Hamburg, meine Insel

Geschrieben von | · · · | Digital | 4 Kommentare zu Hamburg, meine Insel

Wer in der Hamburger Internetszene unterwegs ist, hat es vielleicht schon gehört. Eine kleine große Idee ist geschlüpft. Benjamin Storm, Gründer des Start-ups ZEBRA insect screens, engagiert sich dafür, aus den beiden Hochhäusern und Neubauten auf der Spiegel-Insel auf 35.000 qm eine Internetinsel zu machen. Nachdem der Spiegel in die Hafencity zog und seine legendäre, kreisch-orangene Kantine gerade im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe wieder aufgebaut wird, steht das Gebäude leer. „Bei einem Spaziergang hatte ich die Idee, aus dem Riesen-Gebäude einen Tummelplatz für die Hamburger Internetfirmen zu machen“, erzählt Benjamin. Seither engagiert er sich mit Herzblut beim Besitzer des Gebäudes und bei Investoren für seine Idee. Wir haben im E-Mail-Interview nachgefragt, was den Zauber und die Vision der Internetinsel in der Hafenstadt ausmacht.

Das Spiegel-Hochhaus (Foto: Benjamin Storm).

Das Spiegel-Hochhaus (Foto: Benjamin Storm).

Sarah Pust für Digi Women HH: Was ist die Internetinsel?
Benjamin Storm: Der „Place To Be“ für Hamburgs Internetunternehmen, wo man arbeitet, Networking macht, sich trifft, neue Ideen entwickelt und gemeinsam die Zukunft gestaltet. Ein Leuchtturm mitten in der Innenstadt mit Cafés, Restaurants, Kindergarten, Fitnessstudio und Co.

Das hört sich ja wie ein www-Campus an. Was bringt das Projekt für Hamburg?
Benjamin Storm: Ganz klar, natürlich: Standortförderung. Wir Hamburger haben ja manchmal einen „Berlin-Komplex“ und glauben, dass es hier nicht so hip ist wie in der Hauptstadt, oder dass man die besten Mitarbeiter nicht in die Hanse locken kann, wenn Start-up-Berlin gegenanstinkt. Mit der Internet-Insel könnte man da das Selbstbewusstsein deutlich stärken. Und wenn auf der Internetinsel die Hamburger Unternehmen ein bisschen näher zusammenrücken – nicht nur räumlich – sondern auch kulturell und im täglichen Austausch, dann kann Hamburg nur gewinnen.

Und was haben wir einzelnen, webaffinen Menschen in Hamburg davon?
Benjamin Storm: Die Internet-Insel könnte ein Ort werden, an dem Menschen das Internet „in echt“ veranschaulichen. Ein Campus, wo man die Macher und Entscheider des Webs als völlig normale Menschen im Café treffen kann. Ein Standort, an dem ich mich über Hamburgs Internetunternehmen informieren kann und ein Anlaufhafen für das persönliche Networking für jeden von uns. Wie wäre es beispielsweise, einen „Showroom“ zu schaffen, in dem sich die Online-Unternehmen online und offline präsentieren können? Ich würd’s klasse finden!

Und unsere Firmen?
Benjamin Storm: Sie profitieren von:

  • dem gemeinsamen Standort
  • Synergien
  • Netzwerk
  • dem Veranstaltungszentrum
  • und Infrastruktur (Kindergarten, Fitness usw. Das wird ja sonst nur von Konzernen geboten
Wer da wohl schon drauf stand? Ein Stückchen Original-Teppich aus der Spiegelkantine (Foto: Benjamin Storm)

Wer da wohl schon drauf stand? Ein Stückchen Original-Teppich aus der Spiegelkantine (Foto: Benjamin Storm).

Warum muss es unbedingt dieses Gebäude sein?
Benjamin Storm: Als altes IBM-Gebäude wurde es 1967 gebaut, lange bevor die meisten von uns geboren wurden. Die Architektur ist der Lochkarte nachempfunden, dem Oldschool-USB-Stick. Dann hat der Spiegelverlag hier Geschichte geschrieben. Die Lage der Spiegel-Insel ist auch für ganz große Player geeignet: Um die etablierten Unternehmen mit einbinden zu können, kommt man aus der Innenstadtlage nicht heraus. Google, Xing, AirBnB, facebook, BigPoint & Co. sitzen rund um den Gänsemarkt. „Nur“ für das Netzwerk bekommen man die nicht in die City Nord…
 Eine andere Immobilie mit dieser Strahlkraft, mit dieser Historie und mit dieser Lage gibt es nicht in Hamburg.

