Was macht eigentlich eine… App-Entwicklerin? #DigitaleBerufe

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Mit der Digitalisierung wandeln sich existierende Berufe und Neue kommen dazu. Die Abgrenzungen der Berufsbilder und die Aufgabendefinition ist in vielen Fällen noch nicht abgeschlossen. Kein Grund, nicht genau hinzuschauen und nachzufragen: „Was macht eigentlich ein_e …?“ Zum Thema #DigitaleBerufe starten wir eine neue Serie – die Idee dazu kommt aus unserer Community. In dieser Folge gibt uns Nora Hesebeck Einblick in ihren Berufsalltag als Mobile Software Engineer bei freenet.de GmbH. Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation zwischen freenet.de GmbH und den Digital Media Women entstanden.

Welche Aufgaben beschreiben deinen Job? Wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei dir aus?

Mein Team ist für die technische Umsetzung von App-Produkten für iOS und Android zuständig, dabei bin ich als Softwareentwicklerin Teil des gesamten Entwicklungsprozesses eines Produkts, von der Idee bis zum Rollout an den Endkunden.
Der Weg von der Idee zu einer App beginnt ganz allgemein mit einer nutzerorientierten Anforderung. Diese entsteht z. B. auf der Basis von Nutzerfeedback, Markttrends oder als funktionalen Erweiterung einer App. Wir übersetzen diese Anforderung in technisch umsetzbare Aufgaben und programmieren auf deren Basis Software-Code, woraus eine App entsteht.

 

Ein ganz grobes Beispiel: Der Benutzer möchte seinen Namen in Zukunft in der App ändern können. Wenn die App schon eine Darstellung des Namens hat, muss ein zweckmäßiger Weg gefunden werden den Namen editieren und speichern zu können. Technisch bedeutet diese kleine Anforderung eine Anpassung im Layout, einen Editiermodus und das Senden des neuen Namens an den Server, der die Daten speichert. Eine Validierung des neu eingegebenen Namens auf leere Eingaben und eventuelle weitere Einschränkungen wäre ebenfalls notwendig. Nach dem Speichern sollte der Benutzer erkennen können, dass sein Name geändert wurde. Vielleicht durch einen Texthinweis oder rein visuell. Eine einfache Neuerung in der App beinhaltet manchmal mehrere Aufgaben.

 

Typischerweise besteht mein Arbeitstag aus all den genannten Schritten, beginnt aber eigentlich schon vor der Fahrt ins Büro: Ich beginne meinen Tag mit dem Lesen meiner Newsfeeds und bringe mich auf den neusten Stand was aktuelle technische Themen angeht. Im Büro angekommen plane ich meinen Tagesablauf. Je nachdem wie früh ich im Büro bin, starte ich mit meinen Aufgaben oder direkt mit unserem Daily-Standup, indem wir die aktuellen Projekte und ToDos besprechen. Dann beginnt der Hauptteil meines Arbeitstages: programmieren, gelegentliche Absprachen mit den Produktverantwortlichen und anstehende Anforderungen technisch strukturieren.
Die meiste Zeit verbringe ich mit Programmieren und Pull Requests (Code der qualitätsgesichert wird, bevor er in den Test und in die nächste Appversion wandert). Das ist im Detail ein komplexerer Prozess mit Architekturentwicklung, Software- und automatisierter Testumsetzung, Code-Versionierung in git, Qualitätssicherung durch Code-Reviews, Abnahmetests und den anderen Aufgaben des Scrumprozesses (Agile-Projektmethode).

 

Das Mittagessen darf natürlich auch nicht fehlen, wir haben in unserer Umgebung eine große Auswahl an Restaurants, man findet also immer etwas Abwechslung. Am Nachmittag geht es dann meist weiter mit der Programmierung an meinem aktuellen Projekt, das gelegentliche Match auf der Playstation gehört auch dazu, so entspannen wir zwischendurch ein wenig.

Welche Herausforderungen siehst du in der Entwicklung neuer Apps, was begeistert dich?

