#DMWKaffee mit Tanja Rückert, President IoT und Digital Supply Chain, SAP

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In der Reihe #DMWkaffee mit… gehen Autorinnen dieses Blogs mit inspirierenden Frauen aus der Digitalbranche einen Kaffee trinken. Für diese Folge hat sich Sin To, Quartier Hamburg, mit Dr. Tanja Rückert, President IoT & Digital Supply Chain, SAP SE, verabredet.

 

Ein spannendes und inspirierendes Gespräch über Karriere, Frauenförderung, Motivation, Kinder und Familie sowie die SAP.

 

 

Tanja Rueckert

Sin: Im Juni hast Du auf Venture Beat einen Gastartikel mit dem Titel „The numbers don’t lie: Why Women must fill the Data Scientist demand“ geschrieben (https://venturebeat.com/2017/06/27/numbers-dont-lie-why-women-must-fill-the-data-scientist-demand/). Was hat dich dazu bewegt, wie verhält es sich bei der SAP? Wie könnte man deiner Meinung das Interesse an Technik bei Mädchen bzw. Frauen stärken/wecken?

 

Tanja: Den Artikel habe ich geschrieben, um Frauen zu begeistern und sie zu mehr Selbstvertrauen zu ermutigen. Es tut sich hier ein neues, innovatives Feld mit Data Science auf, welches ich als eine wahnsinnige Chance für Frauen sehe. Denn das, was in diesem Bereich gefordert wird, gehört zu den Stärken der Frauen: Die Kombinatorik „Wie bringe ich aus allen möglichen unterschiedlichen Bereichen Zahlen oder KPIs zusammen und erhalte daraus wichtige, logische Einblicke“ liegt Frauen, weil sie über den Tellerrand schauen und es verstehen, verschiedene Gruppen zusammenzubringen. Hier entsteht gerade ein riesiges Vakuum. Und wenn wir dieses nicht füllen können, wird es schwer, das Thema Big Data zu bewältigen.

 

War der Artikel somit eher auf SAP-Kolleginnen ausgerichtet oder allgemein an alle Frauen gerichtet?

 

Tanja: Ich spreche damit alle Frauen an, beispielsweise auch meine Tochter. Ich möchte, dass sie offen an Technologie herangeht und selbst entscheidet, ob sie es später einmal zu ihrem Beruf machen möchte. Ich spreche aber auch Schüler und Studenten an. In ca. 5-10 Jahren wird niemand mehr erfolgreich sein, ohne das Thema „Was ist Big Data und was stelle ich damit an?“ zu verstehen.
Allerdings geht es hier nicht nur um Data Science, sondern auch um andere Themen wie künstliche Intelligenz. Mir ist es wichtig, dass Mädchen und Frauen ein Grundverständnis für technische Themen entwickeln. Und diese Neugierde wollte ich mit dem Artikel wecken.

 

Erst kürzlich wurde die Frauenquote von der Familienministerin Katarina Barley wieder diskutiert. Sie will eine stärkere Beteiligung von Frauen in den Unternehmensvorständen gesetzlich erzwingen, falls sich die Unternehmen nicht freiwillig dazu bereit erklären, mehr Frauen in den Vorstand zu holen. Wie stehst du persönlich dazu?

 

Tanja: Ehrlich gesagt, bin ich da gespalten. Als das Thema mit der Frauenquote zum ersten Mal aufkam, fand ich den Ansatz zunächst nicht gut, da ich glaube, dass wir immer über Qualität oder Kompetenzen überzeugen sollten und nicht aufgrund einer Quote in verantwortliche Posten kommen sollten. In den letzten Jahren ist aber meine innere Offenheit für das Thema Quote als eine Art „Initialzündung“ gestiegen. Aber das heißt für mich wiederum nicht, dass wir die Quote nun automatisch auf allen Ebenen und überall durchsetzen müssen. Sie sollte vielmehr als Katalysator betrachtet werden, welche man für ein bis zwei Jahre ansetzt, bis es zum Selbstläufer und damit zum Grundverständnis wird. Eine „Qualitätskontrolle“ sollte es natürlich immer geben, um die am besten geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für einen Job auszuwählen.

