„Mädchen zeigen, dass Coden Spaß macht“

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In IT-Berufen wird Nachwuchs dringend gesucht, Frauen sind in der Software-Entwicklung noch immer eine Minderheit. Die neue Initiative „Tech Girl“ der Digitalagentur Valtech will deshalb Mädchen der 5. und 6. Klasse ans Coden heranführen. Warum sie sich hier engagiert, erzählt Inga Chaban, eine der Tech Girl-Projektleiterinnen.

 

 

Inga, Du bist IT-Consultant und Software Entwicklerin. Warum hast Du Dich für diesen Berufsweg entschieden, wie war Dein Weg bis dahin?

 

Die Idee, etwas selbst entwickeln zu können und gleichzeitig im digitalen Umfeld tätig zu sein, hat mich immer fasziniert. Schon als Kind wollte ich später etwas mit der Technik machen. Es hat wohl auch eine Rolle gespielt, dass mein Papa und einer von meinen Brüdern Ingenieure sind. Nach der Schule habe ich zuerst Informatik mit verschiedenen Schwerpunkten in der Ukraine studiert, danach in Deutschland.

 

Was fasziniert Dich am meisten an Deinem Job?

 

Für mich bietet er die Möglichkeit, zusammen mit echten Profis im Team zu arbeiten. Außerdem kann ich neue, komplizierte und moderne Sachen entwickeln und Teil der Digitalisierung sein.

 

 

Frauen in der IT sind in Deutschland immer noch eine Ausnahme. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

 

Das ist leider ein ungünstiger Kreislauf denke ich – wenn Mädchen in der Schule weniger mit Informatik zu tun haben und in ihrem Umfeld nicht so viele Frauen kennen, die in der IT arbeiten, wird das auch nicht ihr Berufswunsch. Umso wichtiger ist es zu zeigen, wie viel Freude und Abwechslung technische Berufe bringen können, und was konkret dahinter steckt.

 

 

 

 

 

Du arbeitest bei der Digitalagentur Valtech, die schon zahlreiche DMW-Veranstaltungen als Location-Sponsor unterstützt hat. Dort habt Ihr mit mehreren Entwicklerinnen eine neue Initiative namens „Tech Girl“ gestartet. Kannst Du uns mehr dazu erzählen?

 

Die Initiative wurde vor drei Jahren von unseren Kollegen bei Valtech Schweden gegründet und bereits von anderen Ländern wie Kanada übernommen. Es geht darum, Mädchen im Alter von 10-12 Jahren ans Coden heranzuführen und sie zu ermutigen, selber ein Spiel oder eine Web-Seite zu programmieren. Außerdem wollen wir als Entwicklerinnen zeigen, dass Frauen in diesen Jobs erfolgreich arbeiten und Spaß dabei haben.

 

 

 

 

Warum wolltet Ihr das Programm unbedingt auch nach Deutschland holen?

 

Wir haben von unseren Kolleginnen aus den anderen Standorten immer wieder gehört, wie begeistert die Kids waren. Das wollten wir auch hier probieren, denn wir finden es sehr wichtig, auch den Nachwuchs zu fördern. Nicht zuletzt brauchen wir ja auch künftig immer mehr Leute, die programmieren können.

 

 

Warum richtet Ihr Euch mit der Initiative nur an Mädchen?

 

In vielen Köpfen gibt es immer noch das alte Denken „Computer sind was für Jungs“. Das wollen wir verändern und zunächst die Mädchen ansprechen. So ist auch das Programm von Valtech global ausgerichtet. Außerdem wollten wir die Aufmerksamkeit auf die Lücke lenken, die es bei der Anzahl zwischen Männern und Frauen in technischen Berufen immer noch gibt.

 

 

Wie sah der erste Durchgang mit den Schülerinnen aus Düsseldorf genau aus?

 

Wir haben zwei Einheiten vorbereitet, die jeweils zwei Stunden gedauert haben. In der ersten Einheit haben die Mädchen eine kleine Sequenz in Scratch gebaut – das ist eine Programmiersprache, die modular und visuell aufgebaut und deshalb recht leicht zu erlernen ist. In der zweiten Einheit ging es um HTML/CSS. Die Mädels sollten hier eine eigene Web Seite bauen. Die Kurse fanden in unserem Headquarter in Düsseldorf statt, wir haben dafür extra Laptops ausgeliehen. Für die Sessions war dann unser Tech-Girl Team mit drei Trainerinnen und weiteren Helfern vor Ort.

 

 

Welche Erfahrungen habt Ihr bei dieser „Premiere“ gemacht?

 

 

Die Resonanz hat uns total überrascht. Es kamen so viele Rückmeldungen von der Schule, dass wir spontan die Kurse aufgestockt haben und damit insgesamt 40 Mädchen dabei hatten, pro Kurs waren es dann 20. Wir Trainerinnen mussten natürlich schauen, dass alle Mädchen auch mitkommen. Es war aber wirklich toll zu sehen, wie eifrig alle mitgemacht haben. Überall hörte man „hast Du das auch schon“, oder „guck mal“, oder „ich hab’s“. Einige waren sogar schneller und haben dann selbständig Sachen darüber hinaus gemacht, das hat uns besonders gefreut. Womit wir nicht gerechnet haben: Bei der Abfahrt der Busse an der Schule standen Jungs mit Haarklammern an der Tür und wollten unbedingt mitfahren.

 

 

Wie geht es weiter mit „Tech Girl“?

 

Wir wollen auf jeden Fall mit dem Marie-Curie-Gymnasium Düsseldorf für weitere Einheiten in Kontakt bleiben. Nun geht es darum, Partner-Schulen an unseren anderen Standorten München und Köln zu finden.

 

 

Wie geht es weiter mit Dir?

 

Das IT-Umfeld bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Ob als Software-Entwicklerin und IT Consultant weitere Technologien zu beherrschen, Kunden zu beraten oder mich in ganz anderen Rollen zu probieren – hier ist man nie gelangweilt und immer herausgefordert.

 

 

(Fotos: Valtech)


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