Rückblick zum Themenabend: Wie Online-Journalismus ein zahlendes Publikum findet

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Journalismus wird immer häufiger digital gelesen. Warum auch nicht? Die Inhalte sind schnell verfügbar, bequem aufzurufen und passgerecht  aufs Smartphone, Pad oder Laptop zugeschnitten. So weit so schön. Aber lässt sich damit auch Geld verdienen? Das wollte die Journalistin und Kommunikationsberaterin Christine Plaß wissen und organisierte dazu einen Themenabend der Digital Media Women Berlin. So waren wir am 26. März zu Gast im taz-Café, um über die Finanzierungsmodelle im Online Journalismus zu diskutieren.

Dabei zeigte sich schnell, dass die Möglichkeiten so vielfältig und unterschiedlich sind wie die Inhalte und die Zielgruppe. Umso spannender war es, dass mit unserem Orga-Team-Mitglied Christine drei sehr unterschiedliche Magazin- und Zeitungsmacher diskutierten. Lady first:

v.l.: Mario Münster, Nicola Schwarzmaier, Christine Plaß und Georg Dahm

v.l.: Mario Münster, Nicola Schwarzmaier, Christine Plaß und Georg Dahm (Foto: Urté Kaunas)

Nicola Schwarzmaier hatte den wohl kürzesten Weg ins taz-Café: Sie arbeitet als Site-Managerin für die taz und hat den Relaunch vor knapp 2 Jahren mit zu verantworten. Christine wollte von ihr wissen, „wie die taz ihre Leser dazu bringt, freiwillig für etwas zu zahlen, was sie auch kostenlos bekommen können“? Von Nicola erfuhren wir, dass die taz wie andere Zeitungen auch, zurückgehende Printverkäufe verkraften muss und deshalb eine Online-Umsatzstrategie entwickelte. Zum einen werden die verlagseigenen Produkte, wie z. B. Bildbände, besser vermarktet durch extra erstellte Inhalte auf der Website, anstatt wie zuvor nur durch Werbebanner. Zum anderen setzt die TAZ auf die Zahlungsbereitschaft ihrer Onlineleser. Mit dem Slogan „taz zahl ich“ wird seit 2011 ein Bezahlmodell für die Onlineausgabe etabliert. Auf der Seite des Artikels erscheint nun ein Lay-Over und der Leser kann entscheiden, ob er zahlen möchte oder nicht. Die Abos haben sich dadurch von 1.500 auf 2.500 erhöht. Der Mindestbetrag liegt bei 5 Euro, die Dauer des Abos kann selbst gewählt werden. Nach wie vor gibt es aber die Möglichkeit, auch gratis die kompletten Artikel zu lesen. Wie bei Print prägt der Solidaritätsgedanke das Bezahlmodell: „Die, die bezahlen können, bezahlen. Und die, die eben nicht können, werden von den anderen mitgetragen“, erklärte Nicola Schwarzmaier.

Georg Dahm, Herausgeber des Wissenschaftsmagazins SUBSTANZ, machte dagegen sehr gute Gründe geltend, Online-Journalismus nicht zu verschenken. Er möchte die Profis in seinem Netzwerk aus freien Autoren, Gestaltern, Fotografen, Programmierern und Schlussredakteuren auch anständig bezahlen. Schließlich liefern sie aufwendig recherchierte, individuell gestaltete und im besten Fall großartig geschriebene Geschichten aus der Welt der Wissenschaft – und sie wollen von ihrer Arbeit leben. Deshalb wird bei SUBSTANZ nach zwei Gratisartikeln die Paywall hochgezogen. Der Leser kann dann ein Monatsabo abschließen oder sich einen 24-Stunden-Pass kaufen. Für die Bezahlung haben sie sich für eine Plattform entschieden, die eine Abofunktion für die eigene Plattform anbietet und damit den Aufbau einer Kundenbindung ermöglicht. Weitere Kanäle wie Affiliate-Marketing und Merchandise seien möglich. Genaue Abozahlen und wie viele Abos SUBSTANZ braucht, wollte Georg noch nicht nennen. Er und sein Mitherausgeber Denis Diba waren viele Wochen Vollzeit und auf allen Kanälen unterwegs, um für ihr Magazin zu werben. Dabei wurde ihnen klar, wie viel Arbeit im Vertrieb und Marketing eines Produktes steckt: „Wenn du ein Online Magazin herausgibt, gerade bei Crowdfunding, und du hast tollen Erfolg und du denkst dir, Yeah, die Welt gehört dir, alle kennen dich, dann ist das Bullshit. Die einzigen, die dich kennen, sind Medienjournalisten“, hat Georg erkannt.

Die einen züchten Rosen, die anderen bringen Magazine heraus: „Rosegarden läuft mit wachen Augen durch die Gegend und erzählt, wie Menschen, die etwas kreativ tun und die etwas nachdenklich tun, tagtäglich leben“, beschrieb Mario Münster, Chefredakteur von Rosegarden – Imperium für Geschichten sein Lifestyle-Magazin der besonderen Art. Es begann als ein schönes Hobby und war nie als ein Business-Modell gedacht. Doch dann holte der Erfolg sie ein, und es war Geld nötig, um eine studentische Hilfskraft zu bezahlen und die Entwicklung voranzutreiben. Mario Münster erklärte das Finanzierungsmodell von Rosegarden: Es gibt eine redaktionelle Partnerschaft mit einem Blog eines Online-Bildarchivs. Sie schreiben dort exklusive Artikel als Rosegarden, was ihnen Geld und Bekanntheit verschafft. Das zweite Standbein ist Rosegarden-Shop mit Merchandise-Artikeln wie Taschen oder Plakate. An eine Bezahlschranke denken sie nicht, Rosegarden soll nach wie vor ein kostenloses Online-Magazin bleiben.

Fazit

Ein interessanter Abend, der zeigte: Es gibt viele Bezahlmodelle für Online-Journalismus und nicht den einzig wahren Weg. Bei der Frage, wie sich Online Journalismus finanzieren lässt, sind die eigenen Beweggründe genauso entscheidend wie die Inhalte und deren Zielgruppe. Es bleibt spannend zu sehen, was sich hier in den nächsten Jahren noch entwickeln wird.

Nochmals herzlichen Dank an unsere Gäste Nicola Schwarzmaier, Georg Dahm, Mario Münster sowie Christine Plaß, die Organisatorin des Abends. Das war ein aufschlußreicher und unterhaltsamer Themenabend. Hier noch ein kurzer Ausschnitt aus der Diskussion zum Thema Newsletter-Marketing:


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