 

Aber dennoch hat das Ganze einen leichten faden Beigeschmack wenn man sozusagen nur eine Quotenfrau befördert, um die Quote zu erfüllen oder?

 

Tanja: Selbstverständlich wünsche ich mir, dass wir das Ganze ohne Quote schaffen, weil wir sehr viele gute Kandidatinnen haben. Nur denke ich, wir Frauen müssen uns besser positionieren und auch präsentieren. Wir trauen uns oft zu wenig zu und haben eine geringere Risikobereitschaft als Männer. Viele Frauen glauben heute immer noch, dass Familie und Beruf nicht vereinbar seien. Aus dem Grund entscheiden sie sich zunächst für die Familie und stellen die Karriere hinten an. Ich halte das für falsch.

 

Familie und Karriere würden ja nur funktionieren, wenn die Unternehmen wie SAP besondere Angebote anbieten, so dass eine Karriere nach der Familienplanung möglich ist, richtig? Welche Programme bietet die SAP dafür an?

 

Tanja: Meiner Meinung nach ist „Nach der Familienplanung“ allein schon keine ideale Wortwahl. Aus meiner Sicht kann und sollte das alles parallel laufen. Die SAP ist sehr gut aufgestellt, wenn es um Angebote in Bezug auf Familienplanung und Kinderbetreuung geht. Hier lasse ich die Ausrede, dass es keine Betreuung für Kinder gebe, nicht gelten. SAP bietet beispielsweise Stillzimmer, Vertrauensarbeitszeit, Eltern-Kind-Zimmer, Kooperationen mit Krippen/Kindergärten, Coaching- oder Elterncoaching-Programme an. Darüber hinaus gibt es auch Netzwerke und Stammtische, wo sich Eltern austauschen können.
Einem Kopfmenschen, also jemandem, der versucht, alles nur rational zu steuern, hilft das jedoch wenig weiter. Sie oder er geht die Entscheidung im Hinblick auf Familienplanung anders an. Auf die Frage „Kann ich parallel eine Karriere aufbauen und Kinder haben?“ sollte man Frauen deshalb die Angst nehmen und ihnen aufzeigen, dass es durchaus möglich ist.

 

Gibt es bei der SAP dazu denn Thementage oder Themensessions, die den Frauen hier mehr Mut zusprechen nach dem Motto: „Schaut her, ihr könnt beides machen. Ihr müsst es aber auch wirklich wollen“?

 

Tanja: Eigentlich müssten wir die Frage anders stellen, nämlich: „An was für Themen sollten Frauen arbeiten?“ Denn es geht um Selbstbewusstsein, um den Glauben an sich selbst. Es geht darum, dass Frauen sich auf Positionen bewerben können, auch wenn sie „nur“ neun von zehn Fähigkeiten beherrschen.
Das sind die Themen, an denen wir gemeinsam arbeiten müssen. Denn viele Frauen sehen Familie als „Rückzugsgebiet“ oder weichen Themen aus, die in ihren Augen kritisch oder schwierig sind.
Bei SAP ist es uns wichtig, Frauen zu fördern und voranzubringen. Ich selbst achte sehr darauf, dass wir auf jeden Fall auch Frauen interviewen, wenn wir verantwortungsvolle Positionen ausschreiben. Allerdings, und das bedaure ich außerordentlich, bekommen wir nicht immer die Bewerbungen, die wir uns wünschen – weder in der Qualität noch in der Quantität. Dabei kann ich mir nicht vorstellen, dass es diese qualifizierten Frauen bei SAP oder außerhalb unseres Unternehmens nicht gibt.

 

Gibt es spezielle Programme zur Frauenförderung innerhalb der SAP?

 

Tanja: Bei der SAP gibt es sehr viele Weiterbildungsprogramme, weniger im klassischen Sinne als vielmehr interaktiv. Da gibt es zum Beispiel das Leadership Excellence Accelerator-Programm, bei der die Karriere der Frau gefördert werden soll. Oder ein Programm für weibliche Nachwuchsführungskräfte namens „Power to Lead“, bei dem ich auch selbst involviert war. Des Weiteren gibt es regelmäßigen sozialen Austausch mit dem Senior Leadership-Team. Hier sind viele Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen der SAP involviert. Darüber hinaus haben wir bei SAP auch das SAP Business Women Network, das immer mehr an Stärke gewinnt. Und für die Kolleginnen, die nicht am Hauptstandort des Unternehmens sitzen, bieten wir unterschiedliche virtuelle Sessions an, organisiert durch das SAP Business Women Network wie Virtuell Chapter, bei dem ich persönlich engagiert bin.

Neben den globalen Programmen hat auch jeder Bereich zusätzlich seine eigenen Programme. In meinem Bereich, IoT und Digital Supply Chain, haben wir das Programm „Rising Stars“. Hier gehe ich mit einzelnen Frauen beispielsweise Mittagessen, um den persönlichen Erfahrungsaustausch zu fördern. Außerdem geben wir Frauen auch die Möglichkeit, das Leadership-Team kennenzulernen, sich selbst vorzustellen und etwas zu präsentieren.

Mir ist es wichtig, dass trotz der vielen unterschiedlichen Programme keine Silos entstehen, sondern dass wir uns vernetzen und gegenseitig unterstützen.

 

Tanja, Du bist President IoT und Digital Supply Chain. Mit der Einführung von SAP Leonardo wird sich vieles in der digitalen Welt weiter verändern und verbessern. Wie wird aus deiner Sicht das IoT in der Gesellschaft angenommen? Wie glaubst du, wird sich die Welt durch IoT verändern?

 

Tanja: IoT allein wird natürlich nicht die Welt verändern. Viele Bereiche wie Künstliche Intelligenz, 3D-Druck oder auch Robotik/Machine Learning werden erheblichen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausüben. Ich glaube, zur Zeit ist es keiner Person wirklich bewusst, welches Ausmaß die Digitalisierung annehmen wird. Und ich sehe das überwiegend positiv, wenn wir als Menschen verantwortungsvoll damit umgehen!

Prozesse von Unternehmen werden künftig einen höheren Automatisierungsgrad aufweisen. Menschen werden enger zusammenarbeiten müssen, da aufgrund der gemeinsam geteilten Datenbasis andere Entscheidungen getroffen werden können. Außerdem werden Unternehmen enger aneinanderrücken, weil Daten über Unternehmensgrenzen hinweg geteilt werden. Wer jetzt als Unternehmen damit beginnt und die Zeichen der Zeit erkennt, wird zu den Gewinnern der Digitalisierung gehören.
Auch Industriegrenzen werden verschwimmen. Retailer und Consumer Products werden mehr und mehr zusammenrücken, um Kundenwünsche schneller bedienen zu können.
Am Ende sind es wir, die Endkonsumenten, die das Ganze treiben. Warum? Weil wir alles digital haben möchten, am besten sofort und interaktiv. Und das eben nicht nur im Unternehmen, sondern auch zu Hause.

 

Siehst du hier kleine Unterschiede in den Ländern von der Entwicklung her?

 

Tanja: Ja, sicher. Die USA sind beispielsweise sehr stark im Bereich Consumer IoT, Deutschland eher im Bereich Industrie 4.0 mit Fokus auf Manufacturing. Japan im Vergleich dazu ist gut in Robotik, während China stark im Retailbereich ist wie das Netzwerk Alibaba beweist.

 

Und zu guter Letzt: Was ist Dein Lieblings-IoT-Gadget?

 

Tanja: Wir arbeiten zu Hause sehr viel mit digitalen Assistenten. Unter anderem haben wir Amazons Alexa in mehrfacher Ausführung bei uns daheim. Oder ich freue mich, wenn der „Robi“ (Saugroboter) gerade gesaugt hat, bevor ich nach Hause komme.
Allgemein finde ich es toll, wie normal die Digitalisierung für unsere Kinder ist. Sie wachsen damit auf, und für sie ist die Nutzung von Smartphones, Tablets, Sprachassistenten das Natürlichste auf der Welt – als ob es schon immer da gewesen wäre.

 

Vielen Dank für deine Zeit, Tanja!

 

Tanja: Danke für das Gespräch.

 


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