Was macht eigentlich eine… Bloggerin? #DigitaleBerufe

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Mit der Digitalisierung wandeln sich existierende Berufe und neue kommen dazu. Die Abgrenzungen der Berufsbilder und die Aufgabendefinition ist in vielen Fällen noch nicht abgeschlossen. Kein Grund, nicht genauer hinzuschauen und nachzufragen: „Was macht eigentlich ein_e …?“ In loser Abfolge geben Frauen aus unserer #DMW Community Einblick in ihren Berufsalltag in der Digitalwirtschaft.

 

Sandra Stabenow, #DMW Orga-Mitglied, Freelancerin und Gründerin des Online-Magazins „Frau, frei &“, in dem selbstständige Frauen sichtbar werden.

 

Wir haben dich explizit als „Bloggerin“ angefragt, weil du neben deiner Selbständigkeit das Online-Magazin „Frau, frei &“ gegründet hast.

Gib uns doch bitte erst einmal einen Einblick, was alles zur Gründung und Führung so eines Online-Magazins gehört und welches Ziel du damit verfolgst. 

Frau, frei & ist Anfang 2015 ursprünglich als Hobby-Projekt zwischen drei selbstständigen Freundinnen und mir entstanden. Einmal im Monat trafen wir uns zum Frühstück, um uns über unsere Selbstständigkeiten auszutauschen. Wir merkten wie wertvoll diese Treffen waren, da wir auch Antworten auf Fragen fanden, die wir nirgendwo anders geklärt bekamen – nicht einmal online. Wir profitierten von den Erfahrungen der jeweils anderen und kamen zu dem Entschluss, dass nicht nur wir vier Nutzen aus unserem Austausch ziehen sollten.

 

Seither sind über 100 Beiträge mit thematischem Bezug zur Selbstständigkeit auf Frau, frei & veröffentlicht worden. Von informativen Beiträgen zur Selbstständigkeit mit Kind über Erfahrungsberichte, wie zum Beispiel ganz aktuell mein Einnahmenreport des 1. Halbjahres 2017, hin zu Tipps für das eigene Business, ist im Magazin einiges zu finden. Außerdem portraitiere ich gerne Frauen, die bereits selbstständig sind – egal ob nebenberufliche Gründerin, Freiberuflerin, langjährige Unternehmerin. Ich will sie sichtbar machen; sie als Vorbilder zeigen. Um auf diesem Wege andere gründungsinteressierte Frauen zu inspirieren, einen anderen Weg, als den der Festanstellung zu gehen.  Auch hier sind schon über 100 Interviews auf Frau, frei & erschienen.

 

In den vergangenen (fast) drei Jahren ist viel passiert – und Frau, frei & aus seinem Status als reines Online-Magazin entwachsen. Ich sehe es mittlerweile als Netzwerk für selbstständige und gründungsinteressierte Frauen, das die Möglichkeit zum Austausch und der Weiterbildung bietet. Diese Weiterentwicklung geschah, weil ich den Bedarf erkannt habe und nun unermüdlich an den entsprechenden Angeboten feile. Ich spreche übrigens von mir, weil sich meine Gründungspartnerinnen in der Zwischenzeit anderen Projekten und Aufgaben gewidmet haben.

 

Neben den offensichtlichen Aufgaben die FF& mit sich bringt, nämlich dem regelmäßigen Verfassen und Einpflegen von Beiträgen sowie Erarbeiten und Führen von Interviews – je 1 pro Woche – gibt es viele weitere Aufgaben, um die ich mich kümmere.

 

Social Media

Selbstverständlich verbreite ich jeden Blogbeitrag auf den Social-Media-Kanälen Facebook, Pinterest und Twitter. Darüber hinaus trage ich insbesondere für die beiden letztgenannten Plattformen regelmäßig Inhalte zum Thema Selbstständigkeit zusammen, die ich dort teilen kann. In der Regel programmiere ich diese vor und brauche je nach Netzwerk einen halben bis ganzen Tag Zeit. Auf Twitter bin ich aber auch täglich selbst aktiv, um zu schauen, was so in der Welt der Selbstständigkeit passiert und um mich an aktuellen Gesprächen und Diskursen zu beteiligen.

