#mcb19 und #rp19: Politisch, reifer und manchmal zu voll

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Pflichttermin für alles, was digital ist: Anfang Mai fanden die 6. Ausgabe der Media Convention Berlin und die 13. Ausgabe der re:publica in Berlin statt. Dieses Mal mit großer Unterstützung aus der politischen Sphäre. Und einer Premiere: Die #DMW stellten ihre Aktion #30mit30 vor.

 

Die re:publica #rp19 zusammen mit der Media Convention Berlin #mcb19 gelten als ungemein bedeutende Digitalkonferenzen in Europa – und damit sind sie jedes Jahr ein wichtiger Termin für die #DMW. Seit Jahren haben wir eine Kooperation mit der #mcb19 und wie in den vergangenen Jahren auch fanden die beiden Konferenzen wieder zusammen in der Station am Gleisdreieck statt – und wer will, konnte die Konferenztage auch in diesem Jahr wieder traditionell einläuten mit der „prepublica“ am Sonntag (sonntags zum Checkin kommen und den ersten republica-Drink im Hof der Station nehmen). Ab Montag gab es dann über drei Tage hinweg Sessions, Talks, Workshops und Aktionen zu erleben und daneben auch zusätzliche Events wie die Tincon, die „teenageinternetwork convention für Menschen zwischen 13 und 21 Jahren“.

 

„Tl;dr“ war das Motto der 13. re:publica, „too long, didn’t read“ – und passend zum Motto schlängelte sich ein übergroßes Manuskript von Dickens „Moby Dick“ durch die Hallen der Station, einer der dicksten Wälzer der Weltliteratur, den zwar alle irgendwie kennen, aber den sicher nur ein Bruchteil dieser Menschen je wirklich gelesen hat – und den damit dasselbe Schicksal ereilt wie all die AGBs im Netz, die bevorzugt ungelesen weggeklickt werden. „Tl;dr“ spielte auf das Kleingedruckte im Netz an und auf den kritischen Umgang damit, auf Komplexität und die Tiefe von Debatten im Internet. Das Motto der 6. Media Convention Berlin hieß „Playing for Keeps: Jetzt wird’s ernst!“, und inhaltlich ging es um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt und damit um die Meinungs- und Medienvielfalt im Netz.

 

Mehr Politik, weniger Vision

In diesem Jahr fiel auf, dass die Politik und ihre Vertreter stark vertreten waren – am augenfälligsten wurde das wohl durch die Rede des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, der die re:publica eröffnete. Noch nie hat ein Bundespräsident die re:publica eröffnet und das zeigt wohl, dass die Konferenz und ihre Themen da angekommen sind, wo sie hingehören: In der Mitte der Gesellschaft. Doch damit einher ging auch eine gewisse Verflachung der Inhalte, wie einige BesucherInnen beklagten – und eine interessante Verschiebung im Fokus der Themen: Viele Sessions nahmen das Hier und Jetzt und die Umsetzung von Forderungen in den Blick. Das ist nicht falsch oder richtig, gefühlt aber ein etwas weniger visionärer Ansatz, als er sonst gern von der re:publica verfolgt wird.

 

Die großen Themen dieser re:publica: Politische und gesellschaftliche Umsetzung, Netzpolitik, die Zukunft der Arbeit, Cyberkriminalität und der Klimawandel. Und die Themen altern mit den Teilnehmenden: Plötzlich laufen da einige Menschen herum, die auf der re:publica siezen, gleichzeitig spiegelt sich diese Verschiebung auch in den Themen wider, wie in Sessions, in denen Mobilität im Alter thematisiert wird.

 

#30mit30 auf der re:publica vorgestellt

Die #DMW waren in diesem Jahr mit ihrer #30mit30-Aktion vertreten und mit einem Meetup. Im Rahmen der #30mit30-Aktion stellen die #DMW 30 Unternehmen vor, die 30 Prozent Frauen in der Führung haben. Unsere Vorständin Maren Martschenko sprach darüber mit Theresa Kretzschmar von Spreadshirt und Katharina Rhode von ThoughtWorks im Media Cube der Berlin Media Convention. Und es zeigte sich in diesem Gespräch: Jedes Unternehmen, das das geschafft hat, ist randvoll mit Best Practices und Ideen, wie es klappen kann. Was in der Session aber auch deutlich wurde: Es gibt keine Patentrezepte. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden, sich eigene Ziele geben und diese nachdrücklich verfolgen.

 

06.05.2019, Berlin:
Besucher*innen auf der re:publica.
Die re:publica ist eine der weltweit wichtigsten Konferenzen zu den Themen der digitalen Gesellschaft. Foto: Jan Michalko/re:publica

Was sich jedoch auch seit Jahren durch die Konferenztage zieht: Dass die Kapazitäten nicht ausreichen und viele Sessions hoffnungslos überfüllt sind – so sehr, dass viele Interessierte vor den Türen bleiben müssen. Viele schauen die beliebteren Sessions deshalb später im Netz nach. Als am Mittwochabend die Media Convention Berlin und später die re:publica mit ihrem Karaokesingen (wahrscheinlich noch traditioneller als das prepublica-Vorglühen im Hof) zu Ende gingen, hatte man gezeigt, wie man sie barrierefreier und inklusiver machen kann, als man das von vielen anderen Events gewohnt ist, wenn man nur will! Und dabei auch noch fast 50 Prozent weibliche Speaker begrüßt. You go, girl!

 

Fotos: Jan Michalko/re:publica


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