu ihren Konditionen gefunden werden – gute Bezahlung, Elternzeit, etc. Gerade für junge Frauen bedeutet die Informatik einen hohen Grad an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.

Solange soziale Berufe weiter so unterbezahlt sind und wenig Anerkennung finden, sollte frau genau beachten, wie sich ein Studium vielleicht mal perspektivisch monetarisieren lässt. Frauen müssen pragmatisch sein.

Die Vermittlung von Programmiersprachen und das Erlernen sind nicht immer einfach. Gibt es Methoden, die Sie empfehlen können?

Die engstirnigen Denk- und Lernmuster, die man häufig in den Schulen vermittelt, funktionieren in der Informatik nur bedingt. Transferaufgaben, die es in Mathe gibt, bereiten auch auf die Programmierung vor – aber auch wer das nicht konnte, kann Informatik machen. Es braucht Zeit, Konzentration, eine hohe Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen. Aber man darf sich auch Hilfe holen: Wir machen sogenannte Intensivtage, wo Studierende einen Übungsrahmen haben. Tutoren betreuen im Verhältnis 1:5, geben Hilfestellung, wenn es nicht weiter geht – und so wird aus einem Hürdenlauf ein Erfolgserlebnis. Über Erfahrung und Übung sammelt man ein Repertoire an Tools und Techniken.

Auch für Lehrende gibt es Hilfestellung, etwa durch die Wahl von anderen Beispielen, wie vom Fraunhofer Institut im Projekt Roberta vorgeschlagen: Erklärt man eine Pumpe an einer Kolbenpumpe aus dem Auto oder am menschlichen Herzen? Beispiele und Sprache sind ein Teilaspekt genderorientierter Lehre – sage ich Sekretärin/Chef, Sekretärin/Entwickler oder etwa Entwicklerin/Chefin. Wobei wir hiervon noch weit entfernt sind, auch in der Hochschule.


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