#DMWHH Rückblick: Reeperbahn Festival Conference – Neue Geschäftsmodelle für die Musikindustrie

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Die #DMWHH durften dieses Jahr die Corporate Sessions auf der Reeperbahn Festival Conference am 22. September hosten. Bei den Sessions wurden neue Geschäftsmodelle und Ideen für die Musikbranche vorgestellt und über aktuelle Entwicklungen diskutiert. Unsere Hamburger Orgafrauen Carolin Schwarz und Kathrin Kaufmann führten durch den Tag.

Festival-Produktion als Innovationsspielplatz

Spannend: Marcel Albers, der mit der EPIC eine Konferenz für die Live-Produktionsbranche im Rahmen des Eurosonic Norderslaag koordiniert, erzählte in der ersten Session, dass innovative Lösungen für die Live-Produktion durchaus ein beliebtes Exportgut der Niederländer sind. Daher sei auch die Bereitschaft der Regierung größer, hier zu investieren. Gleich zwei verschiedene Inkubator-ähnliche Organisationen stellten sich im Rahmen der Session vor: Innofest und Open House, die jeweils Unternehmen und Veranstalter vernetzen und Festivals als Spielwiese zum Testen neuer Lösungen verstehen. So kommen beispielsweise neue Solarenergie-Produkte, Toilettentechnik oder schlicht bessere Einlasstechnik bei den Veranstaltungen zum Ersteinsatz, ohne dass die Veranstalter dafür zahlen müssen.

Entspannte Atmosphäre in der Suite 606 des Arcotel Onyx (Foto: Lidija Delovska)

Entspannte Atmosphäre in der Suite 606 des Arcotel Onyx (Foto: Lidija Delovska)

Same same but different: Die Musikbranche damals und heute

Stagelink, eine Crowdfundingplattform für Konzerte, holte Gerd Gebhardt auf die Bühne, um über „Old New World“ zu diskutieren. Gebhardt ist Mitbegründer des ECHO-Musikpreises und ehemals Direktor von Warner Music, sowie Manager des 15-jährigen „The Voice Kids“-Gewinners Noah Levi.

Neue Modelle, wie VIP-Tickets für die ersten Reihen bei Konzerten, standen genauso zur Diskussion wie die neue Nähe der Stars zu ihren Fans. So nutzt Noah beispielsweise Snapchat aus dem Studio, um direkt Feedback von seinen Fans zu neuen Songsequenzen zu erhalten. Festgestellt wurde, dass Social Media Popularität sich nicht immer direkt in kommerziellen Erfolg übersetzen lässt und hier gerade bei jungen Künstlern Erwartungsmanagement betrieben werden muss. Ansonsten waren sich sowohl Urgestein Gebhardt als auch die neue Generation einig: Wie es weitergeht mit der Musikbranche, das kann man nicht abschätzen – man muss einfach adäquat reagieren und ausprobieren, was funktioniert.

Wenn Plattformen für Produktionsmusik Labelarbeit machen

Interessante Einblicke in die Branche der Produktionsmusik gab Jess Nicks von Audio Network. Die Plattform lizensiert hochwertige Kompositionen für Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen und hat nicht nur eine eigene A&R-Abteilung, sondern produziert einen Großteil der Tracks im renommierten Abbey Roads Studio und übernimmt für seine vielversprechendsten Künstler schon mal Labelaufgaben. So ließ Audio Network für das Projekt „Music in Colour“ beispielsweise Musikvideos für ein paar der Veröffentlichungen produzieren und veranstaltete dazu noch ein Release-Event.

Jess Nicks von Audio Network steht Rede und Antwort (Foto: Lidija Delovska)

Jess Nicks von Audio Network steht Rede und Antwort (Foto: Lidija Delovska)

Neue Geschäftsmodelle: Vom Stimmtraining für Tourneen bis zur Hardwareinnovation

In den weiteren fünf Sessions stellten Startups ihre Geschäftsmodelle vor. Das VocalCenter.Berlin möchte das Bewusstsein für eine gesunde Stimme in der Popbranche schärfen und entwickelt Trainingsangebote für spezielle Anforderungen wie beispielsweise lange Tourneen.

Tickettoaster machen mit ihrer Whitelabel-Lösung für Ticketing und Merch etablierten Vorverkaufsplattformen Konkurrenz und geben Veranstaltern sowie Künstlern die Chance, das Ticketing komplett in die eigene Hand zu nehmen.

Den Abschluss des Tages bildeten die Präsentationen der Finalisten des Music Worx Accelerator. Das Programm ermöglicht drei Hamburger Gründerteams, drei Monate lang intensiv an der Entwicklung ihrer Geschäftsidee für den Musikmarkt zu arbeiten.

Flits Music präsentierte eine bereits voll funktionsfähige Live-Streaming-App für Konzerte, die perspektivisch sowohl über Deals mit Verwertungsgesellschaften wie der GEMA als auch über digitale Spenden die Künstler monetär belohnen will.

Foto: Lidija Delovska

Foto: Lidija Delovska

In eine ähnliche Richtung, nur einen technischen Schritt weiter gehen Noys, die für Auftritte eine VR-Umgebung simulieren, in welcher das Live-Konzert über VR-Headsets verfolgt werden kann. Einfache Schlafzimmerauftritte werden so zu schön designten Sets mit der Möglichkeit, Sponsoren spielerisch ins Design zu integrieren.

Audiodevel sind Hard- und Softwaretüftler von Herzen, deren Prototypen oft erst eine Vermarktungsmöglichkeit finden müssen. Aber Innovationen wie ein „Instrument“, das die Singstimme in die Klänge jedes beliebigen Musikinstruments verwandeln kann, stoßen durchaus auf Interesse, auch wenn beispielsweise das Industriedesign, also welche Form das Gerät annehmen wird, hier noch gar nicht feststeht.

Alles in allem erlaubten die acht Sessions einen breiten und interessanten Rundumblick in den Status Quo und die Zukunft unterschiedlichster Bereich der Musikindustrie – und zur Freude von uns Digital Media Women waren letztendlich auch vier Speakerinnen auf der Bühne vertreten. Keine schlechte Quote für die Musikindustrie!


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