Videos im Netz – Ein Review zum Themenabend

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Fernsehen gibt es nicht mehr nur von den klassischen Fernsehsendern. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln hat neben den Sendern auch der Zuschauer die Möglichkeit, Videos zu produzieren und ins Netz zu stellen. Aber auch für Unternehmen und Künstler sind Webvideos relevant. Die Digital Media Women haben aus diesem Grund in Kooperation mit der Kreativgesellschaft und der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein den „Videos im Netz“ am 15. Oktober einen Themenabend gewidmet. In zwei Vorträgen von Praktikerinnen aus unterschiedlichen Bereichen wurden die verschiedenen Möglichkeiten von Bewegtbild im Netz aufgezeigt.

v.l.n.r.: Inken Meyer (#DMW), Helen Peetzen (Filmförderung), Kerstin Ebert (Jimdo), Janine Hélène Lubas (finetunes) & Sina Greinert (Kreativgesellschaft)

v.l.n.r.: Inken Meyer (#DMW), Helen Peetzen (Filmförderung), Kerstin Ebert (Jimdo), Janine Hélène Lubas (finetunes) & Sina Greinert (Kreativgesellschaft)
(Foto: Rieka Anscheit)

Jimdo und Corporate TV

Den Anfang hat Kerstin Ebert von Jimdo gemacht. Sie ist mit einem Kollegen bei Jimdo für die Produktion der Unternehmensvideos zuständig. Die beiden produzieren z.B. Videos zum Unternehmen, aber auch Erklärvideos zu Produkten. Wenn man sich täglich mit der Produktion von Bewegtbild beschäftigt, hat man irgendwann einen sehr guten Blick dafür, auf welche Dinge man eigentlich achten muss.
Gerade am Anfang sollte man sich die Frage nach dem Zweck des Videos stellen. Was und wen möchte ich mit dem Video eigentlich erreichen? Bei einem Imagevideo muss man andere Dinge beachten, als bei einem Werbespot, der ein neues Produkt zeigt. Kerstin unterteilt beim Zweck generell in die Bereiche Information, Entertainment und Werbung. Nachdem feststeht, welchen Inhalt ich vermitteln möchte, muss ich mir Gedanken über meine Zielgruppe machen. Jugendliche muss ich inhaltlich natürlich ganz anders ansprechen als Senioren.

Welchen Zweck hat das Video?

Welchen Zweck hat das Video?
(Foto: Rieka Anscheit)

Vor der Produktion eines Werbespots sollte man sich daher genau Gedanken machen, wie man das Video aufbauen möchte und welche Szenen gedreht werden sollen. Kerstin macht sich dafür ein Storyboard. Ein genauer Plan und eine gute Vorbereitung helfen auch ungemein. Wenn man beim Dreh und bei der Vorbereitung an alles denkt, ist die Postproduktion fast ein Kinderspiel. Falls man z.B. den Lichteinfall vorher nicht richtig einkalkuliert hat, wird es mit der Nachbearbeitung schwierig. Also lieber alles vorher ausprobieren und einstellen.
Bei einem Imagevideo ist ein Storyboard eher hinderlich. Hier geht es ja darum die Stimmung in einem Unternehmen einzufangen. Kerstin rät aus diesem Grund, dass man sich generell zum Dreh ein paar Notizen macht, was man denn filmen möchte.
Wenn man Bild und Ton mit getrennten Geräten aufnimmt, sollte man am Anfang zum Beispiel in die Hände klatschen, dann kann man die Inhalte nachher besser synchronisieren.
Beim Schneiden wird man dann mit der Länge des Videos konfrontiert. Die Aufmerksamkeit der User ist gering, deswegen sollte man Videos so kurz wie möglich halten. Daher sollte man, auch wenn es schwer fällt, manche Szenen rausschneiden. Kerstin hat das im Vortrag sehr schön formuliert: „Kill your darling“. Fokussiert euch auf das Wesentliche, welche Inhalte sind wirklich relevant und welche sind nur schönes Beiwerk?
Bevor das Video nun online gestellt werden kann, sollte man sich anschauen, wie groß die Videodatei ist und den Beitrag ggf. mit anderen Einstellungen rendern. Gerade in Zeiten mobiler Nutzung kann so ein Videoabruf eine gefühlte Ewigkeit dauern, wenn die Datei zu groß ist. Last but not least hilft auch ein Test-Screening, um sicherzustellen, dass die Inhalte wirklich das erreichen, was man bezwecken möchte.
Wenn man die Tipps beherzigt, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Und wie so ein Video nachher aussehen kann, sieht man am folgenden Imagevideo von Jimdo:

Unternehmenskultur bei Jimdo – Feel Good, Wenig Schlecht! from Jimdo on Vimeo.

Mir gefällt ja am besten, dass es bei Jimdo eine Feel-Good-Managerin gibt 😉

YouTube und Monetarisierung

Im zweiten Vortrag erklärt Janine Helene Lubas von finetunes, wie man die eigenen Videos bei YouTube monetarisieren kann. Finetunes berät vor allem Künstler bei der digitalen Vermarktung. Jeder Musicact hat die Möglichkeit bei YouTube einen digitalen Fingerprint von seinen Songs zu hinterlegen. Es gibt insgesamt drei Möglichkeiten zu bestimmen, was passiert, wenn in einem Video der eigene Song verwendet wird:

  1. Das Video wird gesperrt und damit nicht veröffentlicht (block)
  2. Das Video wird veröffentlicht und der Künstler erhält eine Nachricht mit der Information, dass der Song verwendet worden ist (track)
  3. Das Video wird veröffentlicht und der Künstler wird an den Werbeeinnahmen des Videos beteiligt.
    Um sich bei YouTube als Partnerkanal an Werbeeinnahmen beteiligt zu werden, muss man zustimmen, dass vor den eigenen Videos ebenfalls Werbung geschaltet werden darf (monetize)

Dass sich die Beteiligung an den Werbeeinnahmen durchaus lohnen kann, zeigt Janine am Beispiel des Kündigungs-Virals. Wer das Video noch nicht kennt, eine junge Dame hat ihre Kündigung in Form eines Videos veröffentlicht und dazu den Musiktitel „Gone“ von Kanye West verwendet:

Die Aufrufe sind beachtlich und es gibt zahlreiche Follow-up-Videos, u.a vom ehemaligen Chef, der auf die gleiche Weise kommuniziert, dass er jetzt eine Stelle zu besetzen hat. Der Song war bis zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannt und hat es dank des Videos auch in die amerikanischen Billboard-Charts geschafft. Falls Kanye West den richtigen Haken für die Monetarisierung gesetzt hat, wird er an dem Video auch gut mitverdient haben.
Einige Musiker haben also nicht unbedingt etwas dagegen, dass ihre Musik in Videos der User verwendet wird. In Deutschland gibt es hier natürlich die Gema-Problematik. Die Monetarisierung wird daher je nach Land unterschiedlich gehandhabt.
YouTube selbst greift hier den Kanalinhabern in Form von Anleitungen und Tutorials unter die Arme. Dies ist aber auch nicht weiter verwunderlich, da YouTube ebenfalls von den Einnahmen profitiert. Am 3. November veranstaltet Google übrigens die erste YouTube Music Award-Show. Es bleibt also spannend.


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