Was macht eigentlich eine … Product Ownerin in einem Scrum Team? #Digitale Berufe

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Mit der Digitalisierung wandeln sich existierende Berufe und neue kommen dazu. Die Abgrenzungen der Berufsbilder und die Aufgabendefinition sind in vielen Fällen noch nicht abgeschlossen. Also wird es Zeit, genauer hinzuschauen und nachzufragen. In loser Abfolge geben Frauen aus unserer #DMW-Community Einblick in ihren Berufsalltag in der Digitalwirtschaft.

Bezahlte Partnerschaft: Empolis hat das diesjährige #DMW-OrgaCamp in Berlin gesponsert. Der Artikel wurde redaktionell erstellt.

 

Nina Heuß ist Product Owner bei Empolis Information Management. Mit uns spricht sie über fehlende Fachlogik bei Suchmaschinen und Work-Life-Balance mit drei Kindern.

 

Kannst du kurz beschreiben, was dein Beruf beinhaltet? Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Als Informatikerin kann man sich ja aktuell aus einer breiten Palette von Möglichkeiten seinen Wunsch-Job quasi aussuchen, was ich ganz wunderbar finde. Seit Oktober 2017 bin ich bei Empolis. Aktuell arbeite ich als Product Ownerin in einem klassischen Scrum-Team. Morgens starten wir im Team mit einem kurzen Daily, bei dem wir uns gegenseitig kurz auf Stand bringen. Um die geplanten Implementierungen bzw. das zu entwickelnde Produkt voranzubringen, finden während des Tages viele Gesprächen statt, sowohl intern im Team als auch mit Kollegen aus angrenzenden Teams. Nachmittags kann ich meist eine Implementierung prüfen und für die nächste Auslieferung freigeben. Das ist dann ein schönes Gefühl – sowohl für das Team als auch für mich. Denn es zeigt, dass wir gemeinsam einen Schritt weitergekommen sind.

 

Was macht deinen Job besonders spannend?

Es sind zwei Dinge. Erstens die Vielseitigkeit, denn mein Arbeitstag verläuft selten so wie geplant. Und zweitens, dass ich viele Gestaltungsmöglichkeiten habe. Wir bieten ja Cloud-Lösungen für mittelständische Unternehmen an, mit denen heterogene Datenquellen eines Unternehmens zentral und einfach durchsuchbar bereitgestellt werden. Also immer dort, wo es Suchmaschinen an einer Fachlogik fehlt, kann man das kundenspezifische Fachwissen anbinden.  Das Spannende dabei ist, dass ich mit dem Team das recht junge Produkt an zentralen Stellen mitgestalten kann.  Gleichzeitig kann ich zeitnah prüfen, ob die Neuerungen tatsächlich so wie gewünscht bei den Anwendern ankommen. Bei Desktop-Anwendungen finden diese Rückmeldungen oft stark verzögert statt oder es gibt kaum Möglichkeiten, der Zielgruppe Informationen zum Produkt zu entlocken.

 

Welche Tools sind wichtig für dich?

Schwierige Frage. Als Product Ownerin nutze ich Aha!, eine Product Roadmap Software, für das Opportunity Backlog und die Product Discovery. Das bedeutet eigentlich zur Vorplanung – was wollen wir im Produkt erreichen, wie wollen wir es erreichen und warum. Denn keiner will Features nur für Show Cases produzieren. Wir wollen vielmehr die Anwender mit unseren Neuerungen begeistern. Wichtig ist auch Jira zur Planung und Durchführung von Produkterweiterungen. Zur Selbstorganisation bin ich von Outlook 365 begeistert. Auf jedem meiner onlinefähigen Geräte habe ich damit Zugriff auf Kalender, Notizen, Mails  sowie per Teams auf alle weiteren Kommunikationsmöglichkeiten und Dateien.

 

Man liest immer wieder, für Frauen sei das Weiterkommen in MINT-Berufen schwerer. Ist das auch deine Erfahrung?