Ein neues Produkt ist immer eine grüne Wiese. In einem agilen Entwicklungsprozess entstehen schnell erste sichtbare Ergebnisse, etwas komplett Neues zu schaffen ist immer motivierend. Besonders spannend finde ich es als zertifizierter Usability Engineer dabei ein Augenmerk auf Designelemente, User-Pfade und plattformspezifische Anforderungen zu haben und dem Nutzer eine App zu entwicklen, die verständlich und nutzbar ist.

 

Auf einer grünen Wiese lassen sich natürlich auch neue Technologien und Konzepte einsetzen und so neue Erfahrungen sammeln – dies fliest auch in unsere Arbeitsprozesse ein. Das Entstehen einer neuen App bringt aber auch einige Herausforderungen mit, wichtig ist hier schnell zu reagieren und möglichst agil zu arbeiten. Wer früh auf Ruckler im Konzept aufmerksam wird, kann früh reagieren und optimieren.
Letztendlich erschaffen wir etwas komplett Neues. Das ist für mich das Beste an diesem Job, aus Code wird Software die man auf einem Gerät anfassen und als App-Entwickler auch mitnehmen und im Alltag verwenden kann.

Welche Tools unterstützen dich bei der Arbeit?

Allgemein arbeiten wir mit Jira als Ticketsystem und git als Code-Versionierungstool. Jede neue App-Version zum Testen wird von unserem Continuous Integration-Server Jenkins erstellt. Dabei werden unsere Tests ausgeführt, eine Codeanalyse per SonarQube erstellt und die App an unsere Tester per HockeyApp verteilt.

 

Android spezifisch entwickeln wir in Android Studio und arbeiten sowohl mit dem Simulator als auch echten Geräten.
Ab und an tobe ich mich mit mit dem Grafikprogramm Sketch an Icons und anderen Grafiken aus.

Wo inspirierst du dich, wie hältst du dich up-to-date?

Inspiration für App-Entwicklung findet man unter anderem im Alltag, benutzen wir doch alle täglich Apps für den einen oder anderen Use-Case. Manchmal fehlt auch eine App für ein spezifisches Problem oder die vorhandenen Apps bilden den Case nicht ab. So entstehen für mich neue Produkt-Ideen oder auch Ideen zur Erweiterungen für bereits bestehende Apps. Das kann ein Feature oder auch eine Oberflächen-Optimierung sein.

 

Die üblichen Plattformspezifischen Seiten wie bspw. die Google Developers Groups und deren Youtube-Channel hält einen Up to date beim Thema Android.
Tech-Talks auf verschiedenen Konferenzen geben immer einen schönen Einblick in Programmierstile und -erfahrungen, durch das Lesen von fremden Codes kann viel positives abgeleitet werden.

Hast du Tipps für Interessierte, die sich aus- oder weiterbilden lassen möchten?

Für Android und Google Themen, schaut euch auf der Google Developers Webseite um.
Fundierte deutschsprachige Weiterbildung im Umfeld Usability & UX bietet das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik.

Hast du Tipps zu Blogs / Websites / Konferenzen / Gruppen?

Meet-ups: Es finden immer mal wieder Meet-ups zu technischen Themen statt, schaut dort mal rein, ob es etwas Interessantes in eurer Nähe gibt. Android Meet-ups sind zum Beispiel hier: Android-Developers/ und hier Android
Konferenzen: Natürlich dürfen die Google I/O, Droidcon, GDG-Devfest und weitere Android Events sowie Usability-Tagungen hier nicht vergessen werden.
Mobile spezifische News gibt es zum Beispiel bei mobilegeeks.de und mobilegroove.com.

Welche Entwicklung und Trends siehst du in deinem Themenbereich?

Momentan geht der Entwicklungstrend stärker zu Patterns wie MVVM und Reactive Programming. Dadurch lässt sich natürlich auch die Testabdeckung auf verschiedene Weisen optimieren.
Allgemein stehen die großen Mobile Tech Konferenzen noch an dieses Jahr, mal schauen was kommt!

Nora Hesebeck (Foto: privat)

Nora Hesebeck hat nach der Offizierausbildung bei der Bundeswehr ein duales Wirtschafts-Informatik Studium abgeschlossen und ist bei derfreenet.de GmbH als Mobile Software Engineer angestellt. In ihrer Freizeit trifft man sie bei der einen oder anderen Sportart, Unternehmungen mit Freunden oder unterwegs mit dem Hund.

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