Was muss jetzt passieren, damit es passiert?
Benjamin Storm: Die Entscheidung des Eigentümers über Umsetzung oder Verkauf an HIH (Hamburger Immobilien Handlung) fällt voraussichtlich im März. Der Eigentümer/ Investor muss davon überzeugt werden, dass die Hamburger das Projekt wollen und sich ausreichend Mieter finden. Finden wir für rund 50 Prozent der Gesamtfläche Mieter (Einzugsdatum innerhalb der nächsten drei Jahre), wird das Projekt starten.

Ab welchem Mietpreis ist man denn dabei?
Benjamin Storm: Es geht mit einer ortsüblichen Miete um 17,50 €/qm los, die oberen Stockwerke starten um 20,- €/qm. Wir prüfen, ob durch eine Renovierung statt Sanierung eines Gebäudeteils auch deutlich niedrigere Mieten für bestimmte Flächen realisiert werden können. Einzelne Arbeitsplätze im Office Center werden voraussichtlich bei 250,- € liegen. Komplette Etage werden zu ortsüblichen Mieten zwischen 14,- € und 18,- € angeboten, wobei dem Eigentümer und auch dem möglichen Investor klar ist, dass die Preise möglichst niedrig sein sollen. Außerdem wird versucht, einzelne Flächen günstiger anzubieten. Eventuell kann man das ehemalige IBM-Gebäude durch Renovierung statt Sanierung deutlich günstiger anbieten. Coworking Spaces, die mieten, können zu ihren eigenen Konditionen anbieten. Ganz im Start-up-Gedanken soll es „Office for Equity“ – Büroflächen geben. Neue, aufstrebende Start-ups, die den Mehrwert auf der Internet-Insel sehen, sich aber die Mieten nicht leisten können, können im Tausch gegen Unternehmensanteile einziehen. Außerdem können Patenschaften für die vier Gebäude übernommen werden. Wer als Hauptmieter das Risiko der Auslastung auf sich nimmt, kann das Haus mit seinem Logo branden, hat direkten Zugriff auf seine Zielgruppe und macht etwas für die Standortförderung Hamburg.

Die Vision:
Benjamin Storm: Die ersten Insulaner ziehen Mitte 2012 bereits ein, 2015 gestalten über 3000 Menschen die Zukunft des Internets auf über 35.000 qm. Man spürt die Aufbruchstimmung, und den ständigen Drang das Internet zu revolutionieren. Xing, Twitter, Facebook, Hanse Ventures, Otto, Bauer Media und IBM sind auch an dem Standort und unterstützen die Start-ups. Hamburg ist fester Bestandteil der internationalen Internetszene UND noch sexyer!

Wir drücken der Internet-Insel die Daumen und verfolgen das Projekt (hier ein Architektenentwurf) gespannt! Interessenten können sich hier auf eine Insel-Bewohner-Liste setzen lassen.

EDIT: Heute hat auch die Gründerszene ein cooles Video-Interview zur Internetinsel veröffentlicht:

Sarah Pust lebt vom Schreiben für etablierte und neue Medien: Als Redakteurin, Autorin und Texterin stöbert sie online und offline nach Themen aus IT, Gesundheit und Karriere, die unsere Gesellschaft bewegen. Und nach Geschichten, die interessant sind, nachdenklich machen oder gefallen. Oder was ihr sonst noch so aufgefallen ist.

4 Kommentare

Angela R. sagt:

6. März 2012 um 11:35

Die Idee, mitten in der Stadt eine Internet-Insel zu schaffen, ist großartig. Das könnte DER Co-working space für Freelancer werden, die damit nicht im eigenen Saft schmoren, sondern Networking im großen Stil betreiben können. Perfekt, wenn auch große Firmen aus der Online-Branche einziehen würden, um den Austausch mit den vielen kleinen zu fördern.

Ebenfalls großen Charme hat die Idee, mit einem Campus den vielen (noch) nicht online-affinen Menschen die Branche näherzubringen.

Ich hoffe sehr, dass das klappt und bin gespannt auf das nächste Update in Sachen Internet-Insel!

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Martin Schultz sagt:

7. März 2012 um 13:46

Super Idee. Wäre ich sofort dabei.

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Flaschenpost von Digital Media Women Hamburg – #POST 16 : Internet-Insel Hamburg sagt:

15. März 2012 um 21:03

[…] Das ganze Intervieww zu lesen und zu sehen bei den Digital Media Women Hamburg. […]

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“Eigentlich habe ich nur eine Bürogemeinschaft gesucht” – post #23 : Internet-Insel Hamburg sagt:

10. April 2012 um 10:46

[…] Digital Media Women Hamburg – „Hamburg meine Perle“ […]

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