Das kann ich für mich persönlich zum Glück nicht bestätigen, jedenfalls nicht für den Beruf. In der Schule war es problematisch. Wir hatten es als Schülerinnen bei vielen Lehrern in den MINT-Fächern schwerer. Dort musste man mehr leisten als die Jungs und hat sich dann noch grenzwertige Kommentare anhören dürfen. Mittlerweile beobachte ich bei meinen Kindern, dass eher die Mitschülerinnen nicht so nett reagieren, wenn ein Mädchen Mathe toll findet. Aber sowohl im Studium als auch in meinen bisherigen Jobs kann ich keine Unterschiede feststellen. Dort lief immer alles fair. Es gab weder einen Männer- noch einen Frauenbonus.

 

Stichwort Work-Life-Balance: Wie verbindet man den Vollzeit-Beruf mit drei Kindern?

Das ist eine Kombination aus Organisation, Einstellungssache und Rahmenbedingungen. Unsere Kinder und mein Mann finden es nicht problematisch und ziehen mit. Ich hatte immer familienfreundliche Arbeitgeber, die mir interessante Tätigkeiten mit einem Notfall-Homeoffice-Platz bei flexibler Arbeitszeit anboten – es funktionierte bislang immer.

Außerdem haben wir sehr gute Betreuungseinrichtungen, die viele interessante Zusatzangebote anbieten wie zum Beispiel einen Besuch der Kinder-Uni zum Thema Robotik oder wöchentlich stattfindende kreative und Sport -Angebote. Wir haben zudem das große Glück, meine Mutter als Backup zu haben. Sie half schon immer in Notsituationen, egal wie klein die Kinder waren, wo ich beruflich stand und wie weit die Entfernung war. Und in den Ferien stehen immer alle Großeltern bereit. Das hilft – andere Familien müssen bisweilen komplett getrennt in Urlaub fahren, da sie sonst nicht die Betreuungsschließzeiten abdecken können.

 

These: Digitalisierung schafft Jobs und macht Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfacher. Ja  oder nein?

JA! Man kann viel flexibler remote arbeiten. Auch wenn ich mich in meiner Arbeit nicht ganz von Zettel und Papier verabschiedet habe, so kann man auch das wunderbar remote durchführen: Mittlerweile habe ich bereits erfolgreich sogenannte Storymappings und Paperprototypings (beides papierbasiert) remote durchgeführt. Natürlich erfordert das eine gewisse Disziplin. Wenn aber alle Teammitglieder motiviert sind und bereit, den Weg mitzugehen, dann funktioniert es gut.

Ich bin begeistert und freue mich über die Vielzahl an neuen Tools. Vor 12 Jahren habe ich per vorgegebener ISDN-Anbindung arbeiten müssen, mit einer vorgegebenen Arbeitsplatzausstattung und zu vorgegebenen Zeiten. Entweder man hat dann sein privates Büro sich wie vorgegeben ausstatten lassen und war mit den vorgegebenen Kommunikationsmitteln einverstanden – oder man konnte nicht von zu Hause arbeiten. Bitte nicht falsch verstehen: Darüber habe ich mich damals sehr gefreut.

Heute freue ich mich, dass durch eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten und den wenigen Vorgaben eine weit höhere Flexibilität möglich ist. Mit Smartphone und Tablet kann ich meine Mails bereits kurz überfliegen, bevor ich ins Büro komme, und kann dadurch viel besser abschätzen was mich erwartet. Solche kleinen Erleichterungen führen meiner Meinung nach zu einer erheblichen Entlastung für Arbeitnehmer und insbesondere für berufstätige Eltern.

Also nochmal JA!

 

Janine Matthees schreibt seit 1999 unter wechselnden Berufsbezeichnungen auf Agentur- und Unternehmensseite. Seit Sommer 2016 arbeitet sie als freie Texterin/Konzeptionerin und Projektleiterin in Berlin.


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