 

Für Facebook denke ich mir regelmäßig einzigartige, unterhaltsame Inhalte aus, wie zum Beispiel das #InterviewOhneWorte oder #TGIF – Thank God I’m Free. Auf Facebook kündige ich außerdem die Frühstücke für selbstständige Frauen an, die ich regelmäßig in Hamburg und mittlerweile auch deutschlandweit organisiere – hier müssen natürlich entsprechende Locations gemietet werden.

 

Zu weitere administrative Aufgaben gehören u.a. das Beantworten von E-Mail-Anfragen und Kommentaren sowie das Schreiben eines Newsletters.

 

Monetarisierung

Wie ich schon sagte ist Frau, frei & als Herzensprojekt gestartet. Wenn man allerdings so viel Zeit wie ich in den Blog steckt – 20 Stunden die Woche sind keine Seltenheit und das neben meiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit wohlgemerkt –, kann man das auf Dauer nicht aus reinem Selbstzweck tun. Vergangenes Jahr kam ich an einen Punkt an dem mir klar wurde, dass ich über Frau, frei & Geld einnehmen muss, um dort weiterhin so aktiv zu sein.

 

Die Fragen für ein Interview erdenken sich nicht selbst. Die Recherche ist aufwändig – auch für themenspezifische Beiträge. Eine Monetarisierung des Magazins ist unausweichlich. Oder aber ich reduziere mein Engagement bzw. fahre es ganz runter. Da das für mich allerdings derzeit keine Option ist, muss ich Wege finden mir meine Arbeitszeit, die ich in Frau, frei & stecke bezahlen zu lassen. Schließlich muss ich von irgendwas meine Miete und Rechnungen zahlen…

 

Aber hier steckt die Schwierigkeit. Bis man an den Punkt kommt, an dem man interessant für Kooperationspartner wird, weil man eine ordentliche Reichweite hat, vergeht eine lange Zeit. Und auch erweiternde Angebote wie zum Beispiel E-Books und Kurse erstellen sich nicht von selbst – und sind auch keine Selbstgänger.

 

Welche Tools nutzt du, um das Online-Magazin „Frau, frei &“ voranzubringen?

Eben hatte ich bereits Tools angesprochen, die ich zum Schedulen von Social-Media-Beiträgen nutze – mit dem Ziel die Sichtbarkeit für FF& kontinuierlich zu steigern. Während ich bei Facebook, die vom Netzwerk selbst vorhandene Funktion nutze, weil das Einprogrammieren von Beiträgen mittels Drittanbietern zu Reichweiteneinbußen führt, verwende ich für Pinterest Boardbooster und für Twitter Tweetdeck.

 

Meinen Redaktionsplan habe ich in einer Excel-Tabelle konzipiert, die ich mit allen anderen Dokumenten, Unterlagen etc. auf Google Drive abliegen habe. Aus Datenschutzgründen werden einige jetzt sicher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber das Tool hat sich insbesondere in der Zusammenarbeit mit Mehreren bewährt. Ebenso wie Slack, das wir zur Abstimmung zwischen unseren monatlichen Frühstücken genutzt haben. Mir ist bei solchen Programmen besonders wichtig, dass ich von überall aus Zugriff auf sie habe; es also auch entsprechende Apps gibt.

 

Zur Herstellung von Grafiken und Bannern sowie zur Bearbeitung von Bildern nutze ich Photoshop und PicMonkey. Die Bilder selbst finde ich bei kostenlosen Stock-Datenbanken wie zum Beispiel Pexels und Unsplash.

 

Um Nachzuhalten wie viele Besucher monatlich den Weg auf Frau, frei & gefunden haben, nutze ich Google Analytics. Rückwirkend werte ich auch immer aus, welche Themen besonders und welche weniger gut bei unseren LeserInnen angekommen sind. Davon leite ich neue Beitragsthemen ab.

Welche Fähigkeiten sollte man als Bloggerin mitbringen? Sind Multitalente gefragt oder reicht es, gerne zu schreiben?

Ich glaube, die Auflistung meiner regelmäßigen Aufgaben und Tools hat gezeigt, dass es für eine Bloggerin nicht mehr nur ausreicht gerne zu schreiben. Frau muss gleichzeitig ein Händchen für PR- und Social Media mitbringen und gut organisieren können – sowohl sich selbst, als auch die eigenen Aufgaben. Sie muss Zahlen jonglieren wollen und wissen wie Suchmaschinenoptimierung funktioniert.

 

Wenn man mit dem Hintergrund bloggt damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, muss man natürlich auch unternehmerische Fähigkeiten mitbringen. Preise kalkulieren, Angebote konzipieren und umsetzen, Rechnungen schreiben, Steuererklärungen machen. Und, und, und.

Wie bist du Expertin für das ganze Online-Spektrum geworden?

Ich blogge bereits seit acht Jahren. Anfänglich im Modebereich. Vor fünf Jahren habe ich dann ein Praktikum in der Online-Redaktion der Petra und FürSie gemacht. Dort habe ich gelernt, was gute Inhalte fürs Netz ausmacht.

 

Anschließend habe ich eine einjährige Ausbildung im Bereich Suchmaschinenoptimierung gemacht, wo ich gelernt habe, worauf man achten sollte, wenn man von Google gefunden werden möchte.

 

Auch wenn ich darauffolgend ein Social Media Volontariat begonnen – und zum Ende der Probezeit abgebrochen – habe, habe ich mir mein Wissen im Bereich der sozialen Medien größtenteils autodidaktisch angeeignet und durch Berufspraxis gefestigt. Seit über drei Jahren arbeite ich nun als freie Social Media und Content Marketing Managerin für kleine und mittelständische Unternehmen; berate aber auch Gründer, Selbstständige und Start-ups.

Was ist die Herausforderung als Bloggerin und Gründerin eines Online-Magazins – muss man permanent mit den Trends gehen?

Ich frage mich, gerade in Bezug auf die Entwicklung hin zu mehr Audio- und Bewegtbild, wie lange ich mit Frau, frei & noch in dieser Form erfolgreich sein kann? Muss ich mich, um langfristig zu bestehen, vor die Kamera wagen? Muss ich mit der Smartphone-Kamera vor dem Gesicht durch mein Leben laufen, um meine LeserInnen daran teilhaben zu lassen? Zu einem Ergebnis bin ich in meiner Grübelei noch nicht gekommen, die auch gar nicht aussagen soll, dass ich Instagram Stories, YouTube-Videos oder Podcasts ablehnend gegenüberstehe. Im Gegenteil. Ich probiere gerne neue Dinge aus, weshalb ich mich jetzt mal an Letzterem versuchen werde. Nichtdestotrotz liegt meine Stärke klar im Bloggen… wobei ich auch hier klar meine Hausaufgaben machen muss: das mobile Nutzungsverhalten der LeserInnen, die Sprachsuche…

Wie bleibst du up-to-date?

Ich halte mich vor allem durch Social Media auf dem neuesten Stand. Twitter ist hier meine erste Wahl. Aber auch auf Facebook folge ich ausgewählten Seiten, wie zum Beispiel Gründerszene. Hier finde ich aber insbesondere Gruppen spannend für Neuigkeiten aus dem Bereich Entrepreneurship und Digitale Medien. Für diese Themen lohnt sich auch immer ein Blick über den großen Teich, da uns Amerika diesbezüglich immer einen Schritt voraus ist. Wer sich viel mit Social Media beschäftigt sollte auch die Neuigkeiten-Sektion der sozialen Netzwerke scannen. In der Regel erfährt man von Erweiterungen und neuen Funktionen an dieser Stelle zuerst.

 

Für mich ist der Austausch mit Gleichgesinnten und in Branchennetzwerken wie den Digital Media Women Gold wert. Meine Erfahrung zeigt, dass mich kleinere Veranstaltungen mit einem Themenschwerpunkt, wie zum Beispiel die Themenabende der #DMW, oft weiter bringen, als große Konferenzen. Diese sind selten innovativ und man bekommt meist das zu hören, was man eh schon weiß, wenn man sich beruflich mit diesen Themen auseinandersetzt.

Deshalb habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht auch regelmäßig auf Artfremde Events zu gehen, um mir selbst neue Impulse zu geben und aus meiner Filterbubble auszubrechen.

 

Sandra Stabenow

Sandra Stabenow (Foto: privat)

Sandra Stabenow ist freie Social Media- und Content Marketing Managerin. Sie unterstützt Startups, Gründer und Selbstständige dabei sich in Social Media richtig aufzustellen und macht mit ihrem Online-Magazin „Frau, frei &“ selbstständige Frauen sichtbar.

 

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