Digitaler Overload macht krank: Warum Digital Detox zur Onlinekultur gehören muss

Geschrieben von | · · · · · · · | Digital · Köln | 2 Kommentare zu Digitaler Overload macht krank: Warum Digital Detox zur Onlinekultur gehören muss

Über vier Millionen Youtube-Video-Views, 990.000 Tinder Swipes, 3,5 Millionen Suchanfragen bei Google. Das und sehr viel mehr passierte 2017 innerhalb nur einer (!) Minute im Internet. Schon, wenn man versucht, diese wenigen Zahlen auf einen einzigen Tag hochzurechnen, versagt die Vorstellungskraft.

 

Immer mehr Menschen sind heute fast rund um die Uhr online. Die digitale Reizüberflutung ist vorprogrammiert – und nimmt überhand, bis einem fast der Kopf platzt. Ganz klar: Multitasking mit Handy, Tablet, Laptop und Desktop stresst. Darüber hinaus wirkt sich ungezügelter digitaler Konsum aber nicht nur nachweisbar negativ auf unser Wohlbefinden aus. Er kann auch suchtauslösende Substanzen im Gehirn erzeugen, was – im schlimmsten Fall – zur echten Abhängigkeit führt. Tatsächlich haben Hirnforscher wie die Frankfurter Professorin Dr. Gertraud Teuchert-Noodt herausgefunden, dass uns ständiges Online-Sein und digitales Konsumieren ohne Pause am Ende nachweislich dümmer machen. Oder um es etwas eleganter auszudrücken: Wenn daraus eine Sucht wird, entstehen Verhaltensweisen, die „zum Rückgang kognitiver Fähigkeiten“ führen. Wir vergessen mehr und werden außerdem unkritischer.

 

Höchste Zeit also, sich das digitale Detoxen zur Gewohnheit zu machen und den ganzen „digitalen Terror“ zwischendurch immer wieder mal abzustellen: Am 20. Juni 2018 geht es beim gemeinsamen Themenabend der Digital Media Women Köln und Valtech in Düsseldorf deshalb darum, wie DigitalDetox funktioniert.

 

Moderiert wird der Abend von unserer #DMW Ute Blindert, die als als Beraterin und Autorin in Köln lebt und arbeitet, und sich mit dem Thema „Netzwerken in digitalen Zeiten für Karriere und Recruiting“ beschäftigt. Ab 19.00 Uhr steigen wir zunächst gemeinsam mit Claire Oberwinter mit einer Achtsamkeitsübung in das Programm ein. Anschließend gibt es spannende Vorträge zu diesen Themen:

Digitaler Burnout – von Paula Landes

Paula Landes, Foto: privat

 

Paula Landes ist Quartiersleiterin der Digital Media Women Rhein-Main. Sie erklärt, wie man einen Digitalen Burnout erkennt und was man tun sollte, wenn der „ständige Begleiter“ Smartphone schon die ersten Sekunden des Tages bestimmt – nämlich dann, wenn wir den Smartphone-Wecker ausschalten und noch vor dem ersten Kaffee bereits die „Internet-Toilette“ beginnt. Schnell mal E-Mails, WhatsApp, Facebook und die neuesten Nachrichten checken – noch bevor man sich die Haare kämmt? Wer kennt das nicht. „Nicht selten verwischen dabei auch schnell die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem; schon beim Aufstehen sind wir am virtuellen Schreibtisch“, sagt Paula. Und die letzte Handlung am Abend ist es dann, kurz vor dem Schlafengehen das Handy an die Steckdose zu klemmen und noch ein letztes Mal die „wichtigsten“ Social Media Dienste zu checken, um schließlich neben dem Handy einzuschlafen. Das Ergebnis: Wir sind so gut wie immer online. Und die Folgen dieser digitalen Permanenz für Gesundheit, Gesellschaft und Privatleben sind vielfältig.

 

Um einem digitalen Burnout entgegenzuwirken, muss man sich zunächst sein Verhalten bewusst machen und es langfristig ändern. Das ist schwer, weil Smartphones uns den Zugang zu digitalen Welten so einfach machen und archaische Muster und Belohnungsmechanismen aktivieren, die es uns erschweren, Abstand zu nehmen vom Universum in der Hosentasche. Umso wichtiger ist es aber, das trotzdem zu schaffen, weil sonst Konzentration, Produktivität und persönliche Zufriedenheit häufig auf der Strecke bleiben.

So geht Digital Detox: Thomas Latka erklärt die Zwickmühlen der Digitalisierung … und welche Lösungen es geben kann

 

Dr. phil. Tom Latka, Foto: privat

 

Dabei stellt der Münchner Trainer und Coach fest, dass die digitale Welt heute häufig paradox ist. „Auf der einen Seite beschleunigen wir die digitale Transformation von Unternehmen und der gesamten Gesellschaft, auf der anderen Seite hält uns unsere Abhängigkeit von den digitalen Medien davon ab, gesund und produktiv zu sein“, erklärt er und fragt: „Brauchen wir eine andere Art der Digitalisierung? Und wenn ja, welche?“

 

Genau um diese Fragen soll es in seinem Vortrag gehen. Denn, um selbst nicht zugleich Täter und Opfer der Digitalisierung zu werden und sich damit selbst zu schädigen, lohnt der Blick auf die strukturellen Zwickmühlen der Digitalisierung – und wie wir diese schon verinnerlicht haben. Wie gelingt uns die Balance zwischen subjektiven Bedürfnissen und kollektiven Erwartungen im digitalen Zeitalter? Wie lernen wir, zu den „Verführungen“ der digitalen Welt nein zu sagen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Warum versklaven uns die neuen digitalen Möglichkeiten mehr, als dass sie uns befreien? Solche Fragen können anregen, unseren Umgang mit digitalen Medien zu verändern.

 

Statt Selbst- und Fremdvorwürfen sind allerdings Lösungen gefragt, die im Alltag wirklich funktionieren und nicht nur Geld kosten. Von der DigitalDetox-App bis hin zu DigitalDetox-Tees gibt es zahlreiche Heilmittel, die Erlösung versprechen – und auch therapeutische Angebote können eine gute Ergänzung sein, wenn sie nicht pathologisieren, so unser Experte.

 

Um den Überblick über diese verschiedenen Detoxing-Möglichkeiten zu behalten, stellt Thomas Latka uns die aussichtsreichsten Kombinationen und Methoden zur digitalen Entgiftung vor und erklärt, was es damit genau auf sich hat.

 

Paula Landes …

… ist mit Mocial Sedia, Parketing & MR selbstständige Kommunikationsberaterin in Frankfurt am Main. Sie ist außerdem Gründerin der ONLINE LEGAL SOCIAL GbR, Senior Consultant für Tyto PR und seit vier Jahren Quartiersleiterin der Digital Media Women Rhein-Main.

 

Tom Latka, Dr. phil …

… ist seit 1999 als Trainer & Coach in der Softwarebranche aktiv und begleitet bei Valtech als agiler Coach Unternehmen auf dem Weg zur digitalen Transformation. Er ist Lehrbeauftragter für Philosophie sowie hypnosystemischer Coach in München. Sein Hobby: Thomas ist begeisterter Pilgerwanderer in Japan www.japanpilger.de.

 

Ute Blindert …

Ute Blindert, Foto: Tanja Deuß, knusperfarben

 

… wohnt und arbeitet als Beraterin und Autorin in Köln. Ihr Thema: Netzwerken in digitalen Zeiten für Karriere und Recruiting – denn Netzwerken mit Strategie ist der Schlüssel, dass die richtigen Menschen zueinander finden. Darüber spricht sie in ihrem Podcast „Karrierebooster Netzwerke(n)“, bloggt und schreibt Bücher („Per Netzwerk zum Job“, Campus 2015, „157 Arbeitgeberfragen im Vorstellungsgespräch“, Business Village 2017). Ute schreibt u.a. für BILANZ.de, ist Herausgeberin von karriereletter.de und businessladys.de und hält Vorträge. Sie berät Fach- und Führungskräfte, Solopreneure und kleine Unternehmen dazu, wie sie Netzwerken für Veränderungsprozesse und Mitarbeitergewinnung nutzen können. Ehrenamtlich engagiert sie sich als Finanzvorstand der Digital Media Women e.V.

 

Claire Oberwinter …

Claire Oberwinter, Foto: Tanja Deuß, knusperfarben

 

… ist in ihrem ersten Leben selbstständige Facebook-Marketing-Beraterin (claireoberwinter.com) und erklärt Einzelunternehmern, wie sie Facebook zum Aufbau einer eigenen Community und zur Selbstvermarktung nutzen können. In ihrem zweiten Leben ist Claire Yogalehrerin (in Ausbildung) und beschäftigt sich dadurch intensiv mit den Themen Achtsamkeit, Entspannung und innere Einkehr.

 

Das Programm: #DMW / @Valtech

18:30 Door is open (Ankommen)
19:00 Beginn Vorträge Paula Landes und Thomas Latka, anschließend Podiumsdiskussion, moderiert von Ute Blindert
21:00 Networking
22:00 (circa) Ende

Tickets: www.eventbrite.de

MerkenMerken

Andrea Härtlein

Organisatorin bei den DMW Köln. Dipl. Kommunikations-Designerin und Dipl. Fachjournalistin (FJS), arbeitet als selbstständige Beraterin (space5media) mit den Schwerpunkten digitales Marketing und PR / Social Media Relations und Content-Strategie, unterstützt KMU bei der strategischen Ausrichtung Ihrer Onlinekommunikation. Mitgründerin div. regionaler Business-Netzwerke im Bergischen Land. Seit 2017 Gastdozentin im Fach Networking & Social Media an der DHBW Heilbronn / FB Food-Management.


2 Kommentare

Andrea Härtlein sagt:

11. Juni 2018 um 12:37

Ich „detoxe“ beim Bügeln. Ansonsten liegt mein Smartphone NIE neben meinem Arbeitsplatz und grundsätzlich nicht mehr neben dem Bett. Es hat einen festen Platz im Haus – wenn ich es benutzen will oder muss, gehe ich dorthin. Es kommt mit auf Geschäftstermine. In der Freizeit bleibt es meist zu Hause.

Antworten

Luise sagt:

13. Juni 2018 um 19:04

Einfach mal Handy zuhause Liegenlassen, ab und zu Kinotickets wirklich im Kino kaufen und n Schallplattenspieler kaufen- das alles gibt recht entschleunigende Momente